Band 
Erster Band. A - H.
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623
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Orlockensurrogate.

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lim" am Schlüsse der vorhergehenden denGläubigen verkünden, wenn in Ort undZeit eine Abänderung getroffen wurde. Beiaussergewöhnlichen Verhältnissen oder Ver-anlassungen wurden die Gläubigen durchZusammenberufung gesammelt, wesshalbTertullian (Ad uxor. II, c. 4) die gottes-dienstliche Versammlung convocatio nennt.Die Zusammenberufung lag anfangs denDiakonen ob. Dies folgt wenigstens aus derStelle des unechten Briefes des Ignatiusan den Diakon Hero: synaxes ne negligas,omnes nominatim inquire, mit welcher Mah-nung die desselben Heiligen an Polylrarpusc. 4; saepe congregationes fiant; ex nomineomnes inquire (s£ öv6g.a~o<; irdvxac (njist) fastwörtlich übereinstimmt. Später war die Zu-sammenberufung Obliegenheit eines niedernKlerikers, der bald Läufer (cursor, Tertull.De fuga c. 7), bald Herold, Ausrufer (praeco,Hieron. Ep. 22 ad Eustoch.), bald Mahner(monitor, Euseb. Alex. Orat. de dom.) ge-nannt wurde. Mitunter scheinen sich auchdie Christen nach dem Trompetenzeichendes Militärs gerichtet zu haben. Die Stelleaus den Martyreracten des hl. Saturnmus,Dativus u. A. ( Ruinart ed. Rat. 415): nam-que in civitate Abitinense in domo OctaviEelicis cum bellica caneret tuba . . . cele-brantes ex more dominicum . . . apprehen-duntur, erlaubt diesen Schluss.

Nach Constantins Uebertritt konnten ge-räuschvolle Zeichen als Einladungen zumGottesdienste gegeben werden. Im Orientwurde im Anschluss an die Sitte der Israe-liten ( Haneberg Religiöse Alterth. 201) undanderer Orientalen (Dan. 3, 5. 7; vgl. Böl-ling er Heidenth. u. Judenth. 456, 397, 482,403 u. s. w.) die gottesdienstlichen Versamm-lungen durch Trompetenschall an-gekündigt. Diese Sitte wurde beibehalten;in der Regel des hl. Pachomius (Bibi.Patr. XV 629), die allen Mönchen vor-schreibt, beim Schall der Trompete ihreZellen zu verlassen und beim gemeinschaft-lichen Gebete zu erscheinen. Die Griechenbedienten sich eines andern Einladungs-mittels, des semanterium (arjjj.avTpov, auchayia suXa, sacra ligna) genannt. Leo Allat.beschreibt uns dies Instrument genau. ,Esist ein Brett, zwölf Fuss lang, vier Fussbreit, zwei Zoll dick, von gesundem, ast-freiem Holze, glatt gehobelt, damit derSchall desto reiner und stärker ertöne. DiesBrett wurde mit der Linken gehalten, wäh-rend man mit der Rechten mittelst eineseisernen (aY'.ostorjpov, sacrum ferrum) oderhölzernen Hammers (malleus) in bestimm-tem Rhythmus bald dicht am Platze, woes mit der Linken gehalten wurde, baldhöher hinauf, bald tiefer hinab daraufschlug,wodurch bald höhere, bald tiefere Tönehervorgebracht wurden. 1 Bei den Griechen

blieb dieses Semanterium bis ins 9. Jahrh.in Brauch, wie es auch später nach Einfallder glockenhassenden Türken wieder hervor-geholt wurde. Die ersten Glocken brachteum 865 der Doge Ursus Patricius von Ve-nedig nach Constantinopel. — In manchenKlöstern ging der Hebdomadarius unter denMönchen von Thüre zu Thüre und klopftemit dem malleus excitatorius, auch signumnocturnum genannt, an jeder Pforte an(vgl. Cassian. De instit. coenob. II, c. 17).

Im Abendlande scheint statt des Seman-terium mehr das Crepitaculum, ein denRaspel- oder Klapperwerkzeugen der Char-woehe ähnliches Instrument, in Hebunggewesen zu sein, das Manche mit dem beiden Aegyptern (bei der Isistrauer zur Ver-scheuchung des Typhon) verwendeten Si-strum in Parallele bringen wollen. Vgl.Augusti Denkw. XI 419. Amalarius (f nach820) fand zu seiner Zeit die Verwendungder hölzernen Crepitacula in manchen Kir-chen Roms noch vor (De offic. eccl. IV,c. 21; vgl. Kreuser Kirchenbau I 252).

Alle genannten G. wurden nach und nachverdrängt durch die Schellen, Tintinna-bula, aus welchen sich die Glocken ent-wickelten. Die Schellen begegnen uns schonfrühe im Alten Bunde. Mit goldenen Schell-chen und Granatäpfeln war das rituelle Ge-wand des Hohenpriesters am untern Saumebehängt (Exod. 23, 33; vgl. Sir. 55, 11).Dieselben waren auch dem antiken Heiden-thum nicht bloss als beliebtes Kinderspiel-zeug bekannt, sondern sie wurden von Er-wachsenen bei mancherlei Lustbarkeiten undreligiösen Feierlichkeiten, wie bei den Fe-sten des Priapus, des Lunus, der Cybele,bei den dionysischen Aufzügen und länd-lichen Bacchanalien gebraucht. Das Anein-anderschlagen von an den hl. Eichen zuDodona aufgehängten Erzbecken bildete beiden dortigen Orakeln und Mysterien einewichtige Rolle. Vgl. Lunretius De rer. natur.I, v. 282; Arnobius IV, c. 21; VII, c. 32.Besondere Verwendung fanden die Schellenbei den Leichenfeierlichkeiten derGriechen und Römer. Nach griechischerAnschauung entsündigte das tönende Erzdie Seele und vermochte der reine Klangrein zu stimmen und die Dämonen zu ver-jagen ( Lassaulx Studien des dass. Alterth.305). Frommen Mitmenschen, die man vonjeder Schuld rein glaubte, pflegte man zuGrabe zu läuten, um anzudeuten, dass ihreSeelen in höhere Sphären übergegangenseien. Mit Schellen umgab man (wol indieser Ansicht) den Leichenwagen Alexan-ders d. Gr. (vgl. Annales archeolog. XVI,livr. 6 und Revue de l’art. ehret, livr. 2).Dass der Erzton der Schellen den Zauberbreche, war uralter Volksglaube bei denRömern (Ovid . Fast. V 441; Tibnll. I 8,