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Erster Band. A - H.
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Glasgefässe.

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Brust einer Leiche gefunden wurde, ver-öffentlichten v. Wilmowsky (Arcliäol. Fundein Trier, Trier 1873, Taf. II) und Aus’mWeerth (Jahrb. der Alterthumsfr. im Bheinl.LII 174; vgl. unten); letzterer auch einGlasgefäss mit rohen Darstellungen (Jahrb.LXIII, Taf. 5 4 ). Bei den meisten dieserArbeiten, auch den nicht christlichen, vondenen sich namentlich in den Londoner Sammlungen viele Fragmente finden, wa-ren die Vertiefungen nicht, wie bei jenemjüdischen, mit Emailfarben und Gold aus-gefüllt , sondern, wie hei vielen geschliffe-nen Gläsern der Neuzeit, weiss gelassen,und desshalb auch an der Aussenseite derGläser angebracht, wenn auch die Darstel-lungen, wie die umgekehrte Schrift in demvorerwähnten Glas mit der Taufscene zeigt,bestimmt waren, von innen gesehen zuwerden. Das von Podgoritza ist dagegenauf der innern Seite gravirt. Prof. Aus’mWeerth (Jahrb. LXIX 55) glaubt, dies seiaus Unverstand geschehen, weil man über-sehen habe, dass bei dieser Technik dasGlas durch jede eingeschüttete Flüssigkeitverunreinigt werden würde. Diese Annahmescheint jedoch schon desshalb unbegründet,weil eine solche flache Schale nicht noth-wendig zur Aufnahme von Flüssigkeitenbestimmt war und Prof. Aus’m Weertliselbst sie als Patene erklärt. Ein besonderesInteresse gewähren diese Gläser, auch dieprofanen, dadurch, dass sie meistens mitInschriften versehen sind, welche den Ge-genstand erklären.

Die Darstellungen auf diesen Gläsern zei-gen eine Erweiterung des christlichen Bil-dercyclus der Katakomben und der Gold-gläser ; es finden sich ihnen mehr die Com-positionen der Zeit des Friedens und desTriumphes in den christlichen Basiliken.Auch die Form des Monogramms und derrömische Fundort — nicht die Katakom-ben, wo sie äusserst selten, sondern dieRuinen der Kirchen und der Wohnungenaus dem Ende des 4. und dem Anfang des5. Jahrh. — sind die Anzeichen, dass dieseTechnik der Zeit nach auf die der Gold-gläser in der Ausschmückung christlicherG. folgte. Nicht als ob diese Technik erstdamals entstanden sei, denn Gläser dieserArt mit profanen Darstellungen wurdenzahlreich in den Katakomben gefunden,darunter das Salbengefäss mit der Inschrift:MEMORIAE FELICISSIMAE FILIAE undder Ansicht der Gebäude des Golfes von Baiae und von Puzzuoli (Bull, arcli. Napol. 1853,133; Mamachi Antiq. Christ. I 464; vgl.•Jordan in der Arcliäol. Ztg. 1868, Dl ff.);auch ein sehr schöner Becher im Vatican und das Fragment einer Schale im Kircher-schen Museum, beide mit Scenen des Fisch-fangs und von weit besserer Arbeit, als die

unzweifelhaft christlichen Gläser dieser Art,sind, wie man glaubt, in den Katakombengefunden, wo auch in dem Kalkbewurf sichdie Abdrücke ähnlicher geschliffener Gläserfinden (de Rossi R. S. III 604). Dasselbegilt von der 1852 in Trier gefundenen, vonv. Wilmovsky (Arcliäol. Funde 14 ff.) ver-öffentlichten Glasvase mit Darstellung einesWettfahrens im Circus.

2) Vasa diatreta nennt man Gefässe,deren Aussenseite in durchbrochener Arbeit,und zwar nicht vermittelst des Gusses oderder Löthung, sondern durch Ausschneidenaus der harten Masse hergestellt wurde, in-dem man zur Verbindung dünne Glasstiftestehen Hess. Wenn die scharfsinnige Con-jectur des Prof. F. Wieseler (Nachr. derK.-Ges. d. Wissensch. zu Göttingen 1877,Nr. 2), welcher in Plin. Nat. hist. XXXVI,§195 statt petrotos zu lesen vorschlägt:pertusos oder perforatos, also die wörtlicheUebersetzung von Sta-pr/roc, so wäre dieseTechnik unter Nero erfunden worden; dieWorte des Plinius sind: sed quid refert,Neronis principatu reperta vitri arte quaemodicos calices duos, quos appellabant pe-trotos |1. pertusos oder perforatos] HS. VIvenderet. Zu dieser Zeit stimmt, dass Martialdiese Gefässe zuerst bestimmt erwähnt undihre Kostbarkeit (o quantum diatreta valent,XII 70) hervorhebt, auch sie wegen ihrerZerbrechlichkeit calices audaces (XIV 94)nennt. Die Fortdauer dieser Kunstfertig-keit beweist die Erwähnung der Iliatretariiim Cod. Theodos. XIII 4, 2 und die StelleDig. IX 2, 27, § 29: si ealicem diatretumfaciendum dedisti, si quidem imperitia fre-git, damni iniuria tenebitur; si vero nonimperitia fregit, sed rimas habebat vitiosas,potest esse excusatus. Et ideo plerumqueartifiees convenire solent, cum eiusmodimateriae dantur, non periculo suo id facere.Diese Stelle lässt wol keinen Zweifel, dassdiese Vasa diatreta in der oben angegebenenWeise geschliffen wurden ,und eine jenerfabelhaften Geduldarbeiten sind, wie solchevielleicht nur noch in China Vorkommen;in der übrigen Welt, ja ohne Sklavenarbeitüberhaupt nicht zu leisten sind, ja nachder heutigen Entwicklung der Verhältnissegeradezu eine sträfliche Thorheit wären 1(Worte eines der grössten Glasindustriellen,des Herrn Lobmeyr in Wien ; s. Jahrb. d.Alterthumsfr. im Rheinl. LIX 71).

Gegenwärtig kennt man 13 Vasa diatreta(de Rossi 11. S. III 325 bemerkt, dass ihmnoch mehrere Fragmente bekannt sind; viel-leicht ist auch das bei Semper Der Stil,2. Auf!., Farbendrucktaf. XVI 14 abgebildeteein solches):

1) Das 1725 bei Novara gefundene, ge-genwärtig im Palazzo Trivulzi zu Mailand befindliche; das Glas ist weiss, das den