Christenverfolgungen.
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250 seinen Yernichtungskampf eröffnete?Die Aussichten, die Vertilgung der neuenReligion innerhalb der römischen Welt durch-zusetzen, waren äusserst gering. Abgesehendavon, dass mit roher physischer Gewaltder in den Gemüthern festgewurzelten Machtdes Idealen überhaupt nur äusserst schwerbeizukommen ist, begann nämlich der Staatseinen Entscheidungskampf viel zu spät.Massregeln, die, consequent durchgeführt,vielleicht in den Tagen Traians nachmenschlichem Dafürhalten noch erfolgreichgewesen wären, mussten 150 Jahre späterder festgegliederten und beständig durchneue Proselyten verstärkten Kirche gegen-über im Wesentlichen wirkungslos bleiben.Zweitens waren wenigstens die ersten syste-matischen Verfolgungen selbst vom heid-nischen Standpunkt aus insofern völlig in-opportun, als sie, inaugurirt in einem Augen-blick, wo das Reich durch gefährliche aus-wärtige Feinde, zumal durch Gothen undPerser, bedrängt und zudem durch einefürchterliche Pest entvölkert wurde, dasallgemeine Elend noch durch einen schreck-lichen Bürgerkrieg, durch ein furchtbaresBlutbad im Innern steigerten. Drittens wur-den die viel zu spät begonnenen systemati-schen Verfolgungeii nicht einmal consequentdurchgeführt; es ist bezeichnend, dass derrömische Staat schon nach Ablauf des er-sten Deeenniums nach Eröffnung des Ver-nichtungskampfes dem siegreichen Christen-thum einen etwa 40jährigen Waffenstillstandgewährte, der diesem Gelegenheit gab, inmehr als ausreichender Weise für spätereStürme seine Kräfte zu sammeln. Der letztegrosse Entscheidungskampf, die diocletiani-sc.he Verfolgung, war also noch weniger alsdie früheren Befehdungen geeignet, die Exi-stenz der neuen Religion ernstlich zu ge-fährden.
1) Auf die hervorragend christenfreund-liche Regierung des Philippus folgte einso christenfeindliohes Regime, wie es dieKirche bisher noch nicht gesehen. Nennder(197) führt Analogieen aus der frühemKaisergeschichte an und erinnert mit Fugan Alexander Severus und Maximin I, ob-wol des letztem Christenhass keineswegsso intensiv war, als man gewöhnlich an-nimmt. Ohne Grund nennt aber Neanderauch Antoninus Pius und Marc Aurel ; dennunter beiden Kaisern war das Traian -sehe Rescript die gesetzliche Norm des ge-gen die Christen zu beobachtenden Ver-fahrens. Da ist denn zunächst die Frage:Was war das Motiv der Decius -Verfol-gung? Einige christliche Quellen, nämlichEus. 11. e. VI, c. 39, Nr. 1 (ed. G. Din-dorf) und hiernach llieron. Chron. Ol. 258,a. Chr. 253 (ed. Migne 573, 574), liufin.H. e. Vf, e. 29 und Gros. VII, c. 21, las-
sen den Kaiser bloss aus Hass gegen dasAndenken seines Vorgängers gegen die Chri-sten einschreiten. Die berufensten Zeu-gen , die bischöflichen Zeitgenossen Dionysvon Alexandrien, Cyprian von Carthago und Cornelius von Rom, haben leider dasMotiv des Decius -Sturmes verschwie-g e n. Gleichwol ist aber unzweifelhaft, dassDecius ’ Christenhass sich nicht auf seinefeindliche Gesinnung gegen Philippus zu-rückführen lässt; denn wie schon U. J. H.Becher (Art. ,Decius 1 bei Er sch u. G ruberAllg. Encykl. u. s. w., Sect. I, Th. 23, 276 f.,Lpz. 1832) richtig betont hat, war Decius ’Abneigung gegen seinen Vorgänger nichteinmal besonders stark. Ursprünglich die-sem treu ergeben, wurde er nur widerWillen durch den Stoss der Ereignisse undmittelbar durch Philipp selbst in die Rolleeines Empörers hineingedrängt (vgl. Zos. I,c. 21, 22, ed. Bona). Nicht Erbitterunggegen das Andenken seines Vorgängers,sondern sein Enthusiasmus für die altrö-mische Staatsidee, die aufs engste mit demgriechisch-römischen Polytheismus zusam-menhing, hat den Kaiser Decius zu seinerberüchtigten Christenverfolgung verleitet.Dies haben u. A. Dodwell (84, § L. VI)und U. J. H. Becker richtig erkannt. Dassnun der Imperator ein eifriger Verehrerder alten Sacra war, dafür liegt freilich inseinen Münzen (vgl. Eckhel VII 342 ff.)kein erheblicher Beweis vor; aus denMedaillen erhellt nur soviel, dass Decius nebst seiner Familie eine besondere Andachtdem Mercurius-Cult zuwandte (vgl. die Münzemit dem Avers Pietas Augustorum und deinMercur [Eckhel 342] und Eckhel’s bezüg-licher Bemerkung). Dass er aber ein En-thusiast für die Staatsreligion und für denaltrömischen Staat überhaupt war, ergiebtsich nicht nur aus dem eifrigen Lobe desfanatischen Heiden Zosirnus (I 21, 23), son-dern auch aus Trebellms Pollio Valerian.c. 5, 6. Er war aber auch ein unklarerEnthusiast für das alte Römerthum und in-sofern nach Harnacks treffendem Ausdruck(a. a. 0. 168) ein Romantiker. Dies be-weist sein gut gemeinter, aber abenteuer-licher Versuch, das entschieden republika-nische , schon seit den letzten Zeiten vorOctavians Alleinherrschaft beseitigte Institutder C e n s u r wiederherzustellen (vgl. Pre-be.ll. Poll. 1. c.). Dies hat selbst der spätereImperator Valerian , jener Senator, demDecius die wiederaufgefrischte Würde über-tragen wollte, gefühlt und dem Fürsten mit folgenden charakteristischen Worten an-gedeutet: . . . veniam igitur eius honorispeto, eui . . . inpar est contidentia, cui tem-pora sic repugnaut, ut censuram hominumnatura non quaerat ( Treb. Poll. Val. c. 6).Dass Decius in den Anschauungen längst-