Band 
Zweiter Band. I - Z.
Seite
403
JPEG-Download
 

Mönchthum.

403

Mönche genannt. Die Vorsteher der ein-zelnen Klöster hiessen aßßac, t|T(ou|asvoc,■dp-/i|xavSpi'tr]t. Das Anachoretenthum ent-wickelte sich so zum Cönobitenthum oder* eigentlichen Mönchthum. Was aber dieStiftung des hl. Pachomius noch näher.anlangt, so bestanden die einzelnen Nie-derlassungen in einer Reihe von zusammen-hängenden Zellen oder kleinern Gebäudenund bildeten so gewissermassen ein grosses■Gebäude. Zum Schutze wurden sie bis-weilen mit einem Zaun oder mit einerMauer umgeben. Die Mönche wohnten zudrei in einer Zelle. Die Kleidung warfür alle gleich, der Tisch gemeinsam, dieZeit zwischen Arbeit und Gebet getheilt.Die Gesamratheit der Mönche war in 24 Ab-theilungen gegliedert und die Eintheilung"beruhte auf der Verschiedenheit der An-lagen und der geistlichen Fortschritte derEinzelnen. Wer sich zum Eintritt mel-dete, hatte einer Prüfung von drei Jahrensich zu unterziehen und er durfte in dieserZeit nur mit Handarbeit sich beschäftigen.Da die Handarbeit, wenn sie auch mitGebet abwechselte, immerhin eine Haupt-aufgabe war, so waren die Mönche alleLaien. Pachomius selbst Hess gar keinenPriester in seinem Kloster zu, so dassder Gottesdienst durch einen auswärtigenGeistlichen gehalten werden musste. Späterfinden wir je einen Geistlichen zur Be-sorgung des Gottesdienstes in den Klöstern.Die Zahl der Mönche in einem Klosterbelief sich gewöhnlich auf 200—300. Dochist sie in einzelnen Fällen, namentlichspäter, beträchtlich grösser. Die Arbeitenwaren mannigfaltiger Art. Die Einenwaren mit dem Landbau, die Anderen imGarten beschäftigt; wieder Andere hatten-die Bäckerei und die Küche zu besorgen,überhaupt mit Beschaffung der unmittel-baren Lebensbedürfnisse sich abzugeben.Die Meisten beschäftigten sich mit Webenund Flechten von Matten und Decken;■die Producte ihrer Arbeit wurden verkauftund der Erlös theils zum Ankauf vonLebensmitteln und zur Bestreitung andererBedürfnisse des Klosters, theils zu Werkender Wohlthätigkeit verwendet. Die Unter-stützung der Armen und Bedürftigen wurdenls eine Hauptaufgabe eines Klosters an-gesehen. Neben den Männerklöstern ent-standen zugleich Frauenklöster, und die■ersten wurden ebenfalls durch Pachomiusgegründet (Hist. Laus. c. 34). Die Regeldesselben galt, von der Vorschrift überdas Tragen des Zicgenfells abgesehen, voll-kommen auch diesen (Vita Pach. c. 28).Die Bewohnerinnen erhielten in der Landes-sprache den Namen Nonnen, d. i. Frauen.Nonna bedeutet nämlich Frau, NonnusHerr. Die Oberaufsicht über sämmtliche

Klöster, welche von Tabennae aus ge-gründet wurden, führte Pachomius, bezw.sein Nachfolger, der Abt des Mutter-klosters. Die Regeln des hl. Pachomius

s. Vita Paehom. c. 21—22 (Migne P. L.

t. LXXIII 231—272); Hist. Laus. c. 38Migne P. G. t. XXXIV); inter Opp.Hieron.ed. Migne t. II 66—99; Holsten. Cod. Re-gul. I 63—95. Eine Uebersetzung aus demAethiopischen in ,Studien und Kritiken*1878, 323—337.

Einmal entstanden gelangte das M. raschzu der weitesten Verbreitung, und dieVerhältnisse des 4. Jahrh. trugen dazunicht wenig bei. Indem die christlicheReligion auf den Thron gelangte, tratennicht Wenige bloss aus äusserliehen Mo-tiven und ohne sich eigentlich zu bekehren,in die Kirche ein. Die besseren Elementemussten sich durch diese Namenchristenabgestossen fühlen, und Manche zogensich aus diesem Grunde zurück von dermenschlichen Gesellschaft, um fern vonderselben entweder ganz allein oder inVerbindung mit Gleichgesinnten ein denVorschriften des Evangeliums entsprechen-des Leben zu führen. Chrgsostomus (Adv.oppugn. vit. monast. I 7)’ bezeichnet dieSchlechtigkeit der Welt ausdrücklich alsden Hauptgrund des klösterlichen Lebensund bemerkt den Gegnern des letztem:er sei nicht weniger als sie selbst vondem Wunsch durchdrungen, das Bedürf-niss der Klöster möchte beseitigt werdenund ein solches Leben in den Städtenherrschen, dass Niemand mehr im Inter-esse seines Seelenheils veranlasst werde,sich in die Einsamkeit zurückzuziehen.Auch die arianischen Streitigkeiten musstenManche bestimmen, die Welt zu verlassen,indem sie hoffen konnten, hier vor demvielfach unheiligen Treiben der geistlichenWürdenträger in jener aufgeregten undleidenschaftlichen Zeit Ruhe zu finden.Etwas später endlich mochte auch die po-litische Lage in dieser Richtung wirken,indem mit dem Anstürmen der Germanenin den weitesten Kreisen sich die Ahnungverbreitete, dass das römische Reich seinemUntergang entgegeneile: eine Katastrophe,deren Schmerzen dadurch wenigstens ge-mildert werden konnten, dass man recht-zeitig aus der Welt sich zurückzog. Wasaber die Verbreitung der neuen Lebens-weise näherhin anlangt, so ragen als ihreBeförderer im 4. Jahrh. namentlich Am-monius und die beiden Makarius hervor.Ammonius (f vor 356), aus einer reichenund angesehenen ägyptischen Familie, zogsich, nachdem er mit seiner Gattin 18 Jahrein jungfräulicher Ehe gelebt hatte, in dasnitrische Gebirge zurück und brachte hier22 Jahre in der Abgeschiedenheit zu, in-

26 *