Band 
Zweiter Band. I - Z.
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Kanon.

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hange mit dem wachsenden Widerwillengegen die griechische Litteratur überhaupt,theils um des Ansehens willen, welches dieLXX bei den Christen genoss, mehr undmehr eine feindselige. 1 In der That hataber die Kirche ihr Urteil über die Schrif-ten des A. Test, nie auf die Lehre derSynagoge, sondern auf die Ueberlieferungder Apostel gegründet. Es ist nun un-zweifelhaft, dass letztere ganz allgemeinder LXX sich bedienten und sie den vonihnen bekehrten Gläubigen in die Handgaben, ohne irgend welchen Unterschiedzwischen den darin enthaltenen Büchernzu machen; dadurch aber erkannten siethatsäclilich und in unzweideutiger Weisedie deuterokanonischen Schriften als heiligeund göttliche an. Dieser apostolischen Ueber-lieferung gemäss finden wir dieselben in derThat seit den ältesten Zeiten innerhalb derganzen Kirche verbreitet. In sämmtlichengriechisch redenden Ländern wurde dieLXX ausschliesslich gebraucht; das Abend-land aber besass mindestens seit der Mittedes 2. Jahrh. eine nach ihr gefertigte la-teinische Uebersetzung, und ebenso sindauch die übrigen Versionen aus ihr geflos-sen. Nur in der Peschito waren zwar dieprotokanonischen Bücher aus dem Hebräi-schen übersetzt, es wurden aber auch gleich-zeitig die deuterokanonischen nach dem Grie-chischen beigefügt. Als dann später, zuEnde des 4. Jahrh., Hieronymus seine neueUebersetzung des A. Test, nach dem he-bräischen Grundtcxto anfertigte, wurdendadurch die deuterokanonischen Bücher inkeiner Weise aus dem Gebrauch der Kircheverdrängt; ja Hieronymus verwahrt sichmit allem Nachdruck gegen den Vorwurf,solches auch nur beabsichtigt zu haben; erübersetzte sogar zwei derselben, Tobias undJudith, neuerdings aus dem Chaldäischen.So finden wir also die deuterokanonischenSchriften in allen Thcilcn der Kirche ohneAusnahme gebraucht, und demgemäss wur-den sie auch ganz in derselben Weise, wiedie übrigen, als heilige und göttliche Bü-cher citirt. Die Citato beginnen schon mitden apostolischen Vätern und fliessen vonda an ununterbrochen und immer reich-licher. Es verdient hier besonders hervor-gehoben zu werden, dass auch seitens derHäretiker gegen das Ansehen dieser Bücherkeinerlei Widerspruch erhoben wurde, ge-wiss ein vollgültiger Beweis, wie fest das-selbe gewurzclt war. Als zum erstenmaldie Semipelagianer eine derartige Einredemachten, fertigte sie Augustinus mit derBemerkung ab: ,non debuit repudiari Sa-piontiae über, qui meruit in ecclesia Christide gradu lectorum tarn longa annositaterecitari, atque ab omnibus christianis . . .cum veneratione divinae auctoritatis audni

(De praedest. sanct. c. 14). Ueber die Citatevgl. bes. Vicenzi Sess. IV. Conc. Trident.;Malou a. a. 0.; Herbst Einleitung; Fran-zelin Tract. de s. script. et tradit. 356 sqq.

Die Väter waren sich aber dabei desGegensatzes zu dem K. der Juden voll-kommen bewusst. Schon lustin. M. Dial.c. Trypli. c. 71 erklärt, sich bei der Dis-putation mit Trypho auf diejenigen Bücherbeschränken zu wollen, die auch von denJuden anerkannt seien. Welche Schriftendahin gehörten, wusste man aus den Ver-zeichnissen des Melito und Origenes. Letz-terer vertheidigt Ep. ad Afric. die Zusätzezu Daniel und damit die deuterokanonischenStücke überhaupt; man müsse aber, so be-merkt er weiter, zum Behuf der Contro-verse mit den Juden auch die bei ihnengebräuchlichen Bücher kennen (c. 5).

Auch die Kunstdenkmäler aus den erstenchristlichen Jahrhunderten zeigen öfter Sce-nen aus den deuterokanonischen Büchern,wie z. B. die Geschichte des jungen To-bias oder der Susanna ( Kraus R. S. 254 f.).

Bei einem solchen Sachverhalt, der überdie wirkliche Ueberlieferung der alten Kirchekeinen Zweifel lässt, muss es sehr befrem-den, dass eine Reihe von Vätern Verzeich-nisse der hl. Schriften geben, worin diedeuterokanonischen Bücher fehlen. So Atha-nas. 1. c., die Sgnops. s. script. (inter opp.i Athanas. II 129 sq.), Greg. Kaz. 1. c., diej lambi ad Seleuc. 1. c., Cyrill. Ilieros. Cat.

IIV, c. 33, Rufin. Expos, symb. c. 37, Hie-j von. Pro], galeat.; cfr. Gregor. M. Moral.

! XIX, c. 13. Es fragt sich, wie diese auf-! fällende Erscheinung zu erklären sei und, welches Gewicht man ihr beizulegen habe.

I Die genannten Väter liessen sich, wie aus! ihren eigenen Worten erhellt, durch dieUeberlieferung der Juden beeinflussen. Da-i bei legen sie aber zugleich auch für die, kirchliche Tradition Zeugniss ab, indem siedie Thatsachc bestätigen, dass die erwähn-ten Schriften überall in der Kirche vorge-lesen wurden. Uebrigens fällen sie fort-während aus der Rolle, indem sie dieselbenunbedenklich und ausnahmslos als heilige,von Gott eingegebene Bücher citiren. WasI namentlich Hieronymus betrifft, so ver-j mochte auch er nicht, die im l’rol. galeat.entwickelten Anschauungen über den Um-fang des alttestamentlichen Kanons folge-richtig durchzuführen, wenn er nicht gardieselben später aufgegeben hat. So schreibt| er Praef. in lib. Tob. et Iudith: ,arguunt, nos Hebraeorum studia et imputant nobis,

■ contra suum canonem latinis auribus istatransferri. Sed melius esse iudicans, Pliari-j saeorum displicere iudicio et episcoporumi iussionibus deservire, institi ut potui.'

Diese Schwankungen im Urteil mochteni wol die Veranlassung sein, dass zu Ende