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Gebet.
brachte, vor dem Throne des Allerhöchstenstand (Tob. 12, 12. 15), lässt uns einsehen,dass wir beim G. nicht sitzen sollen. DieEngel, namentlich die Schutzengel, geltenals die Vermittler unserer Gebete vor Gott .Hieraus gewinnt Origenes einen Hauptvorteildes gemeinschaftlichen Gebetes. Obgleich erjeden Ort, jede Privatwohnung, sobald da-rin nichts geschah, was ihm eine besondereMakel zu sein schien, für das G. als pas-send hielt, so gab er doch den öffentlichenVersammlungsorten den Vorzug, weil darineine doppelte Versammlung stattfand, einevon Menschen und eine von Engeln (1. c.).Wie aber die Engel als vor dem ThroneGottes stehend gedacht werden, so sollenauch die Christen beim G. entweder stehenoder knieen, aber ohne hinreichende Ur-sache nicht sitzen.
Einige das G. begleitende äussere Hand-lungen hatten die Christen mit den Heidengemein, ohne dass man desshalb behauptenkönnte, jene hätten heidnische Iiiten etwabloss copirt oder nachgeahmt. Auch dieGötzendiener erhoben Hände und Augenbeim G., aber in einer Weise, dass sie aufdas Aeussere alles und auf die Gesinnungkein Gewicht zu legen schienen (vgl. See-mann Die Götter und Heroen der Griechen402 und Fig. 149). Bei ihnen kam Allesauf die Formel an und auf die Fernhaltungvon Störungen oder Dingen übler Bedeu-tung (Döllinger Heidenthum u. Judenthum526), und sie meinten erhört zu werden,wenn sie viele Worte machten (Matth . 6, 7).Wie massvoll und bescheiden war dagegenAlles, was die Christen äusserlich thatenbeim G.! Wir empfehlen Gott unsere Bit-ten viel besser, ,wenn wir die Hände nichtallzu hoch emporstrecken, sondern nur mässigund anständig und auch den Blick nichtzu zuversichtlich erheben 1 . Auch der Tonder Stimme, fügt er hinzu, sei gedämpft;Gott sei kein Hörer der Stimme, sonderndes Herzens (1. c. c. 17). Man sieht, allesAeussere war bei den Christen stets nurein Mittel, nirgend Selbstzweck, eine Kund-gebung des innern AfFectes, eine Veranlas-sung und Aufmunterung zur Läuterung derGesinnung. Auf die Frage: ,wozu die Er-hebung der Hände beim G. ?‘ antwortet derhl. CJirysosfomas: ,weil sie der Sünde ge-dient . . ., desshalb ziehen wir sie, um siezu lösen von der Bosheit und zu befreienvon der Gottlosigkeit, in den Dienst desGebetes 1 (Expos, in Ps. 140). Anstatt deserziehlichen Momentes, das hiernach derHändeerhebung als Motiv dient, wird ander-wärts die im Christenthum erlangte Rein-heit des innern und äussern Menschen durchsie versinnbildot. ,Wir Christen beten, dieHände aufgehoben, weil sie unschuldig;das Haupt entblösst, weil wir nicht zu er-
röthen brauchen 1 ( Tertull . Apolog. c. 30).Hiernach geschieht, um dies nur im Vor-beigehen zu berühren, auch die Entblössungdes Hauptes, die den Männern beim G. ob-liegt, nicht ohne Grund, ebenso wenig wiedie Verschleierung der Frauen. Letzteresfand statt ,der Engel wegen 1 (I Kor. 11,10; cfr. Tert. De orat. c. 20), mögen nunhierunter die Kirchenvorsteher, oder dieEngel, die dem G. der Christen unsichtbargegenwärtig sind, zu verstehen sein.
Wie den ersten Christen die Haltung desKörpers beim G. nicht gleichgültig war,so hatten sie selbst über die Richtung desAntlitzes, ob nach Norden oder Süden, nachOsten oder Westen hin, eine ganz bestimmte,wohlbegründete Praxis. Es galt nämlich alsallgemeiner Grundsatz, dass man beim G.das Antlitz nach Osten hin richten müsse.Bete man im Freien, sagt Origenes , sohindere nichts, dieser Himmelsgegend nichteher den Vorzug zu geben, als einer an-dern. Verrichte man in einem Privathausesein Gebet, so wird man, wenn es sich nachOsten hin öffnet, unwillkürlich fast ge-zwungen, dorthin auch seine Augen hinzu-lenken. Ist der Eingang des Gebäudesnicht nach Osten gewendet, so liege einemenschliche Einrichtung vor, wodurch dienatürliche Ordnung der Dinge, dergemässder Sonnenaufgang die vorzüglichste allerHimmelsgegenden sei, nicht gehoben werde(De orat. c. 32). Unter keiner Bedingungwill also Origenes die fragliche Uebung be-seitigt wissen. Sie wurde auch so allgemeinbefolgt, dass den Christen der Verdachtder Sonnenanbetung nicht ausblieb. Erkam daher, meint Tertullian , weil es be-kannt geworden war, dass sie nach Ostengewendet beteten (Apol. c. 16). DieselbePraxis fand später durch die dem Kirchen-gebäude angewiesene Lage nach Osten (C.A. II, c. 57) einen prägnanten Ausdruck.Die Gründe, wodurch die Kirche sich ver-anlasst fühlte, auf diese, auch bei den Hei-den nicht ungewöhnliche Sitte (vgl. Note 05zu Clem. Alex. Strom. VII, c. 7) soviel Ge-wicht zu legen, sind folgende. Da mansich beim Gebet zu irgend einer Himmels-gegend wenden musste, so lag es nahe, sichvorzugsweise dorthin zu richten, wo manam leichtesten und sichersten an den ,Mann'erinnert wurde, dessen ,Name der Aufgang'selbst ist (Zach. 6, 12) und durch den ,dieSonne der Gerechtigkeit 1 (Malacli. 4, 2) denGläubigen aufgegangen. Das ist kein an-derer als Christus, ,der Aufgang aus derHöhe 1 (Luc. 1, 78). Hiernach ist die Rich-tung nach Osten beim G., wie Origenes (1. c.) sagt, ein symbolischer Act, wodurchwir unsere Erinnerung an das durch Chri-stus uns zu Theil gewordene Licht erfri-schen und beleben und ihm dafür unsere