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Götzenbilder und Götzendienst.
i:p<ÜTov; Tertull. Adv. Marc. IY, c. 9 abereine der septem maculae capitalium debi-torum, ja das Hauptverbrechen des ganzenMenschengeschlechtes, die grösste Schuldder Welt und die Ursache des Gerichtes(De idol. c. 1). Da nun die Gläubigen keineGötterbilder und somit nach heidnischerAnschauung keinen Gott hatten, erhieltensie von den Heiden das tadelnde PrädicatAthei (lustin. M. Apol. II; Arnob. I, c. 1,al.) und Letztere warfen den Christen vor:cur nullas aras, templa nulla, nulla notasimulacra habent? Minne. Fel. Oct. c. 10und Arnob. YI, c. 1 sagt: in hac enimconsuestis parte crimen nobis maximum im-pietatis affingere, quod . . . non deorumalieuius simulacrum constituamus aut for-mam. Ygl. ib. c. 3 u. 8.
Dass jeder Act einer directen idololatri-schen Verehrung verboten sei, bedurfte fürdie Christen keines Beweises. Verbotenwar also jede Art der upoj-/6vr]cris ( ado -ratio, salutatio) vor den Götzen, das Opfern,das Anzünden von Weihrauch (vgl. die diifumigandi bei Tertull. Apol. c. 42) oderKerzen und das Darbringen von Libationenvor denselben. Darauf gehen die Wortebei Hieran. Ep. ad Heliod. 5: non est tan-tum in eo servitus idoli-, &i quis duobus digi-tulis thura in bustum arae iaciat aut hau-stum paterae poculo fundat merum. Wess-wegen die ersten Christen lange Zeit einegewisse Aengstlichkeit gegen den Gebrauchdes Weihrauchs zeigten ( Tertull. De coron.c. 10). Als eine götzendienerische Hand-lung galt den Christen auch das ,iurareper simulacra gentilium‘ (schwören bei denGötzenbildern, Euseb. II. e. V 1 sqq. [Ep.eccles. Yienn. et Lugd. bei Ruinart 115]),oder das Schwören bei den Feldzeichen(signa ), ferner das Waschen der Idole alsreligiöser Act. Vgl. die dies anniversarialavandorum idolorum ( Ruinart Act. s. Tlieo-dot. 378). Weil es in Zeiten der Verfol-gung Christen gab, welche sich aus Furchtzu idololatrisehen Acten verleiten Hessen ,entstand für solche der Name Lapsi, wo-zu die Sacrificati und Thurificati (s. dieseArtt.) gehörten. Ein besonderer Umstandaber musste die Christen in ihrem Abscheugegen den Bilderdienst bestärken; dies warder Kaisercult, d. i. der in der Kaiser-zeit aufgekommene Missbrauch, die ver-storbenen Kaiser durch die sog. Conse-c r a t i o n (Apotheose) in die Zahl der Götter(als Divi) aufzunehmen und ihnen, wie denGöttern, Bilder zu errichten, denen gött-liche Ehre erwiesen ward. Die heidnischenSchriftsteller sprechen von zahlreichen Kai-serbildern, welche durch das ganze Reichaufgestellt ( Dio Cass. 44, 4; los. Flav. B.lud. II 10, 3) und denen religiöser Cultzu Theil ward (Rim. Paneg. 52; Ep. ad
Trai. 96 [97], 5 sq.; Cod. Theod. XV 4, 1).Wie aus den Martyreracten erhellt, spieltendiese Kaiserbilder während der Verfolgun-gen eine besondere Rolle, indem die Ver-ehrung derselben, die mit den Götterbil-dern auf gleicher Linie standen, den Prüf-stein für die Kaisertreue und den religiösenGlauben der Christen abgeben musste. Manbeobachtete, ob Letztere den ,imagines di-vorum Augustorum 1 die üblichen Cultacteerwiesen; die Unterlassung derselben wurdeden Christen als crimen maiestatis ange-rechnet und ihnen der förmliche Processgemacht. So sagt Plinius in dem bekann-ten Briefe: cum praeeunte me deos appel-larent et imagini tuae, quam propter hociusseram cum simulacris numinum afferri,thure et vino supplicarent sc. Christiani,und ferner: omnes et imaginem tuam deo-rumque simulacra venerati sunt. Am schärf-sten hat sich über diese Ehrenerweisungengegen die Kaiser wieder Tertullian ausge-sprochen (De idol. c. 15 u. Apol. c. 35):,si idoli honor est,‘ sagt er, ,sine dubioidoli honor idololatria est; si hominis (Cae-saris) causa est, recogitemus omnem idolo-latriam in homines esse culturam . . . Ido-lolatria non propter personas quae appo-nuntur, sed propter officia ista damnata est.‘Er meint die brennenden Kerzen, Weih-rauchpfannen und Kränze an den Kaiser-tagen.
Mit dem Kaiserculte hingen noch andereHandlungen zusammen, welche die Gewis-sen der Christen in Bedrängniss brachten,wenn sie auch nicht unmittelbar als Bilder-dienst zu betrachten waren. Hierher ge-hört , dass man den Christen zumutliete,beim Genius oder beim Bilde des Kaiserszu schwören, an dessen Natalitien Theil zunehmen ( Ruinart 44 u. 343, Act. s. Mar-celli), wie denn überhaupt die Christen vonden heidnischen Festzügen, Festspielen undGelagen aus Scheu, sich einer götzendiene-rischen Handlung schuldig zu machen, sichfernhielten, da alle jene Festlichkeiten mitreligiösen Acten, nämlich Opfer und Gebet,verbunden waren ( Ruinart 1. c.). Vgl. da-zu, was bei Minuc. Fel. Octav . c. 12 derHeide dem Christen vorhält: non specta-cula visitis, non pompis (religiöse Festzüge)interestis, convivia publica absque vobis,sacra certamina, praecerptos cibos ct deli-batos altaribus potus abhorretis, . . . nonfloribus caput nectitis, non corpus odoribushonestatis, reservatis unguenta funeribuscoronas etiam sepulcris denegatis. Hier sinddio hauptsächlichsten Handlungen, welchevon den Christen gemieden wurden, auf-gezählt. Wie schon aus dieser Stolle her-vorgeht, hatten jene aus Furcht vor derIdololatrie für ihr Verhalten im praktischenLeben ihre Consequenzen gezogen. Hier