Band 
Erster Band. A - H.
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Centralbauten.

nicht bloss in Tempeln und Grabmälern vor,sondern sind überhaupt ein charakteristi-sches Gemeingut der römischen Baukunst,wie das vielfache Auftreten derselben inder Profanarchitektur, besonders in denThermen, beweist, wo sie in Verbindungmit den mannigfaltigsten Grundrissbildungenwiederkehren.

Mit dem Grabtempel hatte sich die Rund-form in die christliche Architektur einge-bürgert. Und zwar sind die kreisrundenund polygonen Katakombenkapellen die er-sten christlichen Denkmäler, die sich völligder römischen Weise anschliessen. Beispielefinden sich mehrfach in den Katakombendes Praetextatus an der Via Appia (PerretLes Catacombes de Rome, vol. I, pl. 36bis 39), in jenen des hl. Callistus (vol. I,pl. 16) und des hl. Marcellin bei Rom ( Agin-court Arch. T. IX 15, 16). Seit Constantinerheben sich die christlichen Bauten überden Boden, und von dieser Zeit erscheinenmanche christliche Grabkirchen, die wirals die erste Art von christlichen C. hierbetrachten wollen. Zwar haben sich dieChristen die Vortheile der römischen Ge-setze über das Begräbnisswesen zu Nutzengemacht (Kraus R. S. 49—61), aber dessen-ungeachtet war die Behandlung der Ver-storbenen in der Kirche von jener im Hei-denthume so verschieden, als die Lehre desChristenthums über den Tod und seine Be-deutung von den Anschauungen der heid-nischen Welt sich unterschied. Der Glaubean die Gemeinschaft der Heiligen 1 äussertesich durch Opfer, Fürbitte und Liebeswerke,was nothwendig auch auf die Anlage derchristlichen Grabkirche bestimmend ein-wirken musste. Die Grabkirche ist keineGemeindekirche, zur regelmässigen Dar-bringung des hl. Opfers bestimmt, sondernein mehr beschränkter Raum, der Platzbietet für ein oder mehrere Gräber, füreinen Altar und eine geringere Zahl derGläubigen. Hierzu erschien die centraleForm als besonders geeignet, wesshalb sieauch stets Anwendung fand. Meistens rundoder polygon, haben die Grabkirchen nureine Thüro, kleinere Fenster und eine dasGanze überwölbende Kuppel. Der Sarko-phag steht der Thüre gegenüber in einerWandnische, der Altar in der Mitte desBaues. Neben dieser einfachsten Form gabes aber auch reicher ausgebildete Bautendieser Art. Dahin gehören schon die con-stantinischen Bauten, wie z. B. das Grab-mal der Constantia, die Kirche S. Costanzaan der Via Nomentana bei Rom (HübschDie altchristl. Kirchen etc. T. VH, f. 1 u.T. VIII, f. 1), wo Nischen, vier grösserenach der Grundform eines Kreuzes ange-ordnet, dazwischen jedesmal drei kleinere,letztere etwas oberhalb des Fussbodens be-

| ginnend, in die Wandungen eingetieft sind.| Diese durch Nischen gegliederte Wand istj aber nicht der cylindrisehe Unterbau der] Kuppel, sondern der nach Art eines Seiten-schiffes das Innere umgebende und ge-wölbte Umgang. Nahe verwandt mit die-sem Mausoleum der Tochter Constantins d.Gr. ist in Bezug auf den Aufbau das ur-alte Baptisterium zu Nocera de’ Pagani,das nachmals unter dem Titel S. M. Ro-tunda oder S. M. Maggiore in eine Volks-kirche verwandelt wurde. Und damit habenwir nun eine zweite Art von christlichenRundkirchen bezeichnet, nämlich die Tauf-kirchen (Baptisteria).

Auch für diese Art von C. ist ,sowol dieBezeichnung derselben als Baptisterien, wiedie Ccntralform, welche fast ausschliesslichbis ins späte MA, hinein im Gebraucheblieb, aus dem gleichnamigen Schwimm-teiche der Thermen hergeleitet 1 (Rahn a.a. O. 23). Die Entstehung der Baptisterienals selbständiger christlicher Gebäude wurde| bedingt durch die altchristliche Sitte derI Collectivtaufe und des Immersionsritus. Be-l kanntlich wurde ja in den ältesten Zeitendie feierliche Taufe an den Vigilien vorOstern und Pfingsten gespendet, wiewol dieAlten sonst wie wir zu jeder Zeit tauften(Mattes Freiburger Kirchonlex. X 678). InBetreff der Abwaschung dagegen weichtdie heutige Praxis der lateinischen Kircheentschieden von der Praxis der alten Kircheab. Wir pflegen die Abwaschung durchBesprengung oder durch Begiessung mitWasser vorzunehmen; die Apostel dagegenhaben sie durch Untertauehung (immersio)vorgenommon, und diese Art zu taufen istallgemeine Praxis gewesen bis tief in dasMA. herunter (vgl. Thom. Aq. Summ. III66, 7). Von dieser Untertauchung hat dieTaufe (ßairua|xoc) ihre Hauptbenennung er-halten. Aus dieser Art des Taufritus undauch aus dem Grunde des vorbereitendenUnterrichtes, den die Katechumenon mei-stens in den Taufkirchen empfingen (Au-gusti Beitr. I 28), folgt von selbst die Noth-wendigkeit besonderer, von der eigentlichenKirche getrennter, grösserer Räumlichkei-ten. Das Wesentlichste war hier, wie Jacob(Die Kunst im Dienste der Kirche 28) rich-tig bemerkt, nicht der Altar, sondern dasTaufbecken (fons baptismi, piscina), welchesso angebracht sein musste, dass der Zugangzu demselben sowol bei der Feier der Tauf-wasserweihe, als auch besonders bei derAusspendung des hl. Saeramentes der 'laufeselbst an so viele Täuflinge leicht und un-behindert, zugleich aber um dasselbe hernoch genügender und passender Platz warfür die harrenden und sich aus- und an-kleidenden Täuflinge und für ihre Pathen.Diese Anforderungen der Liturgie mussten