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Erster Band. A - H.
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Christenverfolgungen.

vor Beginn des Decius-Sturmes, d. i. Ende248 oder Anfang 249, das Opfer der fana-tischen Wutli des Pöbels; während dieserChristenhetze gelangte auch die hl. Apol-lonia zum Martyrium (vgl. das Schreibendes Zeitgenossen Dionys v. Alexandrien anseinen Collegen Fabius ap. Eus. H. e. VI41).

ITI. Der Entscheidungskampf:von Decius bis zur völligen Ernan-cipation des Christenthums durchdas Mailänder Toleranz- und Frei-heitsedict (249—313).

Mit dem Regierungsantritt des KaisersDecius (reg. 249—251) beginnen die all-gemeinen und systematischen, d. h.die auf vollständige Vernichtung des Chri-stenthums gerichteten Verfolgungen. DieseBefehdungen werden von den staatlichen Be-hörden selbst autorisirt, die endlich klar er-kannt haben, dass die neue Religion wegenihres universalen Charakters mit der altrömi-schen Staatsidee unvereinbar ist. Was da-gegen den zweiten Factor der bisherigenChristenhetzen, die Volkswuth, betrifft, sosehen wir ihn in dieser Periode mehr undmehr vom Schauplatz seiner bisherigen un- iheimlichen Thätigkeit zurücktreten. Im An- jfange dieser Epoche zeigen sich freilich Inoch die letzten Spuren des Volkshasses;später dagegen lassen sich keine Ausbrüchedes Fanatismus der Massen mehr consta-tiren, und gegen Schluss unserer Periode, jin den Tagen der letzten grossen Verfol-gung, verhält sich das heidnische Volk ge-genüber dem fortgesetzten Gemetzel nichteinmal mehr bloss apathisch, im Gegen-theil, es äussert sein aufrichtiges Mitleidmit jenen zahlreichen Opfern ihrer religiö-sen Ueberzeugungstreue, ja es bezeugt sei-nen christlichen Mitbürgern sogar aufrich-tige Svmpathieen. Woher diese scheinbarso auffallende Erscheinung? Der Grundliiefür liegt in der ausserordentlichen Pro-paganda der Christen, die sich seit Endedes 2. Jahrh. mehr und mehr steigerte,und der hierdurch bedingten Beseitigung jder wesentlichsten Ursache des Fanatismus ider Massen. Der Hauptgrund der Volks-wuth war völlige Unken nt n iss derc h r i s 11 i c h e n Mora 1. Jene albernen Mär-chen von thyesteischen Mahlen, schamlosenOrgien, von Scenen widernatürlicher Wol-lust und sonstigen abscheulichen Verbrechen,mit denen sich die Anhänger Jesu währendihrer geheimen Zusammenkünfte beflecken Jsollten, jene Fabeln, die von den lmpera-jtoren und den kaiserlichen Behörden, über- 'liaupt von der Mehrzahl der aufgeklärten !Heiden seit Marc Aurel, ja sogar seit Traian !nicht mehr geglaubt wurden, sie fanden jnoch lange, noch bis ins 3. Jahrh. hineinGlauben bei den unteren Ständen, ja theil- Iweise sogar in gebildeten Kreisen. Aber!

die Massenbekehrungen, die zwischen 180und 249 stattfanden, mussten naturgemässdie Beziehungen der Kirche zu den heid-I löschen Massen allmälig gänzlich umgestal-ten. Seit dem Tode des Kaisers Marc Aurel gewann das Christenthum in der That un-ter allen Ständen zahlreiche Anhänger.Schon unter Commodus convertirten manchereiche und vornehme Familien in der Haupt-stadt selbst (vgl. Eus. H. e. V 21). Nochzahlreicher waren die Bekehrungen wäh-rend der christenfreundlichen Periode desSeptimius Severus ; damals gab es unzwei-felhaft schon in allen Klassen der römischenGesellschaft Christen, mag auch Tertullian noch so sehr übertreiben (vgl. Tert. Apol.c. 37; Ad nat. I, c. 1: adeo quotidie adole-scentem numerum Christianorum ingenitis ... ;in agris, in castellis Christianos; omnem se-xum, omnem aetatem, omnem denique di-gnitatem transgredi a vobis . . . doletis etc.;Ad Scap. c. 4). Bei diesen sich stets meh-renden Bekehrungen konnte es nicht aus-bleiben, dass dieselbe Familie aus Hei-den und Christen resp. Katecliumenen be-stand; so war z. B. der Vater der hl. Per-petua, die freilich den besseren Ständenangehörte, ein Heide, während sie selbstund ihre Brüder sich dem Christenthumzugewandt hatten (vgl. Acta s. Perpetuaec. 2—9 bei Ruinart 138—141). Dieses in-nige Zusammenleben von Heiden und Chri-sten in derselben Familie musste selbstver-ständlich ersteren eine genauere Kenntnissder wahren christlichen Moral vermitteln.In der langen Friedensepoche von 212—249erzielte die christliche Propaganda natürlichnoch viel glänzendere Erfolge, und die An-näherung zwischen Heiden und Christenstand hierzu in gleichem Verhiiltniss, ja esfanden damals sogar Mischehen zwischenden Anhängern (1er beiden entgegengesetz-ten Religionen statt (vgl. Cypr. De lapsis[Cypr. Opp. ed. Hartei, 1 237 f.|: ... lun-gere cum infidelibus vinculum matrimonii,prostituere gentilibus membra Christi . . .).Allerdings bezieht sich diese interessanteMittheilung Cyprians zunächst nur aufCarthago und das proconsularisehe Africa;aber dergleichen Mischehen werden in jenerlangen Friedensepocho auch anderswo vor-gekommen sein; war doch die allgemeineLage der Christen allenthalben in der rö-mischen Welt dieselbe, ln dem Zeiträumevon 249—313 war also die römische Staats-gewalt im Wesentlichen der einzige Fac-tor der C.; ,der Staat brauchte jetzt, 1, umuns Overbecks treffenden Ausdruck anzu-eignen, ,nicht mehr, wie im Zeitalter derAntonine, die Volkswuth zu dämpfen, son-dern er hatte sie zu schüren 1 .

Wie sah es denn mit den Chancen desGelingens aus, als der römische Staat um