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Zweiter Band. I - Z.
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Mithras-Mysterien.

MITHRAS- MYSTERIEN. Mithras, derpersische Sonnengott, ist von dem gutenGott Ormuzd zum Obersten der Feuer-geister, der sog. Fenwer, gesetzt, undfolgt daher an Würde gleich nach jenem.Er wurde gedacht als Gefährte und Ge-nius der Sonne, der auch auf den Laufder Gewässer einwirkt; in sittlicher Hin-sicht galt er als nächster Diener des gu-ten Gottes und als endlicher Richter dermenschlichen Handlungen, der in bestän-digem Kampfe mit dem Bösen begriffensei. Sein Cultus, zuerst durch die vonPompeius gefangenen Seeräuber nach Romgebracht, fand in der Kaiserzeit grosseVerbreitung, wie die nicht nur in Romund Umgebung, z. B. Ostia und Antium,sondern auch in den entferntesten Pro-vinzen, z. B. in Deutschland zu Oster-burken und Heddernheim, gefundenenBildwerke und Mithräen beweisen. Vgl.Phil, a Turre Monum. vet. Antii, Roma1700; Stark Zwei Mithräen etc., 1865.Ueber die neuesten Entdeckungen zu Romauf dem Esquilin (Piazza Dante) berichtetBullettino della commiss. archeol. munic., |Roma 1874. Begünstigt wurde der Mithras-cult besonders von Domitian, Traian undCommodus, und sein Reichthum an Sym-bolen verschaffte ihm ohne Zweifel vieleAnhänger. Diese Symbole stellen den Mi-thrascult den übrigen Mysterien, nament-lich den eleusinischen, an die Seite, hattenaber auch eine so auffallende Aehnlich-keit mit christlichen Cultusformen, dasser schon von Tertull-ian als ein nicht un-gefährlicher Concurrent des Christenthumsmit Besorgniss betrachtet wurde. Er ver-einigte seine Anhänger zu gottesdienst-lichen Mahlzeiten, ähnlich den Agapen,so zwar, dass bildliche Darstellungen der-selben , die sich in einer Gruft in derNähe der Porta S. Sebastiano befinden,eine Zeitlang für christliche gehalten wur-den. Vgl. Garrucci Tre sepolcri con pit-ture cd iscrizioni appartementi alle super-!stizioni pagane di Bacco Sabazio e del;Persico Mithra, Napoli 1852, und die 'II, S. 114, n. 4 angegebene Litteratur. IInsbesondere bediente sich der Mithras-1dienst mehrerer Riten, die den christlichen 1Sacramentshandlungen bis zum Verwech-seln nahe kamen, hatte eine Art Taufe,Abendmahl, Firmung und Sündenverge-bung durch Besprengung mit dem Blutevon Opferthieren, die sog. Taurobolienund Kriobolien, welche den Christen alseine teuflische Nachäffung der Sacramenteerschienen. So äussert sich Tertullian Depraescr. c. 40: ,tingit et ipse quosdam,utique credentes et fideles suos; expiatio-nem delictorum de lavacro ropromittit etsi adhuc memini Mithra sifniat illic in

frontibus milites suos; celebrat et panisoblationem et imaginem resurrectionis in-ducit et sub gladio redimit coronam. 4Letzteres war offenbar die Einweihungs-ceremonie zur Stufe eines ,miles Mithrae 4 ,die im Christenthum weiter keine Analogiefindet; er beschreibt sie De coron. c. 15ausführlicher und erwähnt auch einer Wa-schung der Götterbilder De bapt. c. 5,sowie des Sinnbildes des Löwen Adv. Marc.I 13. Dazu kam endlich, dass der Cultusdes Mithras, wie häufig auch der christ-liche zur Zeit der Verfolgungen, in unter-irdischen Räumen (spelaeum Mithrae) vor-genommen wurde, wovon das bekanntesteHeiligthum, das zu Rom in der Unter-kirche von S. Clemente, verstanden seindürfte. Noch mehr Besorgniss und Wider-willen erregte der Mithrascult bei denChristen im folgenden Jahrhundert. DieSchrift, welche Firmicus Maternus zwischen340 und 350 an die Kaiser Constantiusund Constans richtete und worin er umgesetzliche Unterdrückung der Geheimcultebittet, hat hauptsächlich den Mithrasdienstim Auge (De errore prof. rel. c. 5). Ergiebt eine Menge von Details an, ohnefreilich die einzelnen Culte genau unddeutlich auseinander zu halten. Doch ge-winnen wir mit Hülfe obiger Stellen Ter-tullians Klarheit und die weitere Notiz,dass man bei dem erwähnten mystischenEinweihungsmahl auch musikalischer In-strumente, wahrscheinlich der beim Got-tesdienst selber gebrauchten, als Geschirresich bediente. Denn nach c. 9 sagt derNeomyst: ex xupTtdvou ßlßpoxoc, ex xupßaXooTieuoxa, '(i'jova puaxtxdc. Die Imago resur-rectionis bestand darin, dass ein Götzen-bild auf einer Sänfte hereingetragen undvon dem Priester den Anwesenden dieFauces gesalbt wurden mit den Worten:tlaßpEixs ptSsxat ex He oü ae atoapivor eaxat-(■dp optv Ix irovtnv a(uxir)pia. Die Salbung derStirne, von der Tertullian spricht, mussalso etwas Anderes gewesen sein. Gerademit diesen Ceremonien, die ihm als dia-bolische Schmähungen christlicher Ge-bräuche und Lehren erschienen, begründetFirmicus sein Verlangen nach kaiserlichenGesetzen, wodurch dieser Cult unterdrücktwerde, was auch später geschah. DasHauptheiligthum zu Rom wurde 378 zer-stört ( Hieron . Ep. ad Laetam). Ausserdemgehörten auch noch andere Dinge zurSymbolik des Mithras: der Rabe, Sonne,Mond mit Abend- und Morgenstern, sowiezwei Genien mit Fackeln, deren Deutungtheils nicht hinlänglich sichergestellt ist,theils auch im Christenthum keine Ana-logie weiter hat. Die Darstellungen desMithras, denen man in den Museen undPalästen Roms sehr häufig begegnet, sind