406
Mönchthum.
Kloster legt. Die Zurückgezogenheit von |der Welt gilt ihm zwar als Bedingung jzur Erreichung der Vollkommenheit. Aberer missbilligt das Einzelleben und fordertZusammensein mit Gleichgesinnten, da nurim Leben in der Communität das ganzeund volle Tugendleben gedeihen könne(Reg. fus. tract. 7). Als er im J. 379starb , hatte das M. wol schon in fastallen Provinzen des Orients Eingang ge-funden; denn es erscheint fortan als einesehr verbreitete Institution. Zugleichstellte es sich hier in einigen Länderneine neue Aufgabe. Wie wir durch Chry-sostomus erfahren, beschäftigten sich dieMönche auf den Bergen bei Antiochienschon gegen Ende des 4. Jahrh. mit Er-ziehung der männlichen Jugend (Adv.oppugn. vit. monast. III 18).
In das Abendland gelangte die ersteKunde von demselben durch den hl. Atha-nasius. Als derselbe im J. 340, zumzweiten Male von seinem Sitze vertrieben,sich nach Rom begab, befanden sich inseiner Gesellschaft, wie wir allerdings erstdurch Hieronymus (Ep. 127 ad Princip.c. 5) und Socrates (H. e. IV 23) erfahren,die Mönche Ammon und Isidor, und ererhielt dadurch Gelegenheit, sich überdie neue Lebensweise auszusprechen. Zuweiterer Kenntniss gelangte dasselbe, alser um das J. 365 das Leben des hl. An-tonius, des Patriarchen des Mönchthums,beschrieb und die Schrift durch Eua-grius alsbald ins Lateinische übersetztwurde. Die Schrift blieb nicht ohne Wir-!kung. Zwei kaiserliche Beamte in Trierwurden durch ihre Lectüre sammt ihrenBräuten für das ascetische Leben gewon-nen {Aug. Confess. VIII 6). Um dieselbeZeit besuchten der Presbyter Rufin vonAquileia und die edle Römerin Melania dieägyptischen Klöster, um sich nach ihrer Pil-gerfahrt in Jerusalem selbst klösterlich nie-derzulassen. Den gleichen Schritt thatenetwas später Hieronymus und die RömerinPaula mit ihrer Tochter Eustocliium, indemsie in Bethlehem Klöster bauten. Auf derandern Seite widmeten sich auch in Romselbst Viele der Ascese, Männer und Frauen,zum Theil gewonnen durch Hieronymuswährend seines zweiten Aufenthalts in derReichshauptstadt. Augustin erwähnt da-selbst schon im J. 388 plura monasteria,in quibus . . . singuli ceteris secum viventi- ]bus praeerant christiana charitate, sancti-tate et libertate viventibus (De moribus jeccles. c. 33), und wenn wir hier vielleicht jmehr ascetische Vereine vor uns habenals Klöster im strengem Sinne des Wortes, jso finden wir letztere um dieselbe Zeit in 1Gallien. Ihr Stifter ist der hl. Martin von \Tours, und zu erwähnen sind namentlich
das Kloster bei Poitiers, monasteriumLocoeiagense, das erste, das er gründete,und das Kloster Marmoutier bei Tours,das bedeutendste. Von diesem ist nochbesonders zu bemerken, dass in ihm kein&gewerblichen Arbeiten getrieben wurden.Nur das Bücherabschreiben kam in ihmvor, und auch dieser Arbeit unterzogensich nur die jüngeren Mönche, die älterendagegen widmeten sich ausschliesslich demGebete (Sulp. Sev. Vita s. Mart. c. 7.10.13;Greg. Tur. De mirac. s. Mart. IV 30).Auch in Mailand (Aug. Confess. VIII 6)und auf den Inseln an den Ufern desmittelländischen Meeres begegnen wir injener Zeit Klöstern, und Augustin ver-pflanzte eben damals die klösterliche Le-bensweise nach Africa (Possid. Vita Aug.c. 2 sqq.). Bedeutendere Stiftungen er-folgten im 5. Jahrh. Um 410 gründete derhl. Honorat, der 428 als Erzbischof vonArles starb, ein Kloster auf der Insel Le-rinum in der Nähe von Cannes, das sichlange Zeit durch gelehrte Studien aus-zeichnete und aus dem eine Reihe vontrefflichen Bischöfen für die Kirchen Gal-liens hervorging. Einige Jahre spätererrichtete Johannes Cassianus, der gleichanderen Abendländern das M. in seinerHeimat kennen gelernt hatte, das KlosterSt. Victor bei Marseille, und zugleich ver-fasste er auf Bitten des Bischofs Castorvon Apta Julia zwei Schriften über dasM., von denen die eine, De institutis coeno-borium, über das äussere Leben der orien-talischen Mönche Aufschluss giebt, währenddie andere, Collationes patrum, die geist-lichen Unterredungen enthält, die er undsein Freund Germanus mit denselben überdie christliche Vollkommenheit geführthatten. Die bedeutendste Stiftung nichtbloss im Abendland, sondern im ganzenchristlichen Alterthum überhaupt ist diedes hl. Benedict von Nursia. Bevor wirhulessen zu dieser übergehen, ist nochEiniges über die Bekämpfung, sowie überdie Arten des Mönchthums zu bemerken.
Die neue Lebensweise blieb nicht ohneAnfechtung. Da sie auf dem Glauben andas Jenseits und eine ewige Vergeltungberuhte, so war sie dem vorzugsweise oderauch nur dem Diesseits zugewandten Helle-nenthum an sieh schon unverständlich.Dazu kommt, dass die Mönche vielfachdie heftigsten Gegner der alten Religionwaren und in dem Kampfe, der seit dem4. Jahrh. gegen dieselbe geführt wurde,bisweilen selbst über die Linie des Ge-setzes hinausschritten. Es begreift sichdaher, wenn die Vertheidiger des Heiden-thums , ein Lihanius (Orat. pro templis)und Eunapius (Vit. philos. c. 4), die,schwarz.Gekleideten 1 , wie sie die Mönche nannten,