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Erster Band. A - H.
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Christenverfolgungen.

vergangener Zeiten lebte, beweist auch seininniges Yerhältniss zum Senat und der grosseEinfluss, den er diesem aristokratischen Col-legium einräumte (vgl. Treb. Poll. Val. e.5—7). Uebrigens stand er den senatorischenKreisen durch Abstammung und wol auchdurch gebildete Erziehung nahe (vgl. Zos.1 21), wenn er auch ein geborner Panno-nier war (vgl. ITieron. Chron. 1. c., ed.Migne). Decius war zwar in romantischenIllusionen befangen, muss aber in jederHinsicht als einer der edelsten Repräsen-tanten des spätern Heidenthums gelten: einmuthiger Soldat, erfahrener Feldherr undthatkräftiger Staatsmann, wäre er gewissbei längerer Lebzeit mit den grimmen Go-then fertig geworden; vorzüglich als Herr-scher zeichnete er sich auch durch schöneEigenschaften des Herzens aus (vgl. Zos.121: Aexio» ... ttdsat? öiaTrperctuv

xaTi dpetatt; T 23: Asyitp . . . apiarapepaotkeuxoti teXoc toioySe auvsßr}; vgl.Aar. Victor. Ep. in Ilecio: artibus cunctisvirtutibusque instructus; vgl. Vopiscus Au-relian . e. 42: tametsi Decios excerpere de-beam, qm rum et vita et mors veteribuscomparanda est). Sein mildes, leutseligesWesen wird besonders gerühmt (vgl. Victor.1. c.: placidus et communis domi). Strengehielt er auf Zucht und Ehrbarkeit (vgl.Pollio Claud. c. 13'- Decius imperator . . .et virtutem et veremndiam Claudii publicepraedieavit etc.; und die Münze: Imp. C.M. Q. Traianus Decius Aug. ! Pudicitia Aug.bei Eckhel VII 345; diese Münze erhältdurch den Claud. c. 13 berichteten speziellenVorfall, wobei der Charakter des Kaisersüberhaupt in einem besonders günstigenLichte erscheint, erst ihre authentische De-claration). Diese günstige Schilderung Sei-tens der heidnischen Autoren wird durchdas in diesem Falle gewiss beredte Schwei-gen der christlichen Quellen, die, abgesehenvon der Christenverfolgung, keine bestimm-ten Anklagen Vorbringen, wenigstens mit-telbar bestätigt.

Was nun die Decius -Verfolgung selbstbetrifft, so ist Dodwell (84—86, § L. IIbis VIII) eitrigst bemüht, deren Tragweiteabzuschwächen, und sucht vor Allem zuerhärten, dass es damals zwar viele Beken-ner, aber nur sehr wenige Märtyrer ge-geben hat; die unbefangene Kritik darfihm folgende Thesen einräumen: I. Deciusselbst hat allem Anschein nach gewünscht,dass förmliche Martyrien nach Kräftenvermieden würden. II. Diese Verfol-gung hat ungleich mehr Bekenntnisse dennMartyrien veranlasst. III. Die nicht syste-matischen Verfolgungen eines Septimius Se-verus haben wahrscheinlich ungleich mehrMartyrien hervorgerufen, als der Decius-Sturm. IV. Inwieweit einzelne Statthalter

die kaiserlichen Instructionen überschrit-ten haben, lässt sich nicht mehr genaufeststellen. V. Die Decius -Verfolgung, erstEnde 249 oder Anfang 250 anhebend, hatin ihrer vollen Kraft nur etwa ein Jahr,bis Anfang resp. März 251 gewüthet. DieseZugeständnisse schliessen aber keineswegsaus — und die jetzt folgende quellen-mässige Skizze des Decius-Sturmes wird esunwiderleglich erhärten —, dass diese Ver-folgung geradezu die Vernichtung des Chri-stenthums bezweckt hat und demgemässintensiv und extensiv von sehr erheblicherTragweite gewesen ist. Es zeugt von gänz-licher Verkennung der römischen Staats-raison, wenn Dodwell wiederholt betont,die angeborene Herzensgüte hätte den Kai-ser veranlasst, das Christenblut möglichstzu schonen. Ein Traian, ein Marc Aurel Hessen sich durch ihre sonst mit Recht ge-rühmte Milde bekanntlich nicht abhalten,diejenigen christenfeindlichen Massregeln zuergreifen, die sie im Interesse des Staats-wohls für nöthig hielten. Ein Marc Aurel spricht in seinen Selbstbetrachtungen (,xaeic £p.<xoTi$v‘) von ,seinen von Blut reinenHänden 1 ; das Christenblut, welches damalsin der Arena zu Lyon und Vienne ver-gossen wurde, hatte also in den Augenselbst der edelsten Heiden nur einen sehrgeringen Werth. Man sieht, den Christengegenüber war in erster Linie die Staats-räson massgebend; die Herzensgüte solcherImperatoren, die an der altrömischen Staats-idee festhielten, kam den Christen erst inzweiter Linie zu Gute, wenn es sich darumhandelte, dieselben vor solchen Grausam-keiten zu schützen, die über den Zweckder staatlichen Abwehr hinausgingen.

Zur Beurteilung der Tragweite der De-cius -Verfolgung sind Lact. M. p. c. 4. Ru-fin. 1. c. und die sog. Dekalogisten Hieron.1. c., Oros. 1. c., Sulp. Sec. Chron. IT, c. 32,Nr. 3, und August. De civ. Dei XVH1, c.52 nicht massgebend; denn sie bieten keineindividuellen Züge. sprechen bloss im All-gemeinen von der Furchtbarkeit dieser Ver-folgung. Um so eingehender und werth-voller sind aber die Berichte des Eusebius und der Zeitgenossen Dionysius, Cyprian und Cornelius. Leider haben auch dieseQuellen den Wortlaut des Decius-Edictesnicht aufbewahrt Bischof Dionys^ vonAlexandrien (in seinem Schreiben an Fabiusvon Antiochien ap. Eus. II. e. VT 41) cha-rakterisirt es nur überhaupt als ein sehrgrausames, und Cyprian (Ep. 55 Antoniano,ed. Hartei «30 f.: ‘ . . ,edicta feralia 1 ) drücktsich ähnlich aus —; gleichwol erhellt aber

aus dem historischen Zusammenhang, aus

siimmtlichen Einzelberichten über den Ver-lauf der Verfolgung, dass der Kaiser fürdie Christen allgemeinen Opferzwang an-