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Erster Band. A - H.
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Gebet, liturgisches, und Gebetsformularien.

ein kurzer Zuruf am Schlüsse Seitens derGemeinde, wie Hosanna, Halleluja, Kyrie eleison, Amen etc. — Das N. Test, zähltI Tim. 2, 1 vier Arten bez. Bestandtheiledes Gebetes auf, welche sodann die Kircheübernommen hat: S £ r) a i c (hebr. narjri),rogatio, postulatio, Bitte um eine bestimmteWohlthat; Trpoasu^rj (nlen) 1 Lobgebet,wozu gehören der Segensspruch, die Doxo-logie, Benediction, aber auch Bitten umErlangung zeitlicher und ewiger Güter;s v t s u 5 1 ( (naen), Fürbittgebet, depreca-tio; eöyapioxia (rnin), gratiarum actio,Danksagung für empfangenes Gute. Ygl.Philipp. 4, 6. Alle Arten und Acte derliturgischen Gebete gehen auf diese vierGrundarten zurück und alle jene Gebets-acte finden sich in den Opfergebeten wie-der, wie schon die Väter erkannten (vgl.Augustin. Ep. 149, c. 2 und Hilar. ln Ps.140). — Fragen wir nach dem Zweckeder liturgischen Gebete, so liegt er in dengenannten Arten von Gebet schon ange-geben; zugleich dienen sie aber auch dazu,theils die verschiedenen Beziehungen derhl. Geheimnisse, theils die mannigfachenWirkungen der sacramentalen Worte Christiden Gläubigen zu erläutern und näher zuentwickeln. Eine besondere Art von litur-gischem Gebet ist die P s a 1 m o d i e oder dastägliche Gebet, das die Kirche durch denPriester verrichten lässt (s. oben Tages-zeiten im Art. Gebet).

3) Gegenstand oder Inhalt desGebetes, d. i. dasjenige, was die alteKirche im Gebet Gott vorgetragen hat. Wirgewinnen das Object des Gebetes aus denApostolischen Constitutionen und den Kir-chenvätern, besonders Tertullian, Origenes und Augustinus , ferner aus den ältestenLiturgieen und Sacramentarien. Eine haupt-sächliche Quelle sind die Collecten (auva-7TT ox) der orientalischen Kirche und die lita-niae (Rogationen) der lateinischen. Dennin diesen öffentlichen Fürbitten wurden alleWünsche und Anliegen vor Gott ausge-sprochen. Und obwol der Apostel in obigerStelle gleichsam die Rubriken für die Ge-betsobjecte vorgezeichnet und der Herr imVaterunser den Inhalt aller Gebete normirthat, so war doch im Einzelnen dieser In-halt der mannigfachsten Art: neben Lob,Dank und Anbetung treffen wir vielfältigeBitten für alle geistigen und leiblichen,ewigen und zeitlichen, allgemeinen und be-sonderen Bedürfnisse der Gemeinde, Gebeteum Erleuchtung und Stärkung, für alleStände der Kirche, für alle Nöthen der Ein-zelnen wie der Gesammtheit, Bitten fürgeistliche und weltliche Obrigkeit u. s. f.In jenen Formularien vom 3.—8. Jahrli.haben wir wie den allgemeinen Typus deralten Gebete, so den Nachweis der Gegen-

stände. Natürlich waren in einzelnen Kir-chen noch besondere Anliegen Gegenstanddes Flehens, worüber der Bischof bestimmte.Die Kirche bediente sich aber vorzugsweiseder Worte der Schrift oder bildete ihre Ge-bete nach biblischer Analogie. Denn nachdem Vorbilde Christi und der Apostel (Matth .26, 30 vergl. mit Joh. 17, 1 f. u. I Kor. 14,wo Gebete in charismatischer Form) hatdieselbe von Anfang an neben Schrifttextenauch Freigewähltes in ihre Gebete aufge-nommen. Denn liberum est aliis atque aliisverbis, eadem tarnen in orando dicere, sednon debet esse liberum alia dicere (Äug.Ep. 130, n. 22). Der Tadel, dass die altenKirchengebete mannigfache sinnliche Mo-tive enthalten, um zum Guten anzutreibenund vom Bösen abzuschrecken, ist nur theil-weise begründet. Schon die hl. Schrift machtauf die Folgen der guten und bösen Hand-lungen aufmerksam, verspricht Lohn oderStrafe, Gnade oder göttlichen Zorn unddies geht durch das ganze christliche Alter-thum; daneben wird jedoch die moralischeWirkung des Gebetes nicht übersehen.

Sehen wir auf den dogmatischen undsittlichen Gehalt der Gebete, so galt vonAlters her der Grundsatz Coelestins: ut le-gem credmdi lex staluat supplicandi; alleGebete haben eine tiefe dogmatische Unter-lage, eine Fülle christlicher Gedanken, undohne dass sie beanspruchen, ein Compen-dium der Dogmatik und Moral zu geben,finden wir doch in den liturgischen Gebetendie wichtigsten Glaubens- und Sittenlehren;sie umfassen die ganze christliche Meta-physik : Gottes Eigenschaften, wie des Men-schen Erlösungs- und Ilülfsbedürftigkeit,alle Gefühle seines bewegten Innern, seineBeziehung zu Gott wie zum Mitmenschenfinden in ihnen Darstellung und Ausdruck.

4) Anlage und Form. Der äussernAnlage nach können die kirchlichen Gebetein drei Klassen getheilt werden: in Wech-selgebete zwischen Priester und Volk, oderöffentliche Gebete, welche der Priester alleinals Vertreter der Gemeinde verrichtet, oderPrivatgebete, die er mit Bezug auf beson-dere liturgische Handlungen verrichtet. Informeller Hinsicht zeigen die ältestenGebete ein gewisses lyrisches Gepräge undantiken Charakter, sind bei aller Einfach-heit und Kürze voll tiefer Innigkeit, Kraftund Salbung und eine warme Gefühlsstim-mung ist über sie ausgegossen; gewöhnlichliegt in ihnen eine tiefe Beziehung zu derjedesmaligen Festzeit oder hl. Handlung,und Wahrheit und Natürlichkeit sind inmerkwürdiger Weise mit dem lyrischenHauche vereinigt; auch hierin zeigt sichdas Anlehnen der Texte an die Spracheder hl. Schrift, namentlich an die Psalmen,wesswegen die alten Gebete so leicht den