Band 
Zweiter Band. I - Z.
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Meer.

keit in der Menge der hier auftretendenFiguren. Wol aber begegnet uns derGegenstand wiederholt auf christlichenSarkophagen dernachconstantinischen Zeit,und da ist es interessant zu sehen, wieder Künstler zu seiner figurenreichen Com-position sich an heidnische Vorbilder, zu-mal an die Darstellungen der Wettkämpfeim Circus, angelehnt hat. Es darf unsdabei nicht Wunder nehmen, dass, eben-falls in einer den heidnischen Künstlerngeläufigen Personification von Land undWasser, Aegypten, das Land der Frucht-barkeit, dargestellt ist durch zwei am Bo-den ruhende Frauengestalten, die ihrenArm auf einen gefüllten Fruchtkorb stützen,während das Meer durch einen bärtigen Al-ten symbolisirt ist, welcher aus einer umge-stürzten Urne das Wasser herausfliessenlässt. Eben durch ihre Anlehnung an heid-nische Vorbilder haben aber gerade dieseDarstellungen des Durchgangs durch dasr. M. einen Charakter von lebhafter Actionbei grossem Figurenreichthum, wie unsdas auf anderen christlichen Sculpturenka\im begegnet. Andererseits tritt unsdann wiederum der Verfall der Kunst indem Umstande entgegen, dass jede dieserCompositionen der andern fast auf dieFigur gleich ist.

Garrucci hat in seiner Storia di Artecrist. im Ganzen zwölf Kümmern dieserDarstellung. Sechs von ihnen zeigen unsin reicher Ausführung die Scene über diegesammte Vorderfläche des Sarkophagsvertheilt; in drei Fällen füllt die Scenedie eine Hälfte der in zwei Abtheilungengetheilten Fläche aus; auf einem Sarko-phagdeckel zeigt die eine Seite über derInschrifttafel den Durchgang durch dasr. M. neben dem Wachtelfang in derWüste; die beiden übrigen Nummern sindFragmente.

Die reichste Composition findet sich aufeinem Sarkophag zu Aix (Garrucci Tav.CCCVIII). Die Seitenfläche zeigt uns Pharaoauf dem Throne sitzend, von seinen Tra-banten umgeben, und den Moses anre-dend, der sein Gesicht zu ihm hinwendet,während er — in einer merkwürdigen Ver-bindung der historischen Thatsache — mitder Rechten die Gesetzestafeln entgegen-nimmt, welche eine Hand aus der Wolkeihm darreicht. Diese Hand aus der Wolkemit den Gesetzestafeln ist nach der Zeich-nung Garrucci’s ganz deutlich; die Sceneder Gesetzgebung unterliegt keinem Zwei-fel; Martigny aber sagt, Moses wendesich zu den Israeliten (!), die am Thoredes Palastes stünden, und zeige ihnen einePapierrolle, offenbar das Decret ihrer Be-freiung. Auf diesen letztem nicht unin-teressanten Umstand sei seines Wissens

bisher von Niemand hingewiesen wor-den!! — Die Nebeneinanderstellung desErscheinens des Moses vor Pharao mitder Gesetzgebung auf Sinai ist übrigenseine sehr berechtigte und wol bedachte:befreit aus der Willkürherrschaft der Ae-gypter, soll Israel fortan Jehova und sei-nen Gesetzen dienen. Das war der Zweck,der Sendung des Moses an Pharao. Zuseinen Füssen ruht die aus Rindern undPferden bestehende Heerde am Boden, voneinem Hunde bewacht; der Raum hinterden Thieren ist durch drei erwachsenePersonen und einen Knaben ausgefüllt, indenen wir wol die Israeliten erkennen dür-fen, die sich zum Abzüge bereit machen.Alsdann folgt auf der Vorderfläche derUntergang Pharao’s. Ein Theil seiner Krie-ger, Fussvolk und Reiter, stürzen schonin wirrem Durcheinander Hals über Kopfin die Wogen; der König selber, den Schildin der Linken, die Lanze in der Rechten,auf einer Biga stehend, ist eben im Be-griffe, in das Meer hineinzufahren: unterseinem Rosse ist der ruhende Oceanosabgebildet. Hinter ihm folgt, aus denThoren einer Stadt kommend und nochauf dem Festlande, das durch die beidenruhenden weiblichen Figuren angedeutetist, die ägyptische Reiterei. Vor den indie Fluthen stürzenden Kriegern stehtMoses, den Stab in der Hand, mit welchemer den Wassern gebietet; an ihn schliessensich die fortziehenden Israeliten an, derenZug die Feuersäule eröffnet (eine Säule,auf deren Capitell Flammen dargestelltsind). Die erste in dem Zuge ist die Pro-phetin Maria, die Schwester Aarons; dasTamburin in der Hand, singt sie den Hym-nus der Befreiung Israels (Exod. 15, 20).Von denen, die ihr nachfolgen, führt einersein Kind an der Hand, ein anderer trägtein kleines auf der Schulter, ein dritterhält einen Sack, die Beute Aegyptens, aufdem Rücken. Die zweite Seitenfläche desSarkophags zeigt uns dann den Wachtel-fang in der Wüste und die Spende des■wunderbaren Wassers aus dem Felsen, dasdie Juden mit grosser Begierde trinken.Beide Scenen sind durch die Feuersäule-geschieden; ein Stern deutet auf die Nachthin, während welcher dieselbe dem VolkeIsraels leuchtete; eine zweite, niedrigereSäule, allerdings auch viele Flammen aufihrer Spitze, schliesst die Scene ab. DieDarstellung unseres Gegenstandes auf denübrigen Sarkophagen bietet nichts wesent-lich Neues in der Auffassung; nur einmalist die Fruchtbarkeit Aegyptens, stattdurch die liegenden Frauenfiguren, durchOelbäume angedeutet; auf einem andernSarkophag findet sich die schöne Gruppe,wo unter den wegziehenden Israeliten