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Christenthum.
keit ist aus Gott . 1 Und Christus selbst sagt:,ohne mich könnet ihr nichts thun 1 (Joh.15, 5). Also muss Christus selbst dem Ein-zelnen helfen und er hilft durch seine Gnade.Die Gnade ist aber nicht etwa bloss dieAusübung einer göttlichen Gunst, sondernzugleich eine göttliche Kraft, die Mitthei-lung einer Gabe. Es ist ja die Gnade, dieuns erzieht, uns disciplinirt zum gerechtenund gottseligen Glauben und zur Verleug-nung aller weltlichen Begierde, wie unsder hl. Paulus belehrt (ad Tit. 2, 11—12):,apparuit enim gratia Dei Salvatoris nostriOmnibus hominibus, erudiens nos, ut ab-negantes impietatem et saecularia deside-ria, sobrie et iuste, et pie vivamus in hocsaeculo. 1 Seine Gnade hatte Christus angewisse sinnliche Gegenstände geknüpft,welche dieselbe dem Menschen vermittelnkönnen und müssen. ,Die einfachsten, demmenschlichen Organismus und Leben amnächsten stehenden Stoffe und Acte wurdenvon dem Herrn zu Gefässen und Werk-zeugen höherer Gaben, zu Conductoren hei-ligender Kräfte erwählt: Wasser, Brod undWein, Oel, Auflegung der Hände. Und andiese symbolischen Stoffe und Handlungenwurden entsprechende Worte geknüpft, wel-che so zur vollziehenden That wurden und,die Gnade in Einen Moment concentrirend,das wirkten, was sie sagten und was derAct bedeutete, so dass sie als entscheidendeThatsachen, als Denksäulen seines religiösenLebens und Anhaltspunkte seines Vertrauensin der Anschauung und Erinnerung desEmpfangenden blieben 1 (Döllinger Christenth.u. Kirche 241). Die Gnadenmittel sich zuNutzen zu machen, dadurch völlige Rein-heit und kraft derselben Aehnlichkeit mitGott zu erlangen, ist die Hauptaufgabe desMenschen in diesem Leben. Je nach Er-füllung oder Vernachlässigung dieser Le-bensaufgabe wird sich das Schicksal desMenschen nach dem Tode bestimmen, wel-ches im Gerichte (Hebr . 9, 29) für dieganze Ewigkeit festgesetzt wird, ewige Se-ligkeit oder ewige Verdammniss.
Ist dieses der freilich nur in schwachenUmrissen angedeutete Rahmen, von welchemdas Bild der Welt- und Lebensauffassungder Christen umschlossen wird, so ist ein-mal klar, dass das C. nicht blosse Lehre,also auch nicht blosses Glaubensobject sei,wie die Reformatoren wollten; andererseitserhellt aber auch, dass es nicht ist, alswas Lessing es hielt, dem es identisch er-schien mit christlicher Moral 1 und, sofernsich diese auf das Verhältniss der Menschenuntereinander bezieht, mit dem Wesen derh reimaurerei (vgl. II. Lange Leasings Ver-hältniss z. Relig. u. Christenth. l(i). Auchist das C. nicht geradezu gleichbedeutendmit christlicher Kirche oder mit denjenigen
Gebräuchen und Einrichtungen, die wir inderselben finden, sondern das C. ist diesesAlles zusammen und zumal, ohne dass allesdieses in seiner Vereinigung den Inhaltdieses Begriffes erschöpfen würde. Müssenwir ja dasselbe, um es in seiner ganzen cha-rakteristischen Eigenthümlichkeit erscheinenzu lassen, auch in seinem Verhältnisse zuden ihm vorausgehenden und neben ihmbestehenden Systemen der Welt- und Le-bensauffassung betrachten, oder, um mitStaudenmaier (Freiburger K.-L. II 499) zureden, ,sowol im Verhältnisse zur ganzenMenschheit und zur Geschichte derselben,als im Gegensätze zu den ausserehristlichenReligionen. So angesehen, ist das C. dasg e s a m m t e Werk Christi, wie diesesvon Ewigkeit her durch Gott beschlossen,in der geeigneten Zeit in die Welt einge-treten, unter providenzieller Leitung seine,die ganze Menschheit umspannende, dasHeil der Völker und der Individuen be-dingende Wirksamkeit entfaltet, dabei aberbeständig zum Kampfe mit jenen Principiensich herausgefordert sieht, die ihrem Ur-sprünge und ihrer Natur nach dem Ileiden-thum angehören. 1 Es wird uns darum ob-liegen, wenigstens andeutungsweise das Ver-hältniss des C.s zum Juden- und Heiden-thum festzusetzen. Es ist in dieser Hinsichtmanche Unklarheit, selbst von Gelehrten,zur Schau gestellt worden. E. r. Lasaulxz. B. (Studien des dass. Alterth. 45, unddess. Neuer Versuch einer alten Philos. d.Geschichte) stellt das Verhältniss so dar,als werde Gott ,nach heidnischer Weisepantheistisch als ein substanzieller inner-weltlicher, nach der Lohre der Juden mono-theistisch als ein persönlicher über weltlicher,im C. als einer, der beides zugleich ist, ge-glaubt 1 . Nichts kann falscher sein als dieseAuffassung, welche das C. als eine Versöh-nung und Ausgleichung von zwei in Iieiden-thum und Judenthuni auseinander getretenenGegensätzen darstellt. Stellt ja doch das C.in vielfacher Hinsicht zum Juden- und zumHeidenthum in directem Gegensätze, wie z. B.in Bezug auf die Frage von der geschlecht-lichen Enthaltung und freiwillig erwähltenEhelosigkeit, in Bezug auf die Vorstellungenvom Tode und den Leichnamen (DöllingerChristenth. u. Kirche 370 u. 419). Wenn eingebildeter Römer oder Grieche in der Zeitder jungen Kirche sich um das Innere, umdie Ansichten und Einrichtungen dieser neuenGenossenschaft näher kümmerte, so mochteer den Eindruck empfangen, den auf II e-rodot der Anblick des ägyptischen Staats-und Volkswesens machte: dieses Volk habesich Sitten und Einrichtungen gebildet, welchefast durchaus das gerade Gegentheil von de-nen anderer Menschen seien (Ilerod. 2, 35).Wie gross ist ferner der Gegensatz zum Hei-