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Gichtbrüchigen, Heilung des.
wir aber den ganz klaren und bestimmtenAusdruck eines zeitgenössischen Kirchen-schriftstellers, des Tertullian nämlich, derin seiner vormontanistischen AbhandlungDe bapt. c. 9 bei Besprechung der bibli-schen Vorbilder der Taufe die Heilung desParalytischen am Teiche Bethesda aus-drücklich als Symbol der Taufe angesehenwissen will. De Iiossi schliesst sich mitliecht (R. S. II 334 f.) dieser Deutung Ter-tidlians an, zumal letzterer nochmals in-direct seine eben erwähnte Behauptung inseiner montanistischen Schrift De pudicitiac. 8, 9, 15—20 erhärtet. In den Kapiteln,wo er die für die Sündenvergebung nachder Taufe citirten biblischen Gleichnisseund Geschichten von seinem rigoristischenStandpunkte zu entkräften sucht, tliut erder Heilung des Paralytischen gar keineErwähnung, ein Beweis, dass man sie nichtals Symbol der Busse ansah. Zudem wider-spricht die Darstellung abermaliger Bussenach der Taufe für besonders schwere Sün-den dem Geiste der ersten christlichen Jahr-hunderte. Mit grosser Sorge bemühte mansich, die Unschuld der Taufe zu bewahren,welche Sorge die Verschiebung der Taufeoft bis auf das Todtenbett verursachte undwelche dem Tertullian De bapt. c. 18 dieWorte eingab: ,die Unverheiratete]] thungut, (mit der Taufe) zu warten, bis sieentweder heiraten oder in der Enthaltsam-keit befestigt sind. Diejenigen, welche dasernste Gewicht der Taufe kennen, werdenmehr die Erlangung, als den Aufschub der-selben fürchten. 1 Nicht vor, sondern erstnach dem Falle wurde dem Schiffbrüchigendas noch übrigbleibende zweite Brett derRettung nahegelegt. ,Nos,‘ sagt ausdrück-lich der hl. Pacian von Barcelona (Ad Sym-phron. epist. I, c. 5), ,hanc indulgentiamDei nostri non ante peecatum, sed postpeccata detegimus. 1 Ferner kehrt die Deu-tung Tertullians von der Heilung des G.als eines Symbols der Taufe bei einem derspäteren Kirchenväter, dem hl. Optatus vonMileve (De schism. Donat. II, c. (i) wieder.Sodann weist uns die gerade nicht häufigvorkommende nackte Darstellung des Ge-heilten doch weit eher auf die geistige Neu-geburt durch die Taufe (s. d. A.), als aufdie Busse, wie auch die eucharistischcn See-nen der Brodvermehrung und der Hochzeitzu Kana, die mitunter auf unsere Heilungfolgen, der Reihenfolge des Empfanges derSacramente in der alten Kirche — Taufe,Firmung, Eucharistie — entsprechen. End-lich ist auf einem römischen Sarkophage(Bottari Tav. CXCV) an dem Bette, dasder Paralytische trägt, das Bild eines Fisches(s. d. A.) als Symbol Christi , des Urhe-bers der Tauf gnade, angebracht.
des Paralytischen auch als Symbol der Auf-erstehung aufgefasst wissen will, so hat ernur dann Recht, wenn er diese Auffassungnicht der altchristlichen Zeit, sondern demFrühmittelalter zuschreibt.
Der Paralytische, gewöhnlich mit einerum die Hüften geschürzten Tunica und einerArt eng anliegender kurzer Hosen, wie sieSoldaten, Reisende und Kranke zu tragenpflegten, bekleidet, ist (zum Zeichen derInferiorität) kleiner dargestellt als Christus,j welche Darstellung bei allen Presthaften| Anwendung fand, die der Heiland heilte.
| Das Bett, das er trägt, ist das xpaßorrrov,j das Tragbett der Armen von Latten undI Riemen mit darauf liegender Decke (vgl.
[ Bisping zu Joh. 5, 8). Christus hält in; der Linken eine Schriftrolle, die Rechte hati er gegen den Geheilten gewendet, gleich-! sam als Aufforderung: ,stehe auf, nimm! dein Bett und wandle,
(Joh. 5, 8). Auf einemSarkophagfragmentej (Fig. 211 abgebildetnach Bottari Tav.
XXXI) steht zur Lin-ken Christi ein kahl-köpfiger Mann mit ern-! sterMiene,eineSchrift-j rolle in der Linken,
; den Zeigefinger derI Rechten mahnend er-j hoben. Dieser Manni ist wahrscheinlich eineri der Schriftgelehrten,
| die es nicht erlaubt' fänden, dass der Paralytische am Sabbath sein Bett trage (Joh. 5, 10). münz.
| Andere Darstellungen desselben Sujets! geben der Sarkophag bei Bottari Tav.XXXIX, dessen betr. Scene reproducirt istbei Smith-Cheetham Dict. 201 ; Rohault deFleury Les evangiles pl. LI 1 ' 5 , LII. Elfen-beinplatte, Buchdeckel in der Kathedralezu Mailand (0. Jahrli.); Bugati S. Celso,1782; Westwood Catal. 40. Elfenbein derSammlung Miclieli (7. Jahrli.); Westwood43. Elfenbein in der Bibi. nat. zu Paris (5.—7. Jahrli.); Lenonnant Tres. de glypt.II, pl. 9, 11; Westwood 46. Elfenbein inRavenna,Museum (6.—7. Jahrli.); GonThes.Dipt. III 41; Labarte Hist, des arts etc.;Westwood 50. Elfenbein in Bodlcian Li-brary, Oxf. (9.—10. Jahrli.); Didron Anu.XX 118; Westwood 56. Elfenbein, Pyxisdes Mus. crist. im Vatican (5.—6. Jahrli.);d’Agmcourt Sc. XII 4 (= Gori Tlies. Dipt.pl. IV 20 , ?); Westwood 274. Mosaik in S.Apollinare nuovo in Ravenna ; Ciampini H,tav. XXVII 10 zu p. 97.
Viel seltener ist die andere Scene dar-gestellt, wo der Kranke durch das Dachdes Hauses herabgelassen wird. Es scheint,
Fig. 211. Sarkophagrelief(nach Bottari).