Band 
Erster Band. A - H.
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Christenverfolgungen.

Geiserichs nach wie vor ein wirksames Mo-tiv zu Verurteilungen einzelner hervorragen-der Katholiken. So wurde z. B. BischofFelix von Hadrumet exilirt, weil er einemMönche von Jenseits des Meeres 1 Gast-freundschaft erwiesen hatte. Sebastianus,der Schwiegersohn des comes Bonifacius,anfangs als Nachfolger im Obercommandodes letztem ein Gegner Geiserichs — noch440 befürchtete der König durch ihn eineBedrohung seiner Hauptstadt (vgl. Prosp.Aq. Chron. 303 ad a. Chr. 440) —, wünschtespäter in Geiserichs Dienste zu treten. DerKönig, der den energischen, begabten Feld-herrn noch immer fürchtete, forderte ihnauf, ,in Gegenwart seiner Bischöfe 1 zumArianismus überzutreten und ihm so eineGarantie dauernder Freundschaft zu ge-währen. Sebastianus umging das Verlangendes Königs durch eine scharfsinnige Erklä-rung, und später liess ihn Geiserich unterVorwänden umbringen (vgl. V. V. I 6 mitIdat. Chron. ad a. Chr. 450 und Prosp.Aquit. Chron. 1. c.).

Endlich trat für die hartgeprüften Ka-tholiken Africa’s eine wohlthätige Friedens- !epoche ein. Im J. 454 gestattete nämlichGeiserich auf Verwendung des Kaisers Va-;lentinian der viele Jahre lang verwaistenhauptstädtischen Katholikengemeinde, sichan Stelle des inzwischen in der Verbannunggestorbenen Quodvultdeus wieder einen Ober-hirten zu wählen, und so erhielt denn Car-thago am 24. Oct. 454 in der Person desDeogratias wieder einen orthodoxen Bischof(vgl. V. V. I 8 (post liaec factum est, sup-plicante Valentiniano Augusto Carthaginensiecclesiae post longum Silentium desolationisepiscopum ordinari nomine Deogratias | mit !App. ad Prosp. Tir. Chron. ex Ms. Aug.ad a. Chr. 454 [Carthagine ordinatur epi-scopus Deogratias in basilica Fausti die Do-minica VIII [corr. VIII1] (IX) Kal. Nov.]und Papmcordts 182, Anm. 2| Erläuterungzu letzterer Stelle). Nach dem, was vorhinüber die kirchlich-politische Bedeutung desBisthums Carthago gesagt wurde, kam dieeben erwähnte Concession Geiserichs derBewilligung unverkürzter Glaubensfreiheitvollständig gleich. Diese katholikenfreund-liche Gesinnung des Königs hielt bis zumTode des Bischofs Deogratias vor; währendseiner dreijährigen Verwaltung (454—457)blieb der äussere Friede der africanischenKirche unerschüttert (vgl. V. V. 18 mitI 9). Die gewiss naheliegende Frage, welcheGründe der diplomatischen Verwendung Va-lontinians für die Katholiken plötzlich einenErfolg verschafften, den man nach Geise-richs bisherigem Verhalten gegen den west-römischen Kaiser nicht hätte erwarten sol-len , lässt sich nur durch Vermuthungenbeantworten. Papencordt (81 f.) erinnert

daran, dass Geiserich wenige Jahre vorher(451) den Hunnenkönig Attila zu seinemverhängnissvollen Feldzug gegen die Römerund Westgothen veranlasste, der mit derNiederlage des asiatischen Despoten in dencatalaunischen Gefilden endete (vgl. Ex-cerpta ex Prisci rhetoris historia c. 7, ed.Bonn . 152) und stellt dann folgende höchstansprechende Hypothese auf: ,ol> Geiserichzu gleicher Zeit eine Unternehmung gegendie Römer gemacht habe, wissen wir nicht;aber es ist eher zu vermuthen,dass er mit ihnen Frieden hielt, um,wenn Attila unterläge, an ihnennoch eine Stütze gegen die West-gothen zu haben. 1 Schon vor 454, imJ. 452 oder 453, soll der Vandalenkönig auchder Stadt Hadrumetum (an der Grenze derZeugitana und von Byzacena) erlaubt ha-ben , sich einen Bischof zu wählen (vgl.Papencordt 82 und Dahn I 249). Nun istes zwar richtig, dass Geiserich früher denBischof Felix von Hadrumet exilirt hattei (vgl. V. V. I 7), aber anderseits ist esverdächtig, dass Hadrumet jene Vergünsti-gung schon vor der diplomatischen Inter-vention Valentinians erhalten haben soll,und dann vermisse ich Quellen belegefür die fragliche Annahme; denn Papen-cordt (82, Anm. 1) beruft sich bloss aufMorcelli Africa Christ. III 163, also aufeinen modernen Geschichtschreiber. Ausdiesen Gründen wage ich es nicht, die an-geblich den Hadrumetinern ortheilte Ver-günstigung als geschichtliche Thatsache zuverwerthen.

In diese Friedonscpocho der africanischenKatholiken fallen zwei politische Ereignisse,die im Interesse des Verständnisses unsererfolgenden Untersuchungen hier eine ge-drängte Erwähnung verdienen. Geiserichwusste nämlich die Verwirrung, die nachder Ermordung Valentinians (455) im west-römischen Reich herrschte, meisterhaft fürseine Pliine auszunutzen. Im genanntenJahre zog er bekanntlich als Sieger in diealte Königin der Welt ein, plünderte sie14 Tage lang und kehrte mit unermess-licher Beute an Gold, Silber und Gefange-nen nach Carthago zurück; unter den Ge-fangenen befanden sich auch die WittweValentinians, Eudoxia , und deren beideTöchter Eudocia und Plaeidia; erstere wurdemit Geiserichs Sohn, Ilunerich, vermählt(vgl. Prosp. Aq. Chron. ad a. Chr. 455;V. V. I 8; Excerpta ex Prisci Hist. c. 7,KJ, 14, p. 157, 216, 218 f.,; Proc. Bell.Vand. I 5). Wichtiger noch war eine wei-tere Consequenz der durch das tragischeEndo Valentinians herbeigeführten Wirren.Um 455 vereinigte Geiserich alle die Pro-vinzen Africa’s mit seinem Reich, die derFriodensvertrasr von 442 dem Kaiser noch