236
Christen Verfolgungen.
erfolgt sein könnte (vgl. de Eossi bei F. X.Kraus R. S. 2. A. S. 154, 158; vgl. auchFerd. Becker Darstellung Jesu Christi nachdem Bilde des Fisches 106). Viele Beken-ner , namentlich Presbyter, darunter derschon erwähnte Celerinus , ferner Urbanus,Sidonius, Maximus und Moyses, wurden inder Hauptstadt eingekerkert und sehr un-menschlich behandelt; der berühmteste die-ser Confessoren, der Presbyter Moyses, er-lag schliesslich den Beschwerden der Haft,nachdem er fast ein Jahr lang (11 Monateund 11 Tage) im Gefängniss zugebracht(Cypr . Ep. 28, 37, 39; Cornelius an Fabiusap. Eus. H. e. VI 43; der Catalog. episc.der liberianischen Chronik bei Lipsius 267,Kraus a. a. 0.). Nach Fabians Ablebenwar der Druck der Verfolgung so stark,dass eine Sedisvacanz von mehr als einemJahre eintrat, und erst im Februar oderAnfang März 251 das römische Bisthum inder Person des Cornelius wieder einen Bi-schof erhielt (vgl. Cypr. Ep. 55; vgl. denCatalog. episc. der liber. Chronik a. a. 0.und wegen der genauem Chronologie dieüberzeugende Beweisführung von R. A. Lip-sius 200—207). Auch im übrigen Italien wüthete natürlich die Verfolgung; berühmtist das Martyrium der sicilischen HeiligenAgatha, das durch Damasi carmen 5 be-zeugt ist (vgl. Ruinart Praef. 34, § 51).Dagegen sind die vom Fabulator Metaphra-stes redigirten Acta s. Agathae ein völligwerthloses Machwerk (vgl. meine ,Licinian.Christenverf.‘ 80 f.), wenn man auch an-nehmen darf, dass der Byzantiner des10. Jahrh. schon eine Biographie der ge-feierten Märtyrin vorgefunden hat (vgl.Schönbachs Anzeige meiner ,Lic. Christen-verf.‘ in Zeitschr. f. deutsche Alterth. 1876,H. 4, Anzeiger f. d. Alterth. 217). — InA f r i c a und zumal zu Carthago und in derproeonsularisehen Provinz überhaupt gab esdamals sehr viele todesmuthige Bekenner jvon jedem Alter und Geschlecht, es fehlteaber auch nicht ganz an Märtyrern; sowurden Mappalicus nebst 16 anderen Chri-sten, darunter auch zwei Frauen, im Kerkerdurch Hunger getödtet; andere erlitten denFeuertod oder wurden gesteinigt (Cypr. Ep.10, 40; De lapsis c. 2, Hartei 238). Ande-rerseits war es sogar einem so angesehenenBischof wie Cyprian möglich, durch die :Flucht in entlegenere Gegenden seiner Pro-vinz der Verfolgung zu entgehen (vgl. Cypr.De lapsis c. 3, Hartei 239; Vita Cyprianiper Pontium eius diaconum scripta \ Ruinart252 ff.| c. 7), wie denn überhaupt in ganzAfrica damals kein einziger Bischof hinge-,richtet wurde (vgl. Vita Cypr. c. 19k Ha-'mals zeigten sich speziell im proeonsulari- ;sehen Africa noch einige schwache Spurender einst den Christen so verhängnissvollen
Volkswuth. Der Pöbel versuchte die vor An-kunft des Proconsuls, der allein das ius gla-dii besass, zunächst von den städtischen Be-hörden verhörten Christen, durch drohendeZurufe einzuschüchtern (vgl. Cypr. Ep. 56),und was speziell den Bischof von Carthagobetrifft, so erscholl im Circus und im Amphi-theater wiederholt das Geschrei: Cyprianusad leonem! (Cypr. Ep. 59; Vita Cypr. c.VII); die Behörden, die sich einfach nachdem kaiserlichen Edicte richteten, nahmenaber auf das Gebrüll des fanatischen Pö-bels gar keine Rücksicht. — Heftiger alsim Occident scheint der Decius -Sturm imOrient gewüthet zu haben; auch hier galtdie Verfolgung in erster Linie der Hierar-chie. In Syrien wurden damals Beken-ner (die Bischöfe) Babylas von Antiochien und Alexander von Jerusalem ; letztererstarb im Gefängnisse (Eus. II. e. VI 39).Berühmter ist das Bekenntniss des Ori-ge n e s, der empörende Qualen im Kerkererdulden musste (vgl. Eus. 1 . c. aus späterverloren gegangenen Briefen des Origenes);er scheint die damals erlittene Misshand-lung nur wenige Jahre überlebt zu haben;denn nach Eus. II. e. VII 1 starb er schonunter Gallus (reg. 251—253) im 70. Le-bensjahre. Dionys von Alexandrienwurde damals auf kurze Zeit verbanntund von Landleuten, also vom Pöbel, ver-höhnt (vgl. Dionys gegen Germanus ap.Eus. 11. e. VI 40); im Verhältniss zu demSchicksal des Origenes ist dieses Bekennt-niss ein ziemlich unbedeutendes zu nennen.In Alexandrien wurden 13 Christen, dar-unter vier Frauen, tlieils enthauptet, theilslebendig verbrannt, nachdem die meistenzuvor grausame Folterqualen erduldet hat-ten (vgl. Dionys an Fabius ap. Eus. H.e. VI 41). Der erst 15jährige Dios-c o r u s widerstand damals so entschiedenallen Ueberredungskünsten des Präses undertrug so standhaft die Qualen der Folter,dass selbst der Statthalter dem überzeu-gungsstarken Knaben seine Bewunderungnicht versagen konnte und ihm Leben undFreiheit schenkte (vgl. Dionys a. a. 0.).Auch sonst kam es in Aegypten , in denStädten sowol als auf dem Lande, zu frei-lich mehr vereinzelten Martyrien; zahlreicheChristen flüchteten auf Berge oder in Ein-öden und litten dort unsägliches Elend durchHunger, Kälte, Krankheit, die Bestien derWildnis» oder auch durch die Angriffe desräuberischen Nachbarvolkes (vgl. Dionys anFabius ap. Etts. II. e. VI 42). Berühmt istauch das Martyrium des P i o n i u s, der zuSmyrna in Kleinasien seine religiöse Ueber-zeugungstreue mit dem Feuortode biisste.Eus. II. e. IV 15 bringt dieses Martyriumfreilich mit der Rogierungszeit des MarcAurel in Verbindung; aber Ruinart (I8ö