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Erster Band. A - H.
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Glockensurrogate.

heit erhoben; sie hat aber auch die Glockeihren Zwecken dienstbar gemacht und durchihren Segen in den Kreis der Kirchenge-räthe versetzt. Wenn der Reichenauer MönchWalafriä Strabo, der 849 starb, behauptet,die G. zählten nicht zu den alten Gebräu-chen (De exord. et increment. rerum eccl.c. 9), so ist diese Behauptung nur bezüg-lich der grösseren (campana), die man vonden kleineren (nola) wol unterschied, richtig.Dass er Campanien und besonders Nola fürdie Heimat der Kirchenglocken ansah, magdarin seinen Grund haben, dass die Erzeund Metalle und die aus denselben gefer-tigten Gefässe der Provinz Campanien schonbei den Alten Ruf verschaiften ( Otte Glocken-kunde 4). Uebrigens scheint sich der Be-richt Walafrids auf eine von ihm missver-standene Stelle des hl. Isidor (Orig. XYI,c. 24), wonach eine Art Waage (campana)von Campanien abzuleiten ist, zu stützen.

,Campana a regione Italiae nomen accepit,ubi primum eius usus repertus est. Haecduas lances non habet, sed virga est sig-nata libris et unciis et vago pondere men-surata, unicuique pondere certus est modusnominibus propriis designatus. 4 Campanafindet sich in der Bedeutung von Balken-waage auch in der Uebersetzung der YitaIoan. Eleemos. des Bischofs Leontius vonCypern c. 1, n. G (vgl. Katholik 49. Jalirg.589). Wer also jene Campana Isidors alsGlocke und nicht als Waage nahm, dermusste Campanien als Vaterland der Glockeausgeben. Die oft citirte Stelle des zuAnfang des 12. Jahrh. blühenden Ilonoriusvon Antun (Sacramentarium c. 8): ,signa,quao nunc per campanas dantur, olim pertubas dabantur. Haec vasa primum in NolaCampaniae sunt reperta, unde sic dicta.Maiora quippe vasa dicuntur campanae, aCampaniae regione, minora nolae a civitateNola Campaniae 4 ist, weil auf ältere Aucto-ren sich nicht stützend, kein Beweis fürden ,campanischen 4 Ursprung der G. Dieerst im 15. oder 16. Jahrh. aufgetauchteBehauptung, der hl. Paulin von Nola seider Erfinder der G., ist eine durch keinehistorische Tradition gestützte, rein willkür-liche ( Otte a. a. 0. 5). Ebenso unhistorischist die Annahme, Papst Sabinian , der Nach-folger des hl. Gregor d. Gr., habe denGlockenguss erfunden.

Dass die Schellen in verschiedener Ge-stalt und Grösse (und daher auch unterverschiedener Benennung: tintinnabulum,cymbalum, nola, nolula, campana, signum,lebes (Kessel], aeramentum, xioowv u. a.)gegen Ende unseres Zeitraumes in kirch-lichem Gebrauche waren, ist unter demArt. Glockensurrogate nachgewiesen. Ein-mal als Einladezeichen zum Gottesdiensteim Brauch, mussten die G. bald grössere

Dimensionen annehmen. Als 615 KönigChlotar die Stadt Sens belagerte, liess derBischof Lupus die G. der Stephanskircheläuten, und der Schall dieser jedenfallsgrossen Signa erschreckte des Königs Krie-ger so sehr, dass sie davonliefen {Baron.Ad ann. 615). Die G. dieser Zeit warennoch nicht gegossen, sondern aus ge-schmiedetem Eisenblech zusam-mengenietet. Daher der Ausdruck Fa-ber für Glockenverfertiger. Ein solcherGlockenkünstler (faber) war der um 586gestorbene irische Mönch Dagaeus, der an300 G. gefertigt haben soll (Zeitschr. fürchristl. Archäol. u. Kunst I 22). Auch dieerhaltenen älteren Glockenreste sind (inoval viereckiger oder Zuckerhutform) ausEisenblechen zusammengenietet. Ygl. OtteKunstarchäologie I 244, wo auch die ältestedeutsche, angeblich um 613 in Köln auf-getauchte genietete Glocke aus dem Kölner Museum abgebildet ist. [Sehr alt, vielleichtdie ältesten Exemplare solcher Glocken sinddie im Edinburgher Museum bewahrtenSt. Fillans Bell, abgeb. bei John StuartHist. Notices of St. Fillans Crozier, in Pro-ceed. of the Soc. of Antiquaries of Scot-land, XII, 1876—1877; im Catal. of Anti-quities in the Nat. Mus. p. 140, n. 728,und eine andere in Orkney eb. p. 139, n.719. Beide mögen dem 8.—9. Jahrh. an-gehören. K.] Erst im 9. Jahrh. unterschiedman zwischen gegossenen (vasa fusilia)und geschmiedeten (vasa productilia)G. Das Wort cloca ist mittelalterlich undkommt als lateinisches zuerst in der Brief-sammlung des hl. Bonifatius (ed. Jaffe 126)vor. Das deutsche glogga, clocca erscheintnicht vor dem 9. Jahrh. und wird von Ottenach Graff (Sprachschatz IY 292) von demaltdeutschen clachan, Geräusch machen, vondem Aufsatz des ,Katholik 4 1869, 597, indem niederdeutschen gloggo = hell abge-leitetet. Vgl. Otte Kunstarchäol., wo auchdie reiche Littcratur über diesen Gegen-stand, jedoch noch lange nicht vollständig,angegeben ist. münz.

GLOCKENSURROGATE. Da die ChristenJahrhunderte lang den Verfolgungen derHeiden ausgesetzt waren, so mussten dieZeichen, auf welche hin sie sich zu gottes-dienstlichen Handlungen zu versammelnpflegten, möglichst geräuschlos sein wegender sonst eintretenden Gefahr, von denHeiden überfallen zu werden. Darum wur-den die gottesdienstlichen Versammlungenentweder, wenn sie an bestimmten Ortenoder zu bestimmten Zeiten gehalten wur-den, gar nicht angesagt (und die besuchen-den Christen richteten sich nach ihren Was-ser-, Sand- oder Sonnenuhren) oder derBischof liess die nächstfolgende Versamm-