Band 
Erster Band. A - H.
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Fistula.

erscheint in dem Goldglase, den Fisch ander Angelschnur, wie sonst Tobias ( Gar -rucci Yetri, tav. I 5), in der Hand tragend.,Er macht sich zum Fischer, um den Fisch,d. h. den Menschen, welcher in den un-beständigen und bitteren Wogen des Le-aens umherschwimmt, aus der Tiefe empor-zuziehen 4 (Greg. Naz. Orat. XXXI). Aehn-lich Cyrill von Jerusalem (Procatech. V):dqxtaxpstkt ‘(dp cre ’Irpoüc, ouy_ iW. havaxiusTQ,dXX’ Tva öavaTcuuaj CujoTtorijaT) (s. GarrucciVetri 64; ib. 17 scheint er den Fisch alsSymbol Christi aufzufassen, was uns weni-ger glücklich scheint).

Bei den Fischerscenen auf Sarkophagenwird zunächst an eine sepulcrale Bedeutungzu denken sein. Am nächsten liegt, wodie Form der Darstellung dies gestattet,wie auf dem Sarkophag aus Ostia (s. oben),an den hl. Petrus und den Fisch mit demSteuer-Stater (Matth . 17, 26) zu denken,da in den liturgischen Gebeten für die Ster-benden und Gestorbenen (• . • xal ex a-copa-racly&uoc axtmjpa 8 i’ ip.00 Ilexpoo xoT? auaixouaixrjvaov aTCeraxet'Xac, Const. Ap. V 7) mit Er-innerung an dieses Wunder Gott um Er-barmen angerufen wird: bekannt sind dieBeziehungen jener Gebete zu zahlreichenSarkophagdarstellungen (Le Blant in der Re-vue archeol. 1879, Oct. et Nov.). Wo dieseErklärung durch die Weise der Darstellungausgeschlossen ist, wie in der oben Fig. 184abgebildeten Scene eines Sarkophags (AringhiR. S. I 335), schliesst schon die Zusammen-stellung mit biblischen Darstellungen dieMeinung aus, es solle dadurch angedeutetwerden, der Verstorbene habe in seinemLeben gern gefischt (Schnitze a. a. 0. 47).Es erscheint hier das Meer als Typus derWelt, die verschiedenen Fische und Wasser-vögel, die Bemühungen der Fischer, Beutezu machen, sind eine Allegorie des mensch-lichen Lebens, der verschiedenen Stationender geistlichen Kämpfe und Gefahren, desGleichnisses vom Fischfang (Matth . 13, 47)und der Rettung durch die Erlösung (deRossi Bull. 1870, 67). Was das oben ab-gebildete Sarkophagrelief angeht, so istdiese Rettung ins ewige Leben, also einesepulcrale Bedeutung, auch durch die amUfer kriechenden Schalthiere (s. d. A. Mu-schel) bestätigt, welche ebenfalls als Symbolder Auferstehung erklärt werden. Wie beisolchen Sarkophagreliefs zunächst an dieRettung aus den Stürmen dieses Lebens indie ewige Seligkeit zu denken, so bei denoben erwähnten Bildern auf Gläsern, demBronzegefässe und dem Elfenbeinrelief andie Rettung durch die Aufnahme in dieKirche vermittelst des Glaubens und derTaufe; Marchi glaubt desshalb auch, jenesBronzegefäss sei bei der Taufe gebrauchtworden (de Rossi Bull. 1864, 58; 1867, 88).

Dies war auch der Grund, wesshalb insbe-sondere die Taufkirchen (s. d. A.) mit mu-sivischen Gemälden des Fischfanges undüberhaupt des Meereslebens geschmücktwurden. Wie Erinnerung an die durch dieTaufe erlangte Rettung, so waren dieseDarstellungen auch eine Mahnung, die Gnadeder Erlösung zu benützen, um nicht in denStürmen des Lebens zu Grunde zu gehen.So schloss die Inschrift des 4. oder 5. Jahrh.an der Piscina des vaticanischen Baptiste-riums, wahrscheinlich mit Rücksicht auf einderartiges musivisches Bild, nach der Hand-schrift von Verdun mit dem Distichon:

tu cruce suscepta mundi vitare procellas

disce magis monitus hac ratione loci(de Rossi Inscript, öhrist. I, IX*; Bull.1867, 88). HEUSER.

FISTULA (arundo, pipa, pugillaris, Si-phon, calamus, canna, cannula), ist derName eines der occidentalischen Kirche eigen-thümlichen liturgischen Gefässes, das wirDeutsche kurz ,Kelchröhrchen 4 nennen kön-nen. Dasselbe diente dazu, um aus dengrösseren Abendmahlskelchen den conse-crirten Wein mittelst Saugens zu geniessen.Der Grund der Einführung dieses Gefässesliegt offenbar darin, dass man durch letz-teres der Gefahr einer Verschüttung beiSpendung des Abendmahlskelches vorzu-beugen suchte. Der alte Ordo Rom. er-wähnt der F. mit den Worten: diaconustenens calicem et fistulam stet ante episco-pum usque dum de sanguine Christi, quan-tum voluerit, sumit. In einer alten Hand-schrift der vaticanischen Bibliothek fandMabillon Annal. Bened. ad a. 600 eine No-tiz, wonach schon Gregor d. Gr. das BlutChristi mittelst einer virgula argentea per-forata eingesogen habe. Auch die elf vergol-deten, fünf Pfund schweren cannae, welchenach Labbe Bibi. nov. MST. I 242 BischofDesiderius von Auxerre seiner Kirche im6. Jahrh. zum Geschenke machte, warensolche Fistulae. Ueberhaupt trugen die inFrage stehenden kirchlichen Sauggefasse dieverschiedensten Namen, so ausser F. dieNamen calamus, pugillaris, tubulus, arundo,pipa, sumptoria, siphones, jedenfalls einBeweis für den weit verbreiteten Gebrauchdieses Kirchengeräthes. Die Fistulae warenmeist aus Gold oder Silber, bisweilen auchaus Messing, hie und da am untern Theilevon Glas; sie waren ganz gerade geformt,ohne Krümmung, ähnlich einem Pfeifenrohr,und in der Mitte meistens, wenn auch nichtimmer, mit einem ringartigen Handgriffeversehen. Zweier römischer Fistulae, welchemit Verzierungen ausgestattet waren, er-wähnt Vogt Hist, fistulae euchar., Bremae1740, 4°, 17. Neben den gewöhnlichon Fistu-lae, welche gesondert vom Kelche existir-