Band 
Erster Band. A - H.
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Christen Verfolgungen.

die zu Rom auf greuelvolle Weise inaugu-rirte Verfolgung auf alle Provinzen aus-gedehnt (Nero Romae Christianos suppliciisae mortibus affecit, ac per omnes provineiaspari persecutione excruciari imperavit). AlleinLactanz (um 314), Sulpicius Severus (um 400)und Orosius (um 417) repräsentiren blossdie übertreibende Tradition der spätemZeit; hierfür spricht schon der Umstand,dass die bezüglichen Berichte der drei Au-toren eine progressive Steigerungaufweisen. Massgebend können hier nurdie älteren christlichen Quellen, zumaldes 2. und 3. Jalirh., sein, und sie sind esum so mehr, als deren Berichte mit denAndeutungen der ältesten heidnischen Quel-len, Tacitus und Suetonius , übereinstimmen.Erstens, Melito, Bischof von Sardes , sagtin seiner um 170 dem Kaiser Marc Aurel überreichten Apologie (ap. Eus. H. e. TV20) u. A. Folgendes: povoi rÄ'i-urt . . . xciv•/.all’ r ( p.äj £v oiaßoXrj -/.axaaxrjaai Xoyov-/jillXTjsav Nspov y.ai Aopexiavos. Da Melitohier dem berüchtigten Cäsar Verleum-dung des Christenthums vorwirft, so liegtin unserer Stelle eine unleugbare Anspie-lung auf den von Tacitus erzählten Vorfall;der Apologet hat also aus der Zeit Nero’snur die Misshandlung der römischenChristengemeinde gekannt. Zweitens kommthier Tert. Apol. 5 in Betracht ( consiilitecomtnenlarios vestros, illic reperietis primumNei'onem in lianc sectam cum maxime Romaeorientem Caesariano gladio ferocis«e). Alsoauch Tertullian kennt aus der Regierungs-zeit Nero’s nur die Heiden der r ö mischenChristengemeinde; denn einmal verweist erdie Heiden, an die sein Apologeticus ge-richtet ist, ausdrücklich auf heidnischeQuellen, d. i. auf Tacitus und Sueton , unddann sagt er: sectam cum maxime Romaeorientem. Noch bestimmter äussert sichTertull. Scorpiac. c. XV (eap. ult.): vitasCaesarum legimus, orientem fidem Romaeprimtts Nero cruentavit etc. Drittens, auchEusebius kennt aus der Zeit Nero’s nur dieDrangsale der römischen Christenge-meinde: H. e. H 25, wo er der neronischenVerfolgung gedenkt, giebt er einfach eineUebersetzung der betreffenden Stelle beiTertullian (Apol. 5). Viertens endlich, dieAnnahme, Nero hätte das Christenthumdurch generelle Edicte verpönt, hat eineonservatives Interesse des Imperators fürdie alte Staatsreligion zur nothwendigenVoraussetzung — man vgl. z. B. die Moti-virung bei Lad. c. II —; sein ältester Bio-graph erzählt aber, dass er ein Verächterjeder Religion war (cf r. Sueton . Nero 56:religionuni usquequaque contemptor, praeterunius deae Syriae. Hane mox ita sprevit,ut • ■ . contaminaret etc.), und man wirdgestehen müssen, dass dieser irreligiöse Zug

zu dem sonstigen bodenlos leichtfertigenCharakter des berüchtigten Tyrannen imEinklang steht. De Rossi’s jüngster Ver-such, den allgemeinen Charakter derNero -Verfolgung auf Grund einer unlängst(im J. 1862) aufgefundenen Wandinschriftvon Pompeji zu retten (vgl. Bulletino di ar-eheol. crist. 1865, 93 ff.), ist meiner An-sicht nach als verfehlt zu betrachten.Äube (189—193) vermag auf Grund dersorgfältigsten Untersuchung des Gegenstan-des in jenen Epigrammen nur harmloseSpöttereien zu erkennen, die die heimlichenVersammlungen und die Propaganda derChristen betreffen (,avec la meilleure vo-lonte du monde, je n’y puis voir qu’unecliose, c’est qu’on connaissait les Chretiensä Pompei, qu’on se inoquait de la propa-gande . . . qu’on raillait leur esprit de pro-selytisme, leurs conciliabules, los discoursqu'ils y tenaient et leur dedain de la vie 1 ).Overbeck (99) betont mit Recht, dass dieganze de Rossi’sche Argumentation sich nurauf folgende, an eine Wand in Pompeji gezeichnete Buchstaben stützt: HRISTIAN.|Vgl. neuestem V. Schnitze Zeitschrift f.Kirchengesch. 1880, IV 125; der Heraus-geber kann sich dem hier in Bezug auf diepompejanische Inschrift Vorgetragenen nichtanschliessen. K.| Betr. des Charakters derneronischen Verfolgung noch Hilgen fehl a.a. O. 638 ff. und Görres Antipas von Per-gamum, Zeitsehr. f. wiss. Theol. XXT, H. 2,S. 271 ff.

Seit Baronim (vgl. Martyr. Rom. s. 29.funii 413, 414, Colon. 1603; Annal. eccl.ad a. Chr. 69) ist es traditionell geworden,das Martyrium der Apostel Petrus und Pau-lus mit der Regierungszeit Nero’s in Ver-bindung zu bringen und dasselbe geradeauf den 29. Juni 67 zu verlegen. Dass dieEnthauptung des Paulus und die Kreuzi-gung des Petrus unter Nero stattfand, dieseThatsache ist freilich in authentischerWeise bezeugt erstens durch Eusebius (II.e. II 25, III 1), resp. durch die von ihmcitirten älteren christlichen Quollen, näm-lich: 1) durch Diout/s, Bischof von Korinth ,in dessen Schreiben an die Römer; 2) durchden Presbyter Gaius in seiner gegen denMontanisten Proclus gerichteten Schrift;3) durch Origenes im 3. Buche seiner Ex-positiones in Genesim; und zweitens durchTertull. Scorpiaee c. 15 und De praescr.haeret. c. 36 (ed. Rigaltii). (Vgl. für dasrömische Martyrium Petri auch Hilgenfelda. a. O. 630 ff.) Dagegen ist die These,wonach beide Apostel erst im J. 67 dasMartyrium erlitten, unhaltbar und be-reits durch Ä. Basnage (Ann. I 734, Nr.IX, X) und neuerdings R. A. Lipsius (Chro-nologie der röm. Bischöfe 164 und zumalNote 2) trefflich widerlegt worden, die mit