Band 
Erster Band. A - H.
Seite
196
JPEG-Download
 

196

Cellitae — Centralbauten.

zu Constantinopel die Apostelkirehe als Erb-begräbnis seines kaiserlichen Hauses er-richten Hess ( Euseb. Yit. Const. IV 58—60).Und wenn auch dieser Gebrauch nicht all-gemein wurde, so wurden doch vielfachsolche Cellae oder Memorien gebaut alsDenkmäler und Heiligthiimer zur Verherr-lichung der durch Wunder der Glaubens-helden geweihten Stätten.

Die Form dieser Cellae ist die Rotunde.Bezeichnete ,C.‘ im heidnischen Tempel dasWohnhaus des im Bilde gegenwärtigen Got-tes, als welches ja der Tempel eigentlichzu dienen hatte, so ist dagegen die christ-liche Kirche der eigentliche Versammlungs-ort der gläubigen Gemeinde. Und darausmag es erklärt werden, dass in der christ-lichen Kirche nicht die Apsis, sondern dasSchiff' derselben als C. bezeichnet wird. OtteArchiiolog. Wörterbuch 290. Vgl. übrigensd. Art. Basilika. dippel.

| Cella im Sinne von Mönchszelle ist we-sentlich mittelalterlich. Es findet sich z. B.bei Combefis De templo s. Sophiae 260: ?£-i5o-at -w x/vjpto xat y.e)jJ.a zlc ra jrept? zct-aTTjV TOttilV auT<üv. K.|

CELLITAE, zeaXkotou, eine Klasse vonMönchen, die in einiger Entfernung vondem Coenohium in kleinen Zellen wohnten,theils um abgesonderter, zuweilen wol auch,um der strengem Diseiplin des Klosters nichtunterworfen zu sein. Aus solchen Zellensetzten sich die Lauren (s. d. A.) zusammen.Nach Cassian. Coli. XVIII 17 scheinen dievon ihm getadelten Sarabaiten zu letztererKategorie gehört zu haben; auch im Abend-lande führte diese Lebensweise zu Miss-briiuchen (Conc. Aurel. I, c. 22; Agath. c.38). Seit der Reform des Ordenslebensdurch Benedict wurde dieselbe allem An-schein nach im Abendlande aufgegeben unddurch das Institut der In- oderReclusenersetzt.

CELLULAX'US, vielleicht gleichbedeutendmit Cellita, nach Ducange i. v. = contu-bernalis, von Mönchen, die zu zweien ineiner Zelle leben. Sidon. Apoll. Ep. IX 3.Dann steht das Wort für den Contuberua-len, welchen die Bischöfe und zuweilenselbst Priester und Diakonen, um jeden An-stoss zu meiden, haben mussten: Greg. 31.Ep. IV 44; Ennod. Ep. 7 (wo auch con-cellanei). Zur Sache vgl. August. Ep. 236(apud famosam mulierem nullum teeumclericum habens remanere et prandere etcoenare ausus est); Conc. Gerundense subIlormisd. 6, 7; Syn. Rom . II sub Greg. I;Toletan. IV, c. 22 f. u. s. f.

CENONES, die zweite Rangstufe in derHierarchie der Montanisten: llieronym. Ep.54 ad Marcell. adv. Mont. (Opp. II 181):

apud nos apostolorum locum episcopi te-nent; apud eos episcopus tertius est. Ha-bent enim primos de Pepuza patriarchas,secundos quos appellant cenones, atque itain tertium, id est, paene ultimum locumepiscopi devolvuntur.

CENSUREX, s. Kirchenzucht.

CENTENARII scheinen die Anordner beiheidnischen Aufzügen geheissen zu haben;Cod. Theodos. XVI, tit. X de pagan. leg.20 hebt das Institut auf. Vgl. BinghamVH 258. Die Bezeichnung kam denn auchin den Klöstern auf, wo der Aufseher überhundert Mönche Centenarius hiess, wie der-jenige über zehn Decanus. Vgl. Binghama. a. 0. III 69.

CEXTRALBAUTEX. I. Die religiösen An-schauungen und Bedürfnisse äussern noth-wendig einen bestimmenden Einfluss auf dieGcstal t der Cultusgebäude. Desswegon konnteder christliche Cultus sich nicht mit dem an-tiken Tempel begnügen, sondern musste sichandere passende Gebäudeformen schaffenund ein System in Anwendung bringen,wie es die Römer in ihren Basiliken hatten,[n und mit der Basilika, die für das hl.Opfer und die gesammte Liturgie sich gleichanfangs als vollkommen entsprechend er-wies, feierte die Architektur des Abend-landes ihre Triumphe, und auch im Orienteist dieselbe seit Constantins Zeiten in be-ständiger Anwendung. Ausser dem eigent-lichen Gottesdienste, der im hl. Messopferseinen Mittel- und Höhepunkt findet, gabund giebt es aber auch manche anderespezielle liturgische Bedürfnisse, zu derenBefriedigung besondere Bauanlagen mit denentsprechenden Formen errichtet wurden.Wir fassen alle hierher gehörigen Bau-werke zusammen in dem Begriffe von Cen-tralbauten und Rotunden (Rundbau-ten). Das Charakteristische der C. lässtsich dahin angeben, dass ein kreisrunderoder polygonaler, hoher, von einer Kuppelüberdeckter, auf einem Säulenkreise oderauf Pfeilern ruhender Mittelbau von einemconcentrischen, niedrigem Umgänge gestütztund umgehen ist ( Otte Ilandb. d. kirehl.Kunstarchäologie 280). Es sind also Bau-ten, deren einzelne Bestandtheile sich sym-metrisch um ein rundes oder polygonesMittelglied eoncentriren, welcher Mittelbaumit einer meist halbkreisförmigen Kuppelbedeckt ist. Darum heisst man die C. auchKuppelbauten. Vor noch nicht langerZeit war man gewohnt, alle diese Bautenals byzantinische zu bezeichnen, was in-dess durch die neuere Forschung als völligunrichtig erwiesen ist. Immerhin aber istdie ,byzantinische Frage 1 , auf dem gesumm-ten kunstgebiete eine der schwierigsten,