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Nacktheit.
stus bei der Taufe durch Johannes inzwei Mosaiken zu Ravenna in S. Maria inCosmedin aus dem J. 553 (Ciampini Yet.mon. II, tab. XXIII) und S. Giovanni infonte aus dem J. 451 ( Ciampini Yet. mon.
I, tab. XX), bis über die Mitte des Kör-pers vom Wasser bedeckt, und in denElfenbeinreliefs des Bischofsstuhles zu Ra-venna aus dem 6. Jahrh. 15) Zuweilender Gichtbrüchige (s. d. Art.), der, vonChristus geheilt, sein Bett trägt ( AringhiII 183). Christus am Kreuze wurde imchristlichen Alterthum stets mit der Tu-nica, Interula oder einem noch längerenGewand bekleidet, und selbst die Schächersind bloss mit dem Lendentuch dargestellt.Ein Gemälde in der Kathedrale zu Nar-bonne, welches ,Dominum nostrum quasipraecinctum linteo indicat crucifixum 1 , er-schien nach dem Berichte des hl. Gregorvon Tours (f 595) so anstössig, dass derBischof dasselbe mit einem Vorhang be-decken liess (Greg. Turon. De glor. mart.
I 2). Auch die Engel wurden bekleidetdargestellt; nackte Engel sind eine mo-derne Erfindung.
B. In liturgischen Bildern erscheint derTäufling ('s. d. Art. Taufe) unbekleidet(de^ Rossi R. S. II, tav. XV. XVI; Bull.1876, tav. I), zuweilen jedoch mit einemLendentuch bekleidet (Ciampini Yet. mon.
II, tab. IV. V. VI), oder den Körper bisüber die Hälfte durch den Taufbrunnenverdeckt (ibid. tab. IV u. VI).
C. In Anlehnung an die in der heidni-schen Kunst gebräuchlichen Typen er-scheinen nackt oder wenig bekleidet diePersonificationen des Oceanus, der Flüsse,der Quellen, der Erde, des Coelus, derJahreszeiten, des Sol, ebenso die Genien(auf Sarkophagen und in Darstellungender Weinlese), sowie allegorische Figuren,z. B. die Fischer (de Rossi R. S. II, tav.XV. XVI), Gladiatoren (s. d. Art.) undandere Kämpfer in den Circusspielen (deRossi R. S. tav. XXX—XXXI 2 ), Amorund Psyche (s. d. Art.). Victoria, auf Mün-zen Mars und Apollo (s. d. Artt. Gottheitenund Mythologie der christlichen Kunst). DieDarstellung der Venus marina auf dem sil-bernen Schmuckkästchen der Coli. Blacaskann nicht hierher gerechnet werden, dadasselbe die Arbeit eines heidnischen Künst-lers ist, wenn es auch nach der Inschrift(SECVXDE ET PROIECTA VIVAT IS INCHRI...) als Hochzeitsgeschenk christlicherEheleute, vielleicht aus friiherm heidni-schem Besitz, verwendet wurde (I'iper Mv-thol. d. christl. Kunst I 21. 187 ff.; s. oben
II 465). Ebensowenig können anstössigemythologische Darstellungen auf einzelnen^arkophagen in den Katakomben hier inBetracht kommen, indem die Christen hin-
i sichtlich der Sarkophage (s. d. Art.) in denersten Jahrhunderten meist auf heidnischeKünstler angewiesen waren, bei dem Ge-brauch aber die Stellen, welche solcheScenen enthielten, entweder zerstörten oderder Mauer zuwendeten, oder mit Mörtelverdeckten. Von jenen nackten Darstel-lungen waren manche durch die historischeTreue geboten, z. B. Adam und Eva; beianderen brauchte diese Rücksicht nichtmassgebend zu sein (Jonas, Isaak, Joseph,Daniel, Tobias, Susanna), ja von den Jüng-lingen im Feuerofen sagt die hl. Schriftausdrücklich, dass sie vollständig bekleidetin den Ofen hineingeworfen wurden undihre Kleider vom Feuer unversehrt blie-ben (Dan. 3, 21. 94). Bei Tobias, wie erden Fisch fängt, und bei Jonas könnteder Grund in der auf ein Minimum redu-cirten Kleidung der Fischer und Schifferder Zeit, in welcher jene Darstellungenentstanden, gefunden werden, aber mitmehr Recht findet man denselben in derallegorischen Bedeutung dieser Darstel-lungsweise. Diese Beziehung finden wirbei den Vätern ausdrücklich ausgesprochen.So bezüglich der Stammeltern bei Ambro-sius (in Luc. 1. IV, c. 4): nudus ascenditChristus (bei der Kreuzigung), nudum eccevideo. Talis ergo ascendat, qui seculumvincere paratus est, seculi indumenta nonquaerat. Victus est Adam, qui vestimentaquaesivit. . ., vicit ille qui vestimenta de-posuit. Qualis in paradiso homo primushabitavit, talis ad paradisum homo secun-dus intravit (vgl. Ambros. Ep. 36). Bezüg-lich des in seiner Blösse von seinem Sohneverspotteten Noe schrieb der hl. Paulinvon Nola (Ep. 28, al. 29, n. 3): ab initiosaeculorum Christus in Omnibus suis pa-titur. Ipse ... in Noe irrisus a filio. ImAllgemeinen bezeichnete die N. den Mangelder Taufgnade: nudus carens baptismo.Vestitus baptismi fides (Eucher. Lugdun.Formulae n. 206. 372; Spicil. Solesm. III403. 406).
Aus dem Gesagten ergiebt sich, dass dieKirche der ersten Jahrhunderte nackteDarstellungen nicht grundsätzlich aus-schloss; um aber ihre Stellung zu dieserFrage zu erkennen, darf nicht ausser Achtgelassen werden, dass viele der oben er-wähnten Bildwerke sich nicht in Kirchen,sondern nur in Miniaturen von Handschrif-ten und Goldgläsern, also Arbeiten derKleinkunst, finden, bei denen der einzelneKünstler und Besitzer die Verantwortungträgt, und ein Schluss auf die Billigungder kirchlichen Oberen ungerechtfertigtwäre. Sodann ist nicht ausser Acht zulassen, dass dio Darstellungsweise keinelüsterne und üppige war, wie sie uns invielen, auch religiösen Kunstwerken der