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Zweiter Band. I - Z.
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Marienbilder.

Fig. 203. Kelief in S. Maximin.

Neben dieser altern Darstellung hattejedoch die altchristliche Kunst noch einezweite Auffassung, die dem eigentlichenCharakter der Gottesmutter entsprach.Viele Fresken der Katakomben, Sculptu-ren der Sarkophage und andere Monu-mente zeigen uns die hl. Jungfrau mit demJesuskinde. Das Object ist gewöhnlich de-terminirt durch die Magier, welche ihr dieGaben bringen. Wenn es auch zuweilenvorkommt , dass die Magier fehlen, sozeigen uns doch andere Umstände, dasses sich nicht um eine gewöhnliche Fraumit einem Kinde, sondern um die Gottes-mutter und das fleischgewordene Worthandelt (vgl. de Rosst ■ Imagini etc. 5). Die

hl. Jungfrau er-scheint in derRegel auf einemThrone (cathe-dra) sitzend, dasgöttliche Kindauf dem Schoss;bekleidet ist siemit der Stola,d. h. einer Dal-matica, die mitzweiPurpurstrei-fen geziert ist, miteinem Schleiernach jüdischerArt und mitunterauch mit Schu-hen (calliculae).Die Sarkophagedes 4. und 5. Jh.zeigen uns auch die hl. Jungfrau neben derKrippe, in der das göttliche Kind liegt,während ein Ochse und ein Esel wie an-betend daneben stehen. Auf den bis jetztentdeckten Katakomben-Fresken findenwir jedoch diesen Gegenstand nicht. —Es würde offenbar zu weit führen, hiereine kunstgeschichtliche, detaillirte Ab-

Fig. 204. Fresco aus S. Pietro eMarcellino. (Umgekehrtes Bild!)

handlung über die uns aus dem Alterthumerhaltenen Monumente zu geben; wir müs-sen uns vielmehr darauf beschränken, ander Hand einiger wenigen Beispiele dieverschiedenen Jahrhunderte zu charakte-risiren. [Es muss dazu gleich bemerktwerden, dass uns auch Nachrichten überuntergegangene Denkmäler überkommensind, welche ein Vorkommen von Ma-rienbildern im 4. Jahrh. bezeugen. Da-hin gehö'rt die Meldung von einem in denTagen des Constantius oder Valens inConstantinopel zerstörten Bilde der Ma-donna (Enarrationes chronogr., in BanduriImperium Orient. I. Antiqq. CP. 1. V 236).Um dieselbe Zeit erwähnt Helladius einesGemäldes, welches Maria und den hl. Mer-curius vorstellte (Fragm. bei Joh. Damasc.Orat. I de imag., ed. Migne 1277). K.jDie älteste Darstellung Mariens begegnetuns in einem Cubiculum der Katakomben

Fig. 205. Fresco aus S. Priscilla.

der Priscilla. Maria erscheint hier in einerTuniea mit kurzen, die Arme fast ganzfrei lassenden Aermeln, mit einem weiten,über die Schultern herabwallenden Schleier,das göttliche Kind auf dem Schoss. Vorihr steht ein unbärtiger Mann, mit demPallium (oder Philosophenmantel) beklei-det, das ihm den rechten Arm und dierechte Schulter bloss lässt; in der Lin-ken scheint er eine Pergamentrolle zuhalten, mit der Rechten weist er auf einenStern hin, der über dem Jesuskinde schwebt(s. Abb. Fig. 205). Die Ausführung undder Stil dieses Bildes sind so classischund edel, dass de Rosst nicht ansteht,dasselbe in die früheste Zeit der Antoninezu versetzen; ja er vermuthet sehr stark,dass es unter den Augen der Apostelselbst entstanden ist (de Rossi Imagini 15).Wir haben hier nach de Rossi die Dar-stellung der hl. Jungfrau und des Pro-pheten Esaias vor uns; Isaias, der die