Band 
Zweiter Band. I - Z.
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Märtyrer.

Yon diesen amtlichen Acten, welche dieChristen hei ihren Aufzeichnungen überden Kampf und Sieg der M. nicht seltenbenützen konnten, erhielten auch dieseAufzeichnungen denselben Namen. Hierhingehören also auch 2) die Berichte, welcheauf Grund der Aussagen der Christen, diehei den Yerhören, den Peinen und demTode der M. oft mit Lebensgefahr zu-gegen gewesen waren, aufgezeichnet wur-den. Dieselben enthalten oft Einzelheiten,welche in die amtlichen Protokolle keineAufnahme gefunden, weil man diese theil-weise absichtlich unvollständig machte odersogar unterdrückte, um die Herrlichkeitdes Märtyrers nicht bekannt werden zulassen. So bezeugte der alte Yerfasserder Passio s. Vincentii ( Ruinart Act. mart.ed. Ratisb. 400): ,unde reddimus fideplena relationem gestorum, quae littera-rum apicibus annotari iudex non immeritonoluit, quia se victum erubescehat audiri.Naturalis siquidem providentia est maleerrantium, auferre de medio testimoniumprobitatis. 1 Im Allgemeinen scheinen dieDiakonen mit der Abfassung dieser Be-richte betraut gewesen zu sein ( ProbstDisciplin 120 f.); zu Rom wurden die sie-ben kirchlichen Notare, je einer für jedeRegion der Stadt, von Papst Clemens Ihiermit beauftragt ( Lib. pontif. In Cle-mente), eine Nachricht, welche auch ausinneren Gründen höchst wahrscheinlicherscheint, da bei der damals wüthendenYerfolgung die sieben Diakonen dieserAufgabe nicht mehr genügen konnten undweitere Verfolgungen vorauszusehen wa-ren. Die Päpste hielten diese Einrichtungstets sorgfältig im Auge. In demselbenPontificalbuch wird von Papst Anteros(236) berichtet: ,hic gesta martyrum dili-genter a notariis exquisivit et in ecclesiarecondidit“, und von Papst Fabian (236bis 250): ,hic regiones divisit diaconibuset fecit septem subdiaconos, qui septemnotariis imminerent, ut gesta martyrumin integro colligerent. 1 So wurde also so-wol für eine genaue Aufsicht über dieArbeit der Notare, als für die Aufbewah-rung ihrer Aufzeichnungen in dem Kirchen-archiv Sorge getragen. Zu diesen Notarengehörte in seiner Jugend während derdiocletianischen Yerfolgung der hl. Da-masus und schöpfte daraus gewiss grossen-theils die grosse Verehrung für die hhl.Märtyrer und die genaue Kenntniss ihrerPassion, von denen er als Papst so vieleBeweise, die bis auf uns gekommen sind,ablegte. Zu dieser Klasse der Acta zäh-len in der Sammlung Rvinarts zwölf Be-richte; die ältesten sind die über den Toddes hl. Ignatius von Antiochien (f 107),über deren Echtheit neuerdings ein ge-

lehrter Streit entbrannt ist; des hl. Poly-carp von Smyrna (f 166) und des hl. Iu-stin (f 167). 3) Eine dritte Klasse bildendie Berichte, welche einzelne M. über ihrgerichtliches Verhör, ihre Leiden und dieim Kerker vorgefallenen Ereignisse selbstaufschrieben und die theilweise von denChristen ergänzt und vervollständigt wur-den. Solche Aufschreihungen haben wirnoch von der hl. Perpetua, dem hl. Sa-turus, dem hl. Flavianus, dem hl. Diony-sius von Alexandrien; hierhin kann auchder Brief des hl. Ignatius von Antiochienan die Römer gezählt werden. 4) Yondiesen drei Arten wurden viele, demkaiserlichen Edicte von 303 gemäss, inder diocletianischen Yerfolgung mit denübrigen hl. Büchern der Christen zerstört,wie man auch theilweise schon frühergethan ( Arnob . Adv. gent. 1. IV sub fin.).Dies giebt Prudentius (De coron. hymn. 1)als Grund an, wesshalb er über die hl. M.Emethorius und Chelidonius keine näherenAngaben machen könne:

o veUistatis silentis obsoleta oblivio!invidentur ista nobis, fama ipsa extinguitur,chartulas biasphemas olim nam satelles abstulit.

Gleiches berichtet bezüglich Italiens derVerfasser der Passio des hl. AnastasiusFullo ( Ruinart 1. c. 3). Desshalb suchteman dieselben, nachdem der Kirche derFrieden zu Theil geworden, aus den übriggebliebenen Fragmenten durch die etwanoch übrigen Zeugen oder aus der Er-innerung, weil dieselben durch das Vor-lesen in der Kirche (s. d. Art. Märtyrer-feste) und aus der Privatlectüre ( NilusEpist. lib. IV 1; Cassiodor. De inst. div.litt. c. 32) Vielen bekannt waren, zu er-gänzen. Die Acten einzelner, auch ältererM. wurden auch in dieser Zeit zuerst ge-schrieben , so die der hl. Caecilia im5. Jahrh. mit Benützung älterer Acten-stiicke, vielleicht von einem Mitgliede ihreredlen Familie (de Rossi R. S. II, XXXIfff.147 fl'.). Die Sammlung von liuinart ent-hält 25 Martyreractcn dieser vierten Klasse.Begreiflicherweise konnten in solchen Ac-ten leicht Unrichtigkeiten unterlaufen, wasmanche Kirchenhistoriker, z. B. TiUemont(Hist. eccl. IV 673), zu sehr wegwerfen-den Urteilen über dieselben veranlasste.Die neueren archäologischen Entdeckun-gen zeigen, dass in denselben nicht nurErinnerungen an wahro Thatsachen undalte Ueberliefcrungen enthalten sind, son-dern gestatten auch, dieselben aus denunrichtigen Zusätzen und Ausschmückun-gen herauszufindon. Eine mustergültigeArbeit dieser Art ist die kritische Unter-suchung de Rossi’s (1. c.) über die früherbesonders verschrieenen Acten der hl. Cae-