Band 
Zweiter Band. I - Z.
Seite
373
JPEG-Download
 

Martyrerzahl.

373

fecten zur Erledigung der Processe nichtausreichten ( Athenagor. Apol. n. 34). Inder Verfolgung des Septimius Severuswurden ,an allen Orten die Kirchen ver-herrlicht durch berühmte Martyrien derfür die Religion Streitenden 1 (Eus. VI 1);

,reich flössen die Martyrerquellen“ ( Clem.Alex. Strom. II bei Ruin. 1. c. n. 43), sodass Manche glaubten, ,die Ankunft desAntichrist stehe bevor' ( Iudas, ein Schrift-steller jener Zeit, bei Euseb. VI 7). Ueberdie Grausamkeit dieser Verfolgung vgl.auch Tertull. Apol. 12.30. 50; Scorp. 1. 11;Minuc. Fel. Octav. 37. Wenn Maximin auchnur tou» "<7jv IxxXrptüiv dp^ovvai zu tödtenbefahl (Eus. VI 28), so wissen wir dochaus dem Briefe des hl. Firmilian an denhl. Cyprian ( Cypr. Ep. 75), dass in einzel-nen Provinzen auch die übrigen Christenhingerichtet wurden. Die Verfolgung desDecius nennt der hl. Cyprian (Ep. 10, al. 9)eine ,saeviens diu plaga repetita', in wel-cher ,rupta compage viscerum torqueren-tur in servis Dei iam non membra, sedvulnera; fluctat sanguis' etc. Wegen sei-ner Grausamkeit gegen die Christen nenntLactantius diesen Kaiser ,exsecrabile ani-mal Decius'. Dionys. Alex, berichtet (Eus.VI 41), dass kein Alter, kein Geschlecht,kein Stand geschont wurde, und die Bos-heit ging so weit, dass man die Wundender Gemarterten wieder zu heilen ver-suchte, um sie von Neuem zu martern(Euseb. VI 39). Viele starben in den Ge-fängnissen des Hungertodes oder erlagenden Entbehrungen und Misshandlungen inder Verbannung. Am Schlüsse der SchriftDe mortalitate, welche um die Zeit derVerfolgung des Gallus geschrieben ist,redet der hl. Cyprian von dem ,martyruminnumerabilis populus ob certaminis etpassionis victoriam coronatus'. Von Va-lerian sagt Lactantius (De morte persec. 5),dass er ,multum, quamvis brevi tempore,iusti sanguinis' vergossen habe. Ueberdessen Verfolgung schrieb der hl. Cyprian(Ep. 76, al. 77), der ihr ebenfalls zumOpfer fiel: ,exemplum vestrum (d. i. derBischöfe) secuta multiplex plebis portio:confessa est vobiscum pariter, et paritercoronata.' Wenn man aber auch von allenIriiheren Verfolgungen absehen wollte, so■würde die diocletianische allein hinreichen,um der Kirche zu gestatten, sich einerüberaus grossen Zahl von Blutzeugen zurühmen. ,Per decem continuos annos ple-bem Dei depopulata est ... Nullis unquammagis bellis mundus exhaustus est: ne-que maiore unquam triumpho vicimus,qui cum decem annorum stragibus vincinon potuimus' (Sulp. Sev. Hist. sac. II,§ 32). ,Nam per decem annos incendiisecclesiarum, proscriptionibus innocentium,

caedibus martyrum incessabiliter acta est'(Oros. Adv. pagan. VII 25). Gegen dieChristen wütheten ,Feuer und Schwert,Durchbohren durch Nägel, die Abgründedes Meeres, Abhauen und Verbrennen derGlieder, Ausreissen der Augen, Verstüm-melung des ganzen Körpers; dazu Hunger,Frohndienst in den Bergwerken, Ketten'(Euseb. VIII 14). Die Verfolgung glicheinem Bürgerkriege (Euseb. De vita Const.I 13; H. e. VIII 10); ja man behandeltedie Christen viel schlimmer, als besiegteFeinde (Lactant. Instit. V 9). Man istnicht im Stande, anzugeben, wie viele undwie grosse Märtyrer man aller Orten undin allen Städten erblickte (Euseb. H. e.VIII 4). Dazu kommt, dass, wie über-haupt bei den Römern Massenhinrichtun-gen nicht unerhört waren (Tacit. Annal.XIV 43—45; Kraus R. S. 165 f.), solcheauch gegen die Christen in Anwendunggebracht wurden. Manchmal erlitten aneinem Tage 60, ja 100 Christen den Mar-tertod, ,so dass die Richtschwerter stumpfwurden und zerbrachen und die Henkersich ablösen mussten' (Euseb. II. e. VIII 9;vgl. VIII 11). Wir erinnern nur an denMartertod der thebaischen Legion undan den Bericht des Lactantius (De mortepersec. c. 15) über die Scenen beim Be-ginn der diocletianischen Verfolgung zuNicomedien: ,omnis sexus et aetatis lio-mines ad executionem rapti. Nec singuli,quoniam tanta erat multitudo, sed gre-gatim circumdato igni ambiebantur.' Be-denkt man zudem, welch grosse Scliaarenvon Christen in den Bergwerken an Er-schöpfung oder an den Misshandlungenstarben (de Rossi Bull. 1868, 17—22), somuss man als eine allgemeine Thatsacheder ganzen damaligen christlichen Weltbetrachten, was der hl. Ambrosius (Scogna-miglio De phiala cruenta 39) von der Mai-länder Kirche sagt: ,ecce nos populosmartyrum possidemus. Gaudeat terra no-stra nutrix coelestium militum et tanta-rum parens fecunda virtutum.' Die ver-hältnissmässig geringe Anzahl der unserhaltenen Martyreracten kann nicht alsEinwand hiergegen gelten. Denn die altenActen waren in der diocletianischen Ver-folgung systematisch aufgesucht und zer-stört worden: ,chartulas blasphemas olimnam satelles abstulit' (Prudent. Peristeph.1 74). Zudem wurden nicht über alleMärtyrer die Acten geschrieben, vieleBlutzeugen auch ohne allen Process hau-fenweise erschlagen, so dass nicht ein-mal ihre Namen, viel weniger ihre Actenauf uns gekommen sind (Ruinart Actamart. praef. § I, n. 4). Die Dürftigkeitder ältesten uns bekannten Martyrolo-gien ist für unsere Frage auch ohne Be-