Gegenstände.
587
bronzenen Werkzeuge, mit welchen mandie hl. Märtyrer peinigte und tödtete, häufigehrfurchtsvoll mit ihnen begraben wurden.Mehrfach fanden sich die Ketten und an-dere Marterwerkzeuge noch an den betref-fenden Körpertheilen, z. B. das mörderischeEisen noch im Schädel (Bosio R. S. 21;Olivieri Mem. di Terenzio 101; de RossiR. S. III 622). Abbildungen solcher Werk-zeuge aus Katakombengräbern (ungulae fer-reae, plumbatae, forcipes u. s. w.) findensich bei Bosio R. S. 21, 26; Arinqhi R. S.II 684, 687—689; Boldetti 315 ff.; BottariII 33; vgl. Lupi Dissert. I 265; de RossiR. S. II 164, III 164—165. Die bei PerretIY, pl. XIY abgebildeten fidiculae und un-gulae stammen nicht aus den Katakomben,sondern aus einem etruskischen heidnischenGrabe. Ueber die Abbildung chirurgischerInstrumente, die man irrthümlich für Bil-der von Marterwerkzeugen angesehen hat,s. de Rossi Bull. 1864, 36. Ueber die Sorg-falt, mit welcher die römischen Forscherverfuhren, um nicht Toilettengegenstände,wie grosse Haarnadeln, oder grosse Nägel,
Fig. 203. ßpiegel aus den Katakomben.
die äusserlich im Mörtel befestigt waren,für Marterwerkzeuge anzusehen und aus-zugeben, s. Boldetti 182, de Rossi R. S.III 622.
4) Kleidungsstoffe und Schmuck-sachen. Die christliche Anschauung vonder Würde des Leichnams eines dahinge-schiedenen Christen musste dazu führen,denselben, wie mit der sterblichen HülleJesu Christi selber geschehen, ehrerbietigbekleidet beizusetzen. Besonders geschahdies bei den Leichen der hl. Märtyrer {Eus.II. e. VII, c. 16), deren abgehauene Glie-der in kostbare Stoffe eingewickelt (de RossiR. S. III 622; Boldetti 288, 289, 291)und die Wunden im Schädel mit Goldstoffbedeckt sich fanden ( Boldetti 289, 290).Aber auch bei den anderen Gläubigen ,ean-dore nitentia claro praetendere lintea mosest‘ ( Prudent . Cathem. liymn. X 49, 50;Aringhi I 124). Wenn der hl. Hieronymus(Vit. Paulae) gerade mit Bezug auf diePracht der Todtenkloider mit Recht estadelt, dass bei manchen Christen ambitiointer luctus non cessat, so darf anderseitsauch nicht verkannt werden, dass nicht
bloss Prunksucht und Nachahmung heidni-schen Luxus, sondern auch ein mit christ-licher Gesinnung sehr wol verträglichesGefühl der Anhänglichkeit und ehrerbie-tiger und religiöser Rücksicht für die sterb-lichen Ueberreste der verstorbenen Liebendazu führen konnte, bei der letzten Be-kleidung nicht auf das Nothdürftigste sichzu beschränken. So treffen wir kostbareStoffe auch nicht nur bei den Leichen vor-nehmer Personen an, sondern auch die einesgewöhnlichen Christen, dessen Grabschrift(MARTINI IN PACE, Bottari Pittore 1122)auf keine hervorragende Stellung schliessenlässt, fand sich in Goldstoff gewickelt. Aufdasselbe Gefühl, welches in ähnlicher Weisein dem reichen Schmuck christlicher Jung-frauen und Frauen in den Gemälden derKatakomben sich äussert, dürfen wir esauch zurückführen, dass man einzelnenLeichen beim Begräbnisse die Perücke nichtabnahm ( Boldetti 297; s. d. A. Perücke)und Schmucksachen beigefügt hat, und dassHalsbänder und Armbänder, vielfach nuraus Glasperlen bestehend, manchmal auchvon höherm innern Werth, Ohrringe, Me-daillons sich an Leichen der Katakombengefunden haben ( Boldetti 334; de Rossi R.S. III 584).
Die bis jetzt erwähnten G. bilden abernur die geringere Zahl unter den in denKatakomben gefundenen. Ausser ihnen fin-den sich, meist ausserhalb im Kalk befestigt,die verschiedensten Gegenstände des häus-lichen Gebrauchs, die sich in den fünfKlassen: 1) Schmucksachen und G. despersönlichen Gebrauchs, 2) Spiel und Kin-derspielzeug, 3) Tesserae, 4) Ilausgeräthe,5) Münzen vertheilen.
1) Schmucksachen und G. despersönlichen Gebrauches. Die kost-barsten von diesen sind die Gemmen undCameen, von denen die schönsten aus derSammlung Campegna, welche meistens ausdem Coemoterium Priscillae stammen, vonBuonarruoti in seinen Osserv. sopra i me-daglioni veröffentlicht wurden. Sie werdenjetzt natürlich nur selten mehr gefunden;ein Gemmenfragment von Sardonyx fandde Rossi 1851. Die meisten sind fibulaeund falerae, Agraffen, Broschen, Schnallenvon Frauengürteln); die grösseren faleraestammen von militärischen Gürteln undPferdegeschirr. Zu dieser Klasse gehörenauch die bullao, sowol die eigentlichen deringenui, als die uneigentlichen, wie sie vonallen Klassen der Bevölkerung getragenwurden; sie finden sich in der verschieden-sten Form und Materie, viele in der Gestaltkleiner Fische (de Rossi R. S. III 584;Boldetti 516 f.). Auch die Christen trugensie, nur dass sie statt abergläubischer Amu-lette in dieselben Reliquien oder parva