Band 
Zweiter Band. I - Z.
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Mythologie.

mit Dem, was uns auf Erden theuer war,Ausdruck verleihen mögen. Mag dieserGedanke das reine Product der antikenEntwicklung, mag er dem Einflüsse jüdi-scher und christlicher Anschauungen seinUmsichgreifen seit dem Zeitalter der An-tonine zu verdanken haben, — die That-sache ist unleugbar. Kunstvorstellungen,welche demselben dienten, mussten auchseitens der Christen mit freundlichem Augeangesehen werden. Man vergass leicht undgern, dass der Ursprung dieser Scenenein polytheistischer gewesen und sie zumTheil auf die Mysterien zurückgingen,welche seit dem 3. und 4. Jahrh. vielfachwieder künstlich belebt und in Oppositiongegen das Christenthum gebracht wur-den; man adoptirte sie in jenem allgemeinmenschlichen Sinn, den jeder Gebildetedamals mit ihnen verband. Ich rechnedieser

Fig. 314.

zur KategorieKunstvorstellungendie Genien (Putti),welche bald EngelnPlatz machten (vgl.dieAbb. Figg. 313 bis315), Eros undPsyche (s. d. Art.

Amor und Psyche I47 f.), die Sirenenmit Odysseus,der an den Mastdes Schiffes an-gebunden ist(zwei Sarko-phage in S. Cal-listo, s. d. Art.

Odysseus); dasGorgon eionoder M e d u-s e n h a u p t, dasBild des Todes-schreckens , das auf Sarkophagen undWandgemälden einigemal auftritt; denGranatapfel, die der Persephone ge-heiligte Frucht, die man einigemal in Rom,weiter in einer Galerie von S. Gennaro inNeapel sieht (der christliche Charakterder von V. Schultze Katakomben 100 an-geführten, ebenfalls den Granatapfel auf-weisenden Katakombe von Girgenti ist

Fig. 313.

(vgl. I 386), wie sie auf dem Sarkophagvon Arles Vorkommen; vielleicht auchIuno Pronuba, wie sie inmitten eineschristlichen Ehepaars und biblischer Sce-nen auf dem Sarge der Villa Ludovisi er-scheint (s. oben I 386; Schultze Archäol.Bemerkungen 112), und die dann aller-dings die äusserste Concession christlicherKunst an antike Vorstellungen darstellte.Waren diese Vorstellungen einmal in derchristlichen Kunst eingeführt, so ergabsich von selbst und sehr leicht, dassman ihnen, je weiter sich die Kluft zwi-schen der alten und neuen Gesellschaftöffnete, eine positiv christliche Bedeutungzu geben suchte. Ich muss es dahingestelltsein lassen, ob dies auch von der Dar-stellung der Jahreszeiten (s. d. Art.II 1 ff.) und des Orpheus (s. d. Art.)gilt, oder ob wir anzunehmen haben, dasssich mit diesen vonvornherein ein positivchristlicher Gedankeverband (s. de RossiR. S. II 355—357).Symbole, welche dasvorchristliche Alter-thum bereits kannteund verwendete, dieaber, in den christ-lichen Bilder-

Fig. 315.

Fig. 313—315. Putti, von Sarkophagreliofs.

kreis aufgenom-men, sofort eineausgesprochenchristliche Deu-tung erfuhrenund gewiss nurin solchem SinnVerwendungfanden, sind derPfau (s. d. A.),der Phönix (s.

d. A.), Kranz und Krone (s. d. A. I 333),die Palme (s. d. Art.), der Oelzweig(s. d. A.); V. Schultze (Katak. 106) rechnet,vielleicht mit Recht, dahin auch das in

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Indien nachgewiesene Svastika

(vgl. d. Artt. Kreuz und Monogramme II224. 417). Weiter fallen in diese Kate-

mir nicht ausgemacht) und die gleich dem \ gorie vielleicht auch der Hase, das Ein-

Mohn den Todesschlaf ausdrückt; die Fi-guren und Gegenstände aus dem bacchi-sehen Kreise: Masken, Steinbock, Pan-ther, Handpauken, deren Sinn auf dasAufblühen und Absterben der Natur, aufden Wechsel von Leben und Tod gehtund die andeutungsweise für den gesumm-ten, diese Idee ausdrückenden Cyelus desDionysosmythos angebracht wurden; dieDioskuren als Vertreter von Tag undNacht oder als Allegorie der Lebensalter

horn, das Pferd u. a. Den gutenHirten dagegen, welchen R.-Rochette u. A.als eine einfache Herübernahme des Her-mes Kriophoros erklärten, muss ich mitde Rossi (R. S. II 352 f.) als eine in demEvangelium fussende freie Creation derchristlichen Kunst anselien, wobei ja einebewusste oder unbewusste Anlehnung derausführenden Künstler an profane Vor-bilder, ja auch, mit de Rossi (a. a. 0), einevielfach vorkommende Herstellung von Bil-