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Zweiter Band. I - Z.
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Musik.

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bundenenMelodieenwirdübergeflossensein,daran darf man keinen Augenblick zwei-feln. Der Geist Davids wie Salomons istuns Bürge, dass die M. ihren übrigenGeschmack nicht wird verleugnet haben, jWenn, wie Schubart (Ideen zu einerAesthetik der Tonkunst, Wien 1806) sagt,die Lieder, die in der Bibel stehen, ebensotrefflich in M. gesetzt waren, wer kannihnen heute noch etwas Vortrefflicheresentgegenstellen ? Die herrlichen Wechsel-chöre, wie der 135. Ps.: ,Lobet den Herrn 1und der Ps. 23: ,Machet die Thore weit 1 ,die einen abwechselnden und ausgeführtenGesang voraussetzen, das grosse Hallel,welches an den Hauptfesten von den ver-einigten Chören im Tempel gesungenwurde, im Allgemeinen aber der hohePlug der Einbildungskraft und der denHebräern eigene volle Strom der Empfin-dungen, Alles dieses lässt es zweifelloserscheinen, dass auch den Melodieen deralttestamentlichen Tempelgesänge bei allerEinfachheit dennoch jene Tiefe und Innig-keit, jene Kraft und schwungvolle Majestätdes Ausdruckes wird innegewohnt haben,welche heute noch jeden Leser der alt-testamentlichen Psalmen und Lieder mitBewunderung erfüllt. Diese Tiefe undInnigkeit, diese Kraft und schwungvolleMajestät des Ausdruckes konnte aber fürdie Melodieen nur gewonnen werden, wennsie, wie die gregorianischen Gesänge, aus-schliesslich auf der Diatonik basirten, mitVermeidung jeglicher Chromatik und En-harmonik, in welcher ja nur das Bizarre,das Frivole, das Sinnlich-Leidenschaftlicheseinen adäquaten Ausdruck findet; wennsie also auf einem Systeme beruhten, wiees der hl. Ambrosius zur theoretischenGrundlage der von der Tradition über-kommenen Gesänge der ersten christlichenJahrh. durch theilweise Herübernahme derdiatonischen Octavengattungen der Grie-chen zusammengestellt hat und als einzigzutreffendes nur zusammenstellen konnte,weil eben in jenen Gesängen das jüdischeElement, wenn auch durch den christ-lichen Geist verjüngt und erneuert, immernoch vorwog. Man wird also dabei stehenbleiben müssen, dass der Gesang deschristlichen Altorthums eben nur dasBindeglied ist, d. li. die unter dem Ein-flüsse des christlichen Geistes sich voll-ziehende Verjüngung, Erneuerung undUmgestaltung der altjüdischen Tempel-M.zu dem spätem Choralgesang, der, wieSaalschutz (Geschichte und Würdigung derM. bei den Hebräern, Berlin 1829, p. 129)sagt, in Hinsicht seiner Grundlage, inHinsicht dessen, was eben seine Eigen-thiimlichkeit ausmacht und ihm jene be-sondere Würde verleiht, durch alle Zeiten

hindurch derselbe blieb , welcher einst inSions Tempel unter den goldenen Fittigender Cherubim gepflegt und gross gezogen,von begeisterten Leviten angestimmt, vonköniglichen Sängern eingesetzt und ge-leitet wurde (vgl. auch Saalschutz Archäo-logie der Hebräer, Königsberg 1855). DieseAnnahme iwird aber noch wesentlich ge-stützt durch dasjenige, was über den In-halt, wie über die formelle Einrichtungund praktische Ausführung des altchrist-lichen Gesanges berichtet wird. Den erstenPunkt betreffend weiss man, dass derDavidische Psalter das vollständige Text-buch des altchristlich-liturgischen Gesan-j ges ausmachte, wie auch heute noch die; Texte sämmtlicher liturgischer Gesängei der Messe und des Tages-Officiums bei-! nahe ausschliesslich den alttestamentlichenj Psalmen entnommen sind. Die wenigenI Ausnahmen finden sich meistens nur inj neuern Officien, die häufig in Hinsicht des) gesanglichen Momentes nicht mit beson-; derm Geschicke abgefasst sind, so, umj nur ein Beispiel anzuführen, der Introitusdes Festes ,septem dolorum B. M. V.‘ mit: seinem Psalmvers (sic!): ,mulier, ecce'■ Filius tuus, dixit Jesus; ad discipulumj autem: ecce mater tua.‘ — Koch im14. Jahrh. konnte der hl. Chrt/sosfomasj (Hom. 6 de poen.) sagen: ,in unsern Ver-sammlungen ist David der erste, mittlereund letzte“, und ähnlich der hl. Hieromj-mus in seinem 50. (alias 103.) Briefe anPaulinus: ,David ist unser Simonides,

unser Pindar und AIcäus, unser Flaccus,Catullus und Serenus.“ Dass aber dasChristenthum, als es die Texte der Psal-men aus dem Judenthume herübernahm,sofort dazu übergegangen sein soll, zudiesen Texten an Stelle der bisher damitverbundenen Melodieen ganz neue zu setzen,ist nicht denkbar. Sicher wird Christusund die Apostel den Lobgesang (Matth.26, 30) bei der Feier des letzten Abend-| mahles in der ihnen Allen geläufigen Me-[ lodie angestimmt haben, und wenn die| ersten Christen an dem alten Ceremonial; der Väter noch festhielten und häufig inidem Tempel sich einfanden, um dort zu| beten (Act. 3, 1; vgl. 2, 46) und einzu-stimmen in die altbekannten Weisen, soist sicher, dass sie bei der Feier der hei-! ligen Geheimnisse in ihren Häusern diesej Gesänge nicht in einem andern Tone wer-den angestimmt haben. Ueberhaupt hatteja das Christenthum in der ersten Zeitseiner Ausbreitung viel höhere Aufgabenzu erfüllen, als dass es mit Einrichtungeiner neuen spezifisch christlichen Kirchen-M. sich hätte befassen können; abgesehen! davon, dass die alttestamentlichen Psal-i men mit ihren hergebrachten Melodieen