Band 
Zweiter Band. I - Z.
Seite
91
JPEG-Download
 

Kana.

91

dieser Ansicht auf das Basrelief des MainzerMuseums berufen könne, wo der Fischerin Verbindung mit dem guten Hirten dar-gestellt ist. Denn aut jenem Bilde ist derFischer in einer ganz andern Stellung, alsdie nackte Figur unseres Bildes. Er sitztnämlich, mit einer bis unter die Kniee rei-chenden Tunica bekleidet, und hat in derRechten die Ruthe, an welcher ein Fisch-lein befestigt ist, in der Linken das Körb-chen. Diesem ähnlich ist auch der symbo-lische Fischer im Coemeterium von S. Cal-listus {de Bossi R. S. II, tav. XV, n. 3),welcher ebenfalls bekleidet ist und im Be-griff steht, den Fisch aus dem Wasserherauszuziehen. Die Beifügung des Fischesscheint mir zur sichern Bezeichnung desFischers unerlässlich und derselbe fehlt nie-mals auf den Darstellungen des Tobias,welchen man zuweilen auf den Bildern derKatakomben begegnet. Vgl. Bottari RomaSotterr. II, tav. 65; Garrucci Storia dell’arte crist. II, tav. 73. Aus diesen Gründenkann, wie mir scheint, auf dem Gemäldevon S. Sebastiano nicht ein Fischer, son-dern nur ein Ringkämpfer dargestellt sein;für einen solchen spricht sowol die Nackt-heit der Figur, als die zu einer Faust ge-schlossene rechte Hand.

Ausserdem scheint mir unsere Figur einenRinger einer besondern Klasse darzustellen,nämlich einen von jenen, welche sich be-sonders mit dem Pfeilschiessen und demSchleudern eines Stockes nach einem be-stimmten Ziele abgaben. Diese Uebungwurde griechisch dy.ovTia(xoc genannt, woss-halb diese Menschen den Namen Akontistenhatten. Zu dieser Annahme bestimmt michder lange Stock in seiner Hand, der keinenandern Zweck haben konnte, als fortge-schleudort zu werden; wirklich finden wireinen solchen Stock auf andern Bildern vonAkontisten; vgl. Annal. dell’ Ist. di C. A.1832, 75 sqq. Auch ist auf unserm Bildeder Stock mit einer Schlinge versehen; esist das Amcntum, der Schleuderriemen, dergebraucht wurde, um dem Geschoss grössereWurfkraft zu geben und auch bei den an-geführten Beispielen vorkommt.

Noch grössere Bedeutung erlangt aberdie Figur des Athleten auf dem bespro-chenen Bilde von S. Sebastiano durch dieNähe der Figur des guten Hirten und derOrante. Die beiden gleichen Bilder findensich nämlich auch neben dom Bilde dosGladiators auf dem tunisischen Wasser-eimer, und diese Zusammenstellung ist nichtzufällig. Den Ursprung derselben habenwir in den berühmten Martyreracten derhl. Perpetua zu suchen, wo in einer an-dern Vision der Märtyrin der Gladiato-renkampf sich dem Garten nähert, inwelchem der himmlische Hirte stand,

mit der mystischen Milch die Heldinnennährte.

Aus dieser Zusammenstellung dürfen wirden Schluss ziehen, dass sowol der tuni-sisclie Eimer als das Gemälde von S. Se-bastiano von einem Künstler gefertigt wurde,welchem dabei jene herrliche Stelle derMartyreracten im Geiste vorschwebte.

Fassen wir zum Schlüsse das Resultatvorstehender Ausführungen zusammen, soergiebt sich daraus Folgendes: in der Vor-stellung und Sprache der alten Christenwurde das Leben eines jeden Gläubigenund um so mehr der heroische Mutli derMärtyrer mit einem Ringkampfe verglichen,nach welchem sie den Siegespreis, die Pal-men und Kränze, empfingen. Diese Sinn-bilder sind sehr häufig auf den christlichenDenkmälern, während unverhüllte und deut-liche Darstellungen der Kämpfer selbstäusserst selten sind und man hievon bisaneinzig zwei Beispiele kennt, nämlich denGladiator auf dem Wassereimer von Tunisund den Akontisten auf dem Gemälde vonS. Sebastiano. orazio marucchi.

[Christus als Kampfrichter in mensch-licher Gestalt war auf einem Gemälde inder Kirche des hl. Theodorus bereits im4. Jahrh. dargestellt, wie uns der hl. Gre-gor von Nyssa Orat. de Theodoro, Opp.III 379 berichtet. Wie verbreitet die Vor-stellung war, bezeugen u. A. auch dieActa ss. Saturnini, Dativi et all. bei Rui-nart 409 (ad certaminis campum, c. 2, bes.c. 3: agmen dominicum etc.); weiter Basi-lius d. Gr. Homilia de s. Barlaamo, exCombef. rec. I 18, bei Ruinart 565 f., c. 2:athletha Christo adhaerens . . ., bes. c. 4:exsurgite nunc, o praeclari athlelicorum ge-storum pictores, mutilam ducis imaginemvestro illustrate artificio, et obscurius a medepictum coronatum alhletam vestrae in-dustriae coloribus conspicuum reddite . . .Pingatur in tabula una et certaminumagonotheta Christus, cui sit gloria etc.;Passio s. Theodoti bei Ruinart 354 f., c. 12:Stadium ad salutem Christianis aperitur;c. 26: solus athleta adstabat tranquillamente. kraus. |

i KANA, die Hochzeit zu, ist eine insbe-: sondere auf den Reliefs der ältesten christ-: liehen Sarkophage häufig vorkommendei {Kraus R. S. 2 367) biblische Scene, die| gleichfalls symbolischen Charakter hat.Christus verwandelte bei dieser Hochzeiti Wasser in Wein (Job. 2, 1—12) und dess-; halb betrachteten die meisten Väter diesWunder .als Vorbild der Eucharistie, insbe-sondere der Verwandlung der eucharisti-sclien Gestalten. .Die nach neuer Ordnungerfolgte Wandlung des Wassers in Wein, 4sagt der hl. Mnximus von Turin (Serm. de