Band 
Erster Band. A - H.
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Christenverfolgungen.

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■nus . . . pacem restituit, quam nemo, siAurelianum excipias, usque ad Diocletianipersecutionem edictis violavit. Nam aliasMartyres antiquarum leg um auctoritate proPraesidum beneplacito interimebantur.‘ [Ichmuss zu dieser ganzen Darstellung bemer-ken, dass meine Auffassung des Rescriptes»des Gallienus total von derjenigen des ITrn.Verfassers ab weicht. Dass Gallienus prin-zipiell die Gesetzgebung Traians und SeptimSevers beseitigt und das Ghristenthum als-religio licita anerkannt habe, kann ich nichtzugeben. Der Verfasser übersieht in seinerganzen Darstellung die Bedeutung der in■der Ecclesia fratrum von den Christen imi-Airten Collegia tenuiorum (s. d. A. Ecclesiafratrum) und der damit gegebenen Mög-lichkeit eines legalen kirchlichen Besitzes■der Coometerien und loca sacra. In den"Gallienus vorausgehenden Verfolgungen wa-•ren diese Coemeterien, weil sie zugleichals Cult- und Versammlungsort benutzt wor-den, mit Beschlag belogt worden. Gallien gab sie den Christen einfach zurück, ohneirgend welche Verfügung über die Legalitätder christlichen Religion als solcher zu tref-fen. Es ergiebt sich aus dieser Anschauung,dass ich über die legale Möglichkeit unddie Wirklichkeit von Martyrien zwischenGallien und Diocletian ganz anders urteilenmuss, als der Verfasser. Vgl. meine Kir-chengeschichte, § 20, 1. A. 60 f.; Rom .Bott. 2. A. 55 ff. und Tüb. Theol. Quartal-•schrift 1879, IV 661 ff. K.|

5) Die vom Kaiser Gallienus inaugurirteEriedensepoche der Kirche dauerte, wieschon angedeutet, auch während der läng-sten Zeit der Regierung Diocletians undseiner Mitregenten unerschüttert fort; zwi-schen 284/285 und e. 300 wurden die Chri-sten geradezu in auffallender Weise be-günstigt. Man zog sie zu ehrenvollen Pa-■lastämtern heran, das Wohlwollen der Kaiserübertrug ihnen sogar die Verwaltung ganzerProvinzen, man dispensirte sie von der Be-Mieiligung an heidnischen Ceremonien, end-lich wurde der Episkopat von den Statt-haltern allenthalben mit Ehrerbietung be-handelt (vgl. Eus. VIII 1). Da liegt denndie Frage sehr nahe: welches sind dieMotive der furchtbaren Verfolgung, die dem40jährigen Flor der Kirche ein so grau-sames Ende bereiteten ? Eine ebenso wis-senschaftlich gründliche als übersichtliche■und gedrängte Oriontinmg über den gegen-wärtigen Stand dieser weitverzweigten undvielbcrufoncn Controvorse hat neuerdings• Harnack in seiner Anzeige von Masonho Porseeution of Diocletian, Cambridge 1876, in der Leipziger theol. Lit.-Ztg. (1877,*5ir. 7, 169—174) gegeben; diese Ausfiihrun-gen lege ich hier um so eher meinen be-züglichen Erörterungen zu Grunde, als die

räumlichen Verhältnisse dieses Werkes einemöglichst knappe Darstellung zur unabweis-baren Pflicht machen. Die letzte grosseChristenverfolgung hat nicht, wenigstensnicht nothwendig, als Consequenz des dio-cletianischen Regierungssystems, als ,Krö-nung des Gebäudes 1 zu gelten, so dass esder von Lact. c. 10—15 so sehr betontenMachinationen des Cäsars Galerius gar nichtbedurft hätte; wenn also Jakob Burkhardtin seinem ,Constantin‘, Th. Bernhardt inseiner kleinen Schrift ,Diocletians Verhält-niss zu den Christen 1 (Bonn 1860) u. A.den Lactantius’schen Bericht unbedingtablehnen, so lässt sich dies nur auf eineverwerfliche Hyperkritik zurückführen. MitRecht will aber Harnack auch von derentgegengesetzten Annahme Masons nichtswissen, der in unkritischer Ueberschätzungdes Lactanz und in übertreibender Beto-nung des Eus. VIII 1 Erzählten den Dio-cletian einen ,paene Christianus 1 nennt, ihmden christenfreundlichen Monotheismus einesConstantius I zuschreibt und von der Vor-aussetzung ausgeht, der Monarch sei nurdurch die Macht der Verhältnisse, zumaldurch die Intriguen des Galerius, zu sei-nem tiefen Schmerz aus der Rolle einesConstantin in die eines Decius gedrängt wor-den; ja Mason behauptet sogar, der imMailänder Friedensedict besiegelte schliess-liche Sieg des Christenthums hätte dem inseinen letzten Lebensjahren schwer heim-gesuchten Einsiedler von Salonae zur Ge-nugthuung gereicht! Aber alles das sindbloss geistreiche Paradoxa, die dem histo-rischen Zusammenhang widersprechen; Ilar-nacks beide Gegengründe — ein dem Con-stantius’schen analoger Theismus Diocletians lässt sich nicht nachweisen, und die Christen-edicte des Jahres 303, an denen der Kaisernoch in gleicher Linie wie Galerius bethei-ligt ist, verrathen nicht etwa humane Scho-nung, sondern einfach den kalten, auf dieVernichtung der Kirche speculirenden Staats-mann — sind gewiss zutreffend. Mit Fug willalso Harnack (172) in Galerius und seinennouplatonischen Freunden (zumal Ilierocles)die intellectuellen Urheber der diocletiani-schen Verfolgung erblicken, die den altern-den Kaiser von der Nothwendigkeit, dieKirche zu unterdrücken, überzeugt hätten,indem sie einerseits den Aberglauben desKaisers benutzten, andererseits die Christenals Revolutionäre darzustellen sich bemüh-ten (vgl. Lact. 1. c. mit c. 16); danebenmöchte ich auch noch den Einfluss der mitGalerius und den Neuplatonikern verbün-deten Priester zunft betonen, die inFolge der täglichen Fortschritte des Christen-thums sich in ihren eigennützigen Interessengeschädigt glaubte (vgl. z. B. Lact. c. 10,,11; Eus. Vit. C. 11 50). Was die Gründe

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