Band 
Zweiter Band. I - Z.
Seite
494
JPEG-Download
 

494

Neujahrsgeschenke.

sten stritten. An diesem Tage überliessensich die Heiden zügelloser Freiheit beiEss- und Trinkgelagen, Glücksspielen undanderen ausschweifenden Vergnügungen;insbesonders anstössig waren die Mum-mereien , wonach sich die Männer alsWeiber, die Weiber als Männer kleideten.Selbst Römer, die das Jahr über einenanständigen Lebenswandel zu führen pfleg-ten, schlossen sich dem wüsten Thun undTreiben der Calendae Ianuariae an. Leiderkonnten auch Christen dieser Versuchungnicht widerstehen, und schon TertullianDe idololatr. c. 14 hatte Ursache, gegendie Theilnahme an den Festlichkeiten derCalendae Ianuariae von Seite der Christenzu klagen und zu eifern. Es scheint, dassletztere ihr Benehmen durch I Kor. 10,33: ,ich lebe in Allem Allen zu Gefallen“entschuldigen wollten. Darauf aber er-wiedert Tertullian: ,nimirum Saturnalia etcalendas Ianuarias celebrare (celebrando)hominibus placebat (Saulus), an modestiaet patientia, an gravitate, an integritate ?“Wie die verworfenen Feste der Juden fürden Christen keinen Werth mehr habendürften, schliesst Tertullian weiter, soauch nicht die heidnischen Feste: ,Iudaeisdies suos festos exprobrat spiritus sanctus.Sabbata, inquit, vestra et neomenias etcaerimonias odit anima mea. Nobis, qui-bus sabbata extranea sunt et neomeniaeet feriae a deo aliquando dilectae, Satur-nalia et Ianuariae et Brumae et Matro-nales frequentantur, munera commeant,strenae consonant, lusus, convivia con-strepunt?“ Die christlichen Kaiser be-hielten zwar die Feier der bürgerlichenFerien der Calendae Ianuariae bei, aberdie Feier derselben sollte von allen Fest-lichkeiten des alten Ileidenthums frei blei-ben. Doch die Macht der Gewohnheitwar stärker als die Kraft des Gesetzes,und so hatte die Kirche noch auf Jahr-hunderte hinaus gegen die ebenso aber-gläubischen und ungläubigen, wie sitten-losen Sitten einer unchristlichen Neujahrs-feier zu kämpfen. Von Chrysostomus Hom.23 haben wir eine eigene Rede ,auf denNeujahrstag wider Diejenigen, welche dieNeumonde halten und durch die Stadttanzen“. Auch Augustin. Serm. 197. 198in Calendis lanuariis, Contra Faust. 20, 4und Ambrosius Serm. 17 halten Strafredengegen die Theilnahme der Christen an denAusschweifungen des bürgerlichen Neu-jahrsfestes; desgleichen Caesarius Arelat.Serm. 129 in Augustin. Opp. app., derdiese heidnischen Gebräuche ,diaboli Ve-rena“ nennt. Petrus Chrysologus Serm.155 erwiedert auf die versuchte Ausrede:,non sunt haec sacrilegiorum studia, votasunt haec iocorum“ mit den strengen

Worten: ,erras homo, non sunt haec lu-dicra, sunt crimina.“ In poetischen Klän-gen giebt Prudentius Contra Symmach. I,v. 237—244 (edit. Obbar.) dem Tadel desheidnischen Unwesens am N. Ausdruck:

,— Iano etiam eelebri de mense litaturauspiciis epulisque saeris, quas inveterato,heu m iseri, sub honore agitant et gaudiaducunt

festa Calendarum. Sic observatio crevit,ex atavis quondam male coepta, deinde se-cutis

tradita temporibus serisque nepotibus auctatraxerunt longam corda inconsulta catenamillosque tenebrosus vitiosa in secula fluxit.“

Nicht minder erhoben die in Concilienversammelten Bischöfe ihre warnende undstrafende Stimme gegen die heidenartigeFeier der Calendae Ianuariae; so z. B.Gerne. Turon. II (5G7), c. 17; Conc. quini-sext. Trullan. 692, c. 62. Gegen den inGallien üblich gewesenen heidnischen Ge-brauch, am Neujahrstage ,veculum (vitu-lum) vel cervulum“ zu opfern, trat dasConc. Antissiodor. 578, c. 1 auf, und einaltes, bei Martigny Antiquites chretiennes,s. v. Janvier citirtes Pönitentialbuch vonAngers setzte auf diesen Unfug eine Kir-chenbusse von drei Jahren. Wie die Kirchedie heidnisch gearteten Neujahrsfeste durchAnordnung eines Festes, verschiedenerAndachtsübungen, eines Fastens u. s. w.zu paralysiren suchte, s. unter Art. Be-schneidung Christi. Als Spott- und Hohn-fest gegenüber dem Unwesen der Janua-rien kam spät (im MA.) ein festum hypo-diaconorum oder slultorum in die circuru-cisionis vel epiplianiae auf, das erst im14. oder 15. Jahrli. durch die Sorbonnewieder verboten wurde (vgl .Durand. Ration,div. off. VII 42; Du Fresn. Glossar, s. v.fest. Calendarum). kküll.

NEUJAHRSGESCHENKE. Zu den amNeujahr üblichen altrömischen Gebräuchengehörte auch die Ueberreichung von Ge-schenken (strenae, woher das französischeles etrennes). Die Sage rückt die Ent-stehung der Sitte der strenarum bis zuTitus Tatius, dem Könige der Sabiner,hinauf, der zuerst beim JahresbeginneEichenzwoige von einem der Göttin derStärke (Strenia) heiligen Baume erhaltenhaben soll, was als ein gutes Zeichen fürdas Glück des von Tatius mit Romulusgemeinschaftlich beherrschten Rom ange-sehen wurde (vgl. Symmach. Epp. N 20;Festus In Strena). So viel ist gewiss, dassbei dem Ianusfeste am 1. Jan. in Romgegenseitig Geschenke gegeben wurden,welche ursprünglich in Lorbeerzweigen be-standen, denen man eine reinigende Kraftund Segen zuschrieb, womit man also