Centralbauten.
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von selbst auf die Anwendung der centra- 1len Bauform, d. h. auf die runde oder po-lygone Anlage der Taufkirchen führen.Wirklich war die achteckige Form die amhäufigsten gewählte. Tn der Mitte des Bap-tisteriums befand sich ein Bassin oder Becken,in welches die Täuflinge an den acht Sei-ten auf mehreren Stufen hinunterstiegen;dasselbe war in entsprechend Raum ge-währender Entfernung von einer, ebenfallsrunden oder achteckigen Umfassungsmauerumgeben, an deren Seiten sich öfters halb-runde Nischen anlegten. Ein solches Bassinbefindet sich in der alten Taufkirche S. M.Maggiore zu Nocera de’ Pagani (Schulz Un-teritalien TT 218) und zu Ravenna in demBaptisterium der Ecclesia Ursiana, wo einkanzelartiger Einbau, der Aufenthaltsortdes Priesters während der Taufe, in Formeines Halbkreises in das Bassin vorspringt(v. Quast Ravenna 4). Auch bei den Me-mo r i e n, d. h. jenen Kirchen, die nichtals eigentliche, für den regelmässigen Got-tesdienst bestimmte Gebäude aufgeführt,sondern zur Erinnerung an Heilige und zurVerherrlichung der durch Anwesenheit undWunder der Glaubenshelden geweihten Stät-ten errichtet wurden, war die am häufig-sten wiederkehrende Form die centrale.Stehen sie ja, da sie vorzugsweise die Be-deutung des Denkmals haben, in engerBeziehung zur Grabkirche; darum habensie auch die derselben eigenthümliche Cen-tralform. Als constantinische Memorien er-scheinen die hl. Grabkircho ( Easeb . Vit.Const. ITT 38) und die Himmelfährtskirchezu Jerusalem . Letztere war ein von dreigewölbten Hallen umgebener Rundbau, ,cuiusrotundae ecclesiae inferior domus sine tectoet sine camera, ad coelum sub aere nudoaperta patet 1 nach der Beschreibung desfränkischen Bischofs Arnulf (in den ActaSanctorum 0. S. B. saec. HI, P. H 509).
Tndess beschränkt sich der Gebrauch desCentralbaues keineswegs ausschliesslich aufdie genannten, mehr untergeordneten Ge-bäude , sondern findet auch, freilich mehrvereinzelt und ausnahmsweise, auf grössere,für den Gemeindegottesdienst bestimmteKirchenanlagen Anwendung. Beweis hier-für sind einige schon unter Constantin d.Gr. und in der unmittelbar darauf folgen-den Zeit erbaute Kirchen: so die Mutter-gotteskirche zu Antiochien , die von demVater des hl. Gregor v. Nazianz zu Neo-eaesarea erbaute Kirche, die Kirche deshl. Georg zu Thessalonich, die vom PapstSimplicius 408 erbaute Kirche »S. Stefanorotondo in Rom , die aus dem Ende des4. Jahrli. stammende Kirche S. Lorenzo inMailand u. s. w. Es ist wol nicht in Ab-rede zu stellen, dass auch im Christenthumeine innige Beziehung besteht zwischen
Grab und Tempel, indem ja die Kirchenüber den Martvrergräbern errichtet oderwenigstens mit Reliquien der Heiligen ver-sehen wurden; allein diese innige Verwandt-schaft ist es nicht, die uns die Anwendungdes Centralbaues auch für Hauptkirchen derGemeinde erklärt, so wenig als sie es er-klärt, warum in vereinzelten Fällen für diechristliche Grabkirche das Basiliken-Schemaverwendet wurde, wie aus dem Grabmaldes Probus hinter der Apsis der alten S.Petersbasilika ersichtlich wird, das die Formeiner kleinen dreischiffigen Säulenbasilikahatte (bei Bahn a. a. 0. 33, Anm.). Viel-mehr scheint uns Jacob (Die Kunst imDienste d. K. 32) das Richtige getroffen zuhaben, wenn er schreibt: ,es ist wol an-zunehmen, dass diese vereinzelten Kirchen-anlagen ihre Form nicht so fast aus derRücksicht auf die Gesammtliturgie und ihreAnforderungen, als vielmehr aus dem Be-streben herleiteten, mit jener architektoni-schen Pracht zu imponiren, die freilich we-der den antiken noch den christlichen Bau-ten dieser Art abgesprochen werden kann.Die Grossartigkeit eines um ein Centrumher mächtig sich ausdehnenden freien Rau-mes, die Kühnheit der schon in der altenBauweise so beliebten Kuppelgewölbe, dieüberraschende Fülle des von da über denMittelbau einströmenden Lichtes, die durchdiese Wölbungen erzielte grössere innereEinheit und reichere Mannigfaltigkeit deräussem Darstellung, — das Alles mochtegegenüber der einfachen Basilikenanlagesolchen C. einen gewissen Vorzug verleihen. 1
Damit hätten wir in den allgemeinstenUmrissen angegeben, wie weit die C. imchristlichen Alterthum Anwendung fänden.Die Vollständigkeit der Behandlung fordertaber, dass wir auch die einzelnen Modifica-tionen angeben und die Entwicklungsstufenbetrachten, welche die C. innerhalb der vonder ,Encyklopiidie‘ ins Auge gefassten Pe-riode durchmachen mussten. Die Grundformdieser Bauten haben wir oben mit den Wor-ten Hahns geschildert und gesehen, dassdie früheren C. als ,ungesäulte Rotunden 1bezeichnet werden können, d. h. als solche,die gleich ihrem Vorbilde, dem Pantheon,denselben Durchmesser hatten, wie die da-rauf ruhende Kuppel, so dass sie dieserein ununterbrochenes Auflager gewährten.Aber man dachte sehr bald daran, dieseeinfache Unterlage zu gliedern und darausweitere Consequenzen zu ziehen, welche es; gestatteten, auch anders gestaltete Räume• mit halbkugelförmiger Kuppel zu bedecken.Schon Rom und die Campagna bieten da-für zahlreiche Beispiele, unter denen der■ zehneckige sog. Tempel der Minerva Me-i dica besonders merkwürdig ist. Derselbei ist nach dem Pantheon der grossartigste