Band 
Erster Band. A - H.
Seite
565
JPEG-Download
 

Gebet, liturgisches, und Gebetsformularien.

565

Charakter von Hymnen annehmen. Dochmacht sich schon sehr frühe ein Unterschiedzwischen den Gebeten der griechisch-orien-talischen und der lateinischen Kirche be-merklich; in jener zeigt sich mehr Glutder Phantasie und Verwendung der Sprach-symbolik, hier Ruhe und Würde; fernersind die griechischen Gebete seit dem 3. Jahrh.weitschweifiger, so dass schon Basilius d.Gr. und Chrysostomus sich zu Kürzungenveranlasst sahen. Dagegen sind die aus denvon Gelasius und Gregor d. Gr. revidirtenSacramentarien uns hinterlassenen GebeteMuster von antiker Ruhe, Kraft und Ob-jectivität. Schon im 2. und 3. Jahrh. wer-den die Kirchengebete in der Landesspracheüblich. Jedoch müssen einzelne hebräischeFormeln, wie Amen, Halleluja, Hosianna,schon damals eine feste Stelle im Cultgebeteeingenommen haben, denn wahrscheinlich sinddie ,barbarischen 1 Wörter, die Origenes demCelsus gegenüber in Schutz nimmt, solcheFormeln. Origenes C. Cels. VIII 402 setztbei: lv tccTj eöyaTc ot piv "EXX^vec eXXt]vixo7c,oi Sk 'PojjxaTot p( 0 |xaiV.oTt y.cd ootuk Sxaaxocxaxot tfjv saoToü SiaXs/xov eoysxai xai upcvel.— Gerichtet wurden die liturgischen Ge-bete fast ausnahmslos an den Vater, dochso, dass er als Repräsentant der Trinitätangesehen und dabei Beziehung auf denSohn und den hl. Geist genommen wurde,indem die Gebete im Namen Jesu, desMittlers, und mit Hinweis auf die Gemein-schaft des hl. Geistes schlossen. So sagtlustin Apol. I, c. 66: für Alles, was wirgemessen, sagen wir Dank dem Schöpferdes All durch seinen Sohn Jesus Christus und durch den hl. Geist; und TertullianAdv. Prax. c. 31: sic Deus voluit novaresacramentum (gegenüber der fides Iudaica),ut nove unus crederetur per filium et spi-ritum, ut coram iam (im Christenthum) Deus in suis propriis nominibus et personis cog-nosceretur, was seinen Ausdruck im Gebetefand. Daher die liturgischen Gebete ge-wöhnlich zugleich ein Bekenntniss der Tri-nität sind. Das Concil von Hippo (397)c. 21 verordnete: cum altari adsistitur, sem-per ad patrem dirigatur oratio, was die Sy-node von Carthago (525) erneuerte: sed adpatrem semper dirigatur intentio, sicherlichmit Rücksicht auf damalige Irrlehren. Die-sen Kanon hat, um jedem Missverständnissevorzubeugen, Fulgent. Rusp. Ad Monim. II,c. 5 genauer erklärt, dass alle Verehrungund das Messopfer in gleichem Masse (pa-riter) allen drei Personen der Trinität gelte,und wenn das Gebet nur an den Vater ge-richtet werde (dum ad patris personam pre-catio ab offerente dirigitur), so dürfe darauskein Präjudiz gegen den Sohn und hl. Geistgebildet werden: quia dum ad solius patrispersonam sermo dirigitur, bene credentis

fide tota trinitas honoratur. Es verhält sichhier wie mit der Taufe auf den NamenJesu. Auch Innocenz III Ep. 14 (ad Ioan.)bezeugt: antiquitus in ecclesia primitivaomnes ad solum patrem collectae fiebantpropter auctoritatem principü. Zu seinerZeit gab es aber schon Gebete an Chri-stus gerichtet (quaedam specialiter orationesad filium . . .), während alle Präfationenbis auf ihn (usque hodie) allgemein nur anden Vater gerichtet waren (ad solum pa-trem universaliter). Eine Collecte direct anden hl. Geist oder die Heiligen findetsich nicht, wol aber Hymnen und Litaneien,die sich unmittelbar an den hl. Geist (unddie Heiligen) wenden; dagegen waren Ge-bete an Christus schon frühe üblich unddürften die Ansätze dazu (in der Zeit derApostel zu suchen sein, wie in dem ,HerrJesus , nimm meinen Geist auf! 1 (Act. 1, 24u. 7, 59.) Vgl. dazu die Segensformeln inden paulinisehen Briefen: gratia vobis etpax a Deo patre et domino nostro I. C.,oder: gratia domini nostri I. C. Die deut-lichsten Beweise von Gebeten an Jesus fin-den sich vom 2. Jahrh. ab in grosser Zahl.

,Ecclesia prudenter instituit, ut sicut ad pa-trem sic ad filium dirigerentur collectae ...‘( Innoc. III 1. c.; vgl. Bingham V 31 ff.).Wir verweisen nur auf die eine Stelle beiClem. Alex. Paedag. III, c. 12, wo nebendem Vater der Sohn direct mit iXafit . . .uie xa't Ttar7]p, Sv ajxcpuj, xupis (propitius est. . . fili et pater, unum ambo, domine) an-gerufen wird. Eine besondere Erörterungaber verlangt hier die Anrufung der Hei-ligen und der Glaube an ihre Intercession;daher:

5) Fürbittendes Gebet (Interces-sion und Invocation der Heiligen). DerGlaube an die Fürbitte der Heiligen unddie daraus folgende Anrufung derselbenhaben ihre dogmatische Grundlage in derIdee von der Zusammengehörigkeit allerGlieder des Reiches Gottes (Eph. 5, 30 u.I Kor. 12, 27). Die directe schriftgemässeBegründung liegt aber bekanntlich in Stel-len wie Jerem. 15, 1; I Makk. 15, 4; Apoc.5, 8 u. 8, 3 (wo von den -xpoasoyal xüivcqtov auf dem Opferaltar die Rede ist);dazu Röm. 15, 30; Kol. 4, 3; I Thess. 5,25 u. II Thess. 3, 1; Hehr. 13, 8. AlleFürbitte ist nur ein Flehen um Gnadeund Segen für Andere, wie schon die litur-gischen Formeln intercedere, intervenire,interpellare und das pro (nobis etc. . . .) an-deuten. Der Herr selbst empfahl diese Für-bitte für Lebende (Matth . 5, 44) undsein eigenes hohepriesterliches Gebet ist eineFürbitte der höchsten Art. Sodann bat derApostel oftmals um die Fürbitte der Gläu-bigen (Eph. 6, 18. 19; I Tim. 2, 1).

Es entsprach dann der gleichen Idee der