Band 
Zweiter Band. I - Z.
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Martyrerzahl.

pora tantummodo ibi legebantur, ubi eecle-sia ipsius sancti vel titulus erat: ipsevero a tempore suo recitari iussit, et inecclesia s. Petri legendas esse constituit(Merati Thesaur. s. rituum t. III. sect. V.c. 12 de lect. n. 9). Hadrian 1 (Ep. 3)liess aber ebenfalls von den Vitae nurdie als orthodoxis titulatae zu. Dass dasgelasianische Decret mit Beschränkung zuverstehen ist, ergiebt sich auch aus demauf die Acten des hl. Sylvester bezüg-lichen Passus, von denen es heisst: ,liceteius, qui conscripsit, nomen ignoramus,a multis tarnen in urbe Roma catholicislegi cognovimus, et pro antiquo usu mul-tae hoc imitantur ecclesiae. 1 Für die grie-chische Kirche folgt aus dem Verbot desc. 63 der Trullan. Synode: ,quae a veri-tatis hostibus falso confictae sunt marty-rum historiae ... in ecclesia non publi-cari iubemus', dass die echten Acten inder Kirche gelesen wurden. Vielfach wur-den auch die Hauptzüge aus dem Lebenund Leiden des Märtyrers in die Gebeteder Messe selbst aufgenommen und zwarin die Contestatio (Praefation), wie nichtnur aus der gallieanischen und der moz-arabischen, sondern auch aus der altenrömischen Liturgie erhellt ( Ruinart Actamart. praef. § I, n. 5). Bei manchen Mar-tyrerfesten begann die Feier schon amAbend und wurde ,die Nacht durch diehl. Vigilien in Tag verwandelt' ( Chrysost.Horn. 69, al. 62, in mart.), welche Vigil-feier bei einzelnen Martyrerfesten, z. B.dem des hl. Laurentius, sich bis heuteerhalten hat. Ueber die Liebesmahle andiesen Festen s. d. Art. Agapen. — Amfeierlichsten wurden diese Feste am Grabedes hl. Märtyrers und in der darüber er-richteten Kirche begangen. In den Pre-digten der hl. Väter wird erwähnt, wiedie Gläubigen zu dem Ende aus der gan-zen Stadt auf das Land gezogen seien(Basil. Orat. de s. Gordio n. 1; Chrysost.Hom. 65, al. 68, de mart.; Ilom. 67, al.70, in Drosid.). Aus wie weiter Ferneund in wie grossen Schaaren die Gläubi-gen zu diesen Festen, welche so zugleichgrossartige christliche Volksfeste wurden,zusammenströmten, erhellt aus der leben-digen Schilderung des hl. Paulin von Nola(Poem. XIX de s. Fel. natalit. carm. III40—85). Ueber die weite Verbreitungeinzelner M. s. Ituinart Acta mart., Ad-monit. in martyr. s. Vincent, n. 5 (ed.Ratisb. 1859, 399). Ueber den Ort derFeier zu Rom in den drei ersten Jahr-hunderten s. de Rossi R. S. III 488 sqq.und Bull. 1878, 80.

Neben den Festen der einzelnen Blut-zeugen wurde auch ein Fest aller heiligenMärtyrer gefeiert, und zwar in der grie-

chischen Kirche in der Pfingstoctave ( Chry-sost. Hom. 74 de mart. tot. orb.), wahr-scheinlich am ersten Sonntag nach Pfing-sten, welcher davon noch jetzt xoptaxl)tüiv örpuiv genannt wird ( Leo Allat. Dehebdom. et dom. Graec. n. 31). In derlateinischen Kirche wurde ein solches Festwenigstens seit 607 gefeiert, wo Boni-fatius IV am 13. Mai das Pantheon zurBasilica s. Mariae ad martyres consecrirte;Gregor III verlegte 731 dieses Fest aufden 1. November und erweiterte es zumFeste Aller Heiligen ( Merati Thes. s. rit.t. III. sect. VII. c. 13. n. 1). Grund diesesFestes war theils der Umstand, dass beider grossen Zahl der hl. Märtyrer nichtalle einzelnen ein spezielles Fest erhaltenkonnten, während doch allen die Ver-ehrung der Gläubigen geschuldet wird,theils die Absicht, ,ut quidquid humanafragilitas per ignorantiam aut negligen-tiam in solemnitatibus ac vigiliis sancto-rum minus plene peregerit, in hac ob-servatione sancta solvatur' (Ordo Rom.bei Merati 1. c.). Vgl. noch d. Art. FesteI 498. HEUSER.

MAltTYItERZAHL. Die historischenZeugnisse liefern den bestimmten Beweis,dass die Zahl der Märtyrer in den erstenJahrhunderten eine überaus grosse ge-wesen. Nach dem Zeugnisse des Tacitus(Annal. XV 43—45) fiel schon ingensmultitudo von Christen der neronischenVerfolgung zum Opfer, welche sich nichtauf die Stadt Rom beschränkte (s. d. Art.Christenverfolgungen). Nach Dio Cassius(Hist. Rom. LXVII 14) wurden ,viele'Christen unter Domitian gemartert. DurchTraian starb u. A. der hl. Ignatius vonAntiochien, und auf das Beispiel des Kai-sers hin entstanden in den einzelnenStädten durch Volksbewegungen Verfol-gungen und erlitten sehr Viele mannig-faches Martyrium' ( Euseb. Hist. eccl. III34). Iustin bezeugt in seiner Apologie,dass unter Antoninus Pius Manche wegendes christlichen Glaubens getödtet wur-den, besonders in localen Verfolgungen;derselbe erklärt (Dial. c. Trypli. bei Rui-nart Act. mart. § III, n. 35), es sei ,inder ganzen Welt keinem Christen ge-stattet , ungestraft zu leben'. Dass jenelocalen Verfolgungen vielfach bis zur Er-mordung der Christen gingen, erhellt ausdem Rescripte des Antoninus Pius selbst(Euseb. II. e. IV 19). Unter Marc Aurel,erglänzten fast unzählige Märtyrer aufdem ganzen Erdkreis', insbesondere aufdas Drängen der aufgeregten Volksmassen(Euseb. 1. c. V 1); die Anklagen warenso häufig, dass ,die in die verschiedenenProvinzen gesandten Proconsuln und Prä-