Marienbilder.
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Geburt des Heilandes aus einer Jungfrauyorliergesagt, den Aufgang des mystischenSternes, der die Finsternisse der heid-nischen Welt verscheuchen sollte (Is. 7, 4).An Classicität kann sich mit diesem Bildekein anderes der altchristlichen Kunstmessen.
In demselben Cubiculum von S. Priscillasehen wir noch eine andere Darstellungvon wesentlich verschiedener Auffassung.Die Scene stellt eine Gruppe von dreiPersonen dar: eine Frau als Orante, be-kleidet mit der Tunica, dem Pallium unddem Schleier; einen Mann in kurzer Tu-nica und Pallium, mit zum Gebet erhobe-nen Händen, und ein Kind von ungefährzehn Jahren, von dem jedoch nur dieFüsse und ein Theil der Tunica erhaltensind. Es ist zwar gewöhnlich, dass dieOranten an den Gräbern meist die in den-selben Bestatteten darstellen, aber auchhierin giebt es Ausnahmen. Die Gruppestellt sich uns sofort als eine nicht ge-wöhnliche Familie dar; ein Mann im Pal-lium, der in demselben Bogen dargestelltist, weist geheimnissvoll mit der Handnach jener Gruppe hin. Nach de Rossi(1. c. 9) ist in diesem Mann Niemand an-ders zu suchen als wiederum der Prophet,und diejenigen, auf die er hinweist, sinddie hl. Jungfrau, der Messias und derhl. Joseph. In dieser Auffassung ist diehl. Jungfrau übrigens nicht vereinzelt dar-gestellt; wir finden sie ebenso einmal imCoemeterium von S. Callisto und auf einemSarkophag des Museums zu Arles in Frank-reich. Diese Auffassung bildet eine deraltchristlichen Anschauung würdige Illu-stration des Evangeliums von der Wieder-auffindung Jesu im Tempel. Die hl. Jung-frau bewahrte die Antwort des göttlichenSohnes tief im Herzen, und dieser Actist ausgedrückt in der betenden Haltungder Darstellung. Im Coemeterium vonS. Priscilla befindet sich auch eine Dar-stellung , in der wol nichts Anderes zusuchen ist, als die Verkündigung Mariaedurch den Erzengel Gabriel. Der Erzengelspricht zu der Jungfrau, die auf einerCathedra sitzt; er ist als Jüngling undohne Flügel dargestellt. Ein Fresco desCoemeterium der hl. Domitilla zeigt unsMaria mit dem göttlichen Kinde auf einerCathedra (s. Fig. 206). Sie ist mit einerDalmatica bekleidet, über die nach Artder modernen Stola zwei Purpurstreifenlaufen; das Haupt ist mit einem kurzenSchleier geschmückt. Das Jesuskind trägteine Tunica mit vier aufgenähten Purpur-scheiben (calliculae), zwei unten und zweiauf den Schultern; die schmalen Aermelsind ebenfalls mit Purpurstreifen ge-schmückt. Vier Magier, zwei von jeder
Fig. 206. Fresco aus S. Domitilla.
Seite, nach orientalischer Art mit einerTunica bekleidet, reichen ihr die Gabendar. Es ist auffallend, dass die Zahl derMagier vier ist. Die Evangelien erwähnennichts von der Zahl derselben, und nachEinigen soll die Tradition über die Drei-zahl der Magier erst seit Leo d. Gr. da-tiren (de Rossi 1. c. 11; Thilo Cod. apocr.nov. Test. 388). Aber gerade die Monu-mente des 3., 4. und 5. Jahrh.: Fresken,Sarkophage Roms und Galliens, Diptychen,Medaillen und Broncen zeigen uns vor-wiegend drei Magier, die, einem Sternefolgend, die Gaben der hl. Jungfrau dar-bringen. Auf unserm Fresco sind ihrervier, jedoch hat de Rossi nachgewiesen,dass ursprünglich nur drei dagestandenhaben und der Symmetrie wegen die Zeich-nung später abgeändert worden ist. DieEntstehung dieses Bildes setzt de Rossi,wenn auch nicht mit voller Bestimmtheit,in die erste Hälfte des 3. Jahrh.
Auf einem Fresco des CoemeteriumS. Pietro e Marcellino an der Via Labi-cana ist Maria mit dem Jesuskinde aufdem Schoss, auf einer Cathedra sitzend,dargestellt, links und rechts je ein Magiermit den Gaben. Maria erscheint hier un-beschuht und ohne Kopfschleier. Es istdies auffallend, da die Mehrzahl der Dar-stellungen sie mit dem Schleier zeigt.De Rossi vermuthet hier eine ganz be-stimmte Betonung der Jungfräulichkeit derGottesmutter, denn nur den Jungfrauenwar es im jüdischen und christlichen Alter-thum gestattet, ohne Schleier sich öffentlichzu zeigen; sobald sie sich vermählten oderI Virgines Deo sacratae wurden, legten sieden Schleier an. Dafür, dass dieses Bildnur zwei Magier zeigt, war wol der Raum, und die Symmetrie (da es in der Lünette! eines Arcosoliums gemalt ist) die bestim-! mende Ursache. De Rossi setzt diese Dar-| Stellung in die zweite Hälfte des 3. Jahrh.
! Derselben Zeit gehört wol auch das Fresco! aus einem Arcosolium von S. Callisto an.Auch hier erscheint die Gottesmutter auf