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Erster Band. A - H.
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Christenverfolgungen.

logie an den brutalen Staatsmann die be-scheidene Bitte zu richten, er möge sichwenigstens, wie seine Collegen von Maure-tanien und Leon, mit Enthauptung derunglücklichen Majestätsverbrecher begnü-gen (Ad Scap. c. 4). Uebrigens erloschdiese postume Septimius -Verfolgung je-denfalls noch vor Schluss des Jahres 211gänzlich, um während der gesammten spä-tem Regierungszeit Caracalla’s nicht mehraufzuleben. Dies erhellt aus Eus. H. e. VI21 und vor Allem aus Sulp. Sev. Chron. II,c. 32, Nr. 2, wonach die lange vordecia-nische Friedensära der Kirche eine 38jäh-rige war (vgl. meinen Aufsatz ,AlexanderSeverus und das Christenthum 1 , Zeitschr.f. wiss. Theol. 1877, H. I 49 und hierzuHarnack’s Anzeige dieser Arbeit in derLeipziger Litteratur -Ztg. 1877, Nr. 7, 167;wegen der Septimius-Verfolgung verweiseich schliesslich auf m. Aufsatz ,Christenth.

u. röm. Staat z. Zeit des K. Sept. Sev.‘ inJahrb. f. prot. Theol. 1878, IV 273—327;vgl. auch Aube Rev. hist. 1879, IV). —Dass nach Eus. und Sulp. 1. c. auch un-ter Mac rin (217—218) nichts gegen dasChristenthum geschah, wird begreiflich, wennman bedenkt, dass dieser Kaiser keine Ma-jestätsprocesse wegen ,impietas circa prin-cipes 1 oder doeßsia zugelassen resp. die be-treffenden Beschuldigten freigegeben hat(vgl. Cass. Dion. 1. 78, c. 12 und Le BlantsInterpretation a. a. 0. 362). — Auch unterElagabal (reg. 218—222) blieb der Friededer Kirche völlig ungetrübt, weil dieserfrüh verdorbene Knabe auf dem Kaiser-thron sich der Hoffnung hingab, das Chri-stenthum, für das er als einem aus Syrien stammenden Cult Sympathieen hatte, lassesich seinem emesanischen Sol dienstbarmachen (Eus. II. e. VI 21, der antimon-tanistische Anonymus von c. 231 ap. Eus.V 16 und Sulp. Sev. 1. c., verglichen mitHerod. 1. V, c. 5, Nr. 13; c. 6, Nr. 7—13 ff.und Lampr. Heliogab. c. 3, 6, 7; vgl. auchmeinen Aufsatz ,Alexander Severus 1 49—51).

Fast kein einziger Imperator der vorcon-stantinischen Zeit hat der Kirche so vieleBeweise aufrichtigen Wolwollens gegeben,als der edle Alexander Severus (reg.222—235). Heidnische und christliche Auto-ren bezeugen die eminente Christenfreund-lichkeit dieses Fürsten und seiner einfluss-reichen Mutter, der Kaiserin Mammaea (vgl.Lampr. c. 22, 29, 43, 45, 49, 51; Dionys

v. Alexandrien in seinem Schreiben an Her-mammon ap. Eus. H. e. VII 10; der anti-montanistische Anonymus von c. 231 ap.Eus. II. e. V 16, das Schreiben Eirmiliansvon Caesarea an Cyprian von Carthago beiI eil, ed. Cypriani opera Ep. 75, S. 322 f.;Eus. H e. VI 21, 28; Gros. VII 18, 19;Vmc. Lirin. Commonitor. I, c. 23; Cypr .

De lapsis, ap. Fell. 1. c. 88; Sulp. Sev .Chron. II, c. 32, Nr. 2. Dazu meinen inder Zeitschr. f. wiss. Theol. 1877, H. I 48bis 89 abgedruckten Aufsatz ,AlexanderSeverus 1 und die schon erwähnte Anzeigedesselben von Harnack). Freilich hat aucher keine Toleranzedicte für die Christenerlassen, aber er hat die alten christen-feindlichen Gesetze im Verwaltungswegefür die Dauer seiner Regierung thatsächlichausser Kraft gesetzt — dies die richtigeDeutung von Lampr. Al. c. 22: Chriiyianosesse passus est — ; auch musste dem Chri-stenthum damals der Umstand gewaltig Vor-schub leisten, dass Alexander jede Anklagewegen Majestätsverbrechen unter-sagte (vgl. (Jod. last. 1. I ad leg. lul. maiest.a. 224 |X 8] bei Le Blant 362, N. 7: maie-statis crimina cessant meo saeculo). Ichdarf also meinen Satz (vgl. ,Alex. Sev. 1 78),dass zwischen 222 und 235 kein einzigesMartyrium stattgefunden, trotz Harnack’sEinsprüche aufrechthalten, und zwarum so mehr, als Harnack (a. a. 0.) selbsteinräumt, dass selbst das relativ bestbezeugteMartyrium des römischen Bischofs Callistusapokryph ist (vgl. wegen der mangelndenAuthentie der getrübten Traditionen überdie sog. Ulpianische Verfolgung, diedamals zu Rom gewüthet haben soll, undüber vereinzelte Martyrien im Orient mei-nen ,Alex. Sev. 1 71—89). Die Quelle vonAlexanders Christenfreundlichkeit war inerster Linie sein religiöser Eklekticismus,seine Begeisterung für alles Schöne undErhabene und speziell für einzelne Sätzeder christlichen Ethik (vgl. ,Alex. Sev. 151—60).

Alexanders Mörder und Nachfolger, Ma-ximin I der Thracier, stand, wie demrömischen Bewusstsein überhaupt, so auchdem antiken Polytheismus nicht bloss alsFremdling, sondern sogar feindlich gegen-über (vgl. Herod. 1. VII, c. 3 ss., 5—16;1. VIII, c. 4 ss., 1; Capitolin. Maximini c.13, 19 und die Ausführungen in meinemAufsatze ,Christenverfolgung Maximins I 1|Zeitschr. f. wiss. Theol. 1876, 11. IV 526bis 574] 527—532). Es war also nicht fa-natischer Eifer für die Staatsreligion, son-dern der Hass gegen das Andenken seinesChristen freu n dlichenV orgängers, wasden fremden Emporkömmling veranlasste,in einem Edicte ausschliesslich dieHinrichtung der ,Vorsteher der Kirchenzu befehlen (vgl. Eus. H. e. VI 28; Bufiu.VI 20; Gros. VII 19). Gleichwol kann abervon einer Maximin-Verfolgung kaum imErnste die Rede sein; denn jenes Edictwurde in beispiellos milder Weiseausgeführt (vgl. meinen .Maximin I 1 547 ff-)-Eusebius kennt keine Märtyrer aus jenerZeit, auch sein Interpret Rufin spricht nur