Band 
Zweiter Band. I - Z.
Seite
498
JPEG-Download
 

498

Nimbus.

hl. Laurentius abgebildet ist, indem hinterdem Kopfe desselben die Enden des Mono-gramms, jedoch ohne den umschliessendenN.-Reif, hervorkommen, in einiger Ent-fernung nebenan aber die beiden Buch-staben stehen. Es lässt sich schwer sagen,durch welche Ideenverbindung die altenKünstler dazu kamen, das Kreuz und dasMonogramm in den N. Christi einzufügen,obschon diese Christusbilder als solchedurch ihre Stellung und andere Acces-sorien sattsam charakterisirt sind. Wahr-scheinlich ist es aber die Intention, denHerrn durch einen besonders geformtenN. auszuzeichnen (die Taube des hl. Gei-stes und die Gott Yater sinnbildendeHand haben übrigens nur den einfachenN.), eine gewisse Abundanz der Charak-terisirung.

[./. P. Richter hat in der Allg. evang.-lutli. Kirchenztg. 1877, n. 25 den Nach-weis versucht, dass der kreuzförmige odervielmehr der monogrammatische N., alsodie Verbindung des Monogramms Christi,in welchem er nach Offenb. 7, 2 das Rie-gel des lebendigen Gottes' erblickt, mitdem N. geradezu ,das Zeichen des Men-schensohnes im Himmel' (Matth. 24, 30)darstelle, und er findet diese Ausdeutungum so passender, als ,der N. ursprünglichnur eine Hindeutung auf die überirdischeSphäre der Existenz darstelle'.

Ich weiss nicht, ob diese Symbolisirungnicht zu viel in den ursprünglichen Ge-danken der altchristlichen Künstler hinein-legt. Auch mir erscheint, wie dem Ver-fasser d. Art., die Anbringung des Mo-nogramms (denn dies ist das Ursprüng-liche, nicht das Kreuz) in dem N. Christiganz analog mit der in der alten, be-sonders der griechischen Kunst beliebtenund sich gleich dem Kreuz-N. bis in dieRenaissance erhaltenden Uebung, den Bil-dern der Madonnen, auch wenn sie hin-reichend ikonographisch charakterisirt sind,

ein MP 0T beizusetzen. Wir hätten esdemnach mit einer Art Pleonasmus zuthun, der aber der gesammten alten undfrühmittelalterlichen Kunst derart geläufigist, dass er durchaus hier nichts Auffäl-liges haben kann. K.]

Wenn die altchristliche Kunst ausserder Taube, dem Symbol des hl. Geistes,und dem göttlichen Lamme auf den vierThierbildern der Evangelisten den N. bei-legte, so hatte sie darin ein Vorbild imPhönix, den die heidnischen wie die christ-lichen Künstler fast ständig mit einem N.oder einem Strahlenkränze um den Kopfabbilden. Hie älteste Darstellung desLammes mit dem Heiligenschein und demdarein gelegton Monogramm dürfte sich

wol auf einem geschnittenen Stein finden,den Garrucci publicirt hat (Hagioglypta222). Eine in ihrer Art einzige Darstel-lung im Coemeterium des hl. Petrus undMarcellinus zeigt uns in den vier Eckeneines Deckengemäldes ein Lamm und aufdem Rücken das die Eucharistie sinnbil-dende Milchgefäss, welches mit einem N.umgeben ist.

Die spätere Sitte, lebende Personen vonhervorragender Stellung durch den N. aus-zuzeichnen, kommt zuweilen auch auf frü-heren Monumenten vor, z. B. auf einemGrabstein zu Aquileia (Bartoli Antichitäd’Aquileia 140, n. 315), wo die Darstel-lung der Taufe in den Stein eingeritzt istund der Taufende den N. hat. Die Folge-zeit führte zur Unterscheidung dieser Per-sonen von den Heiligen einen vierecki-gen N. für sie ein, wie wir es z. B. imTriclinium Leo’s III im Lateran sehen, woder Papst und Karl d. Gr. einen solchenviereckigen N., der hl. Petrus dagegeneinen runden Heiligenschein trägt. Vgl.beifolg. Fig. 328, wo der hl. Benedict

Fi#. 328. Von einer Miniatur den Monte Cassino.

einen rundon, der Abt von Monte Cas-sino einen viereckigen N. trägt. In dergleichen Weise sind auf manchen Mosai-ken der römischen Basiliken diejenigenPäpste, welche die betreffende Kirche re-staurirt haben, mit dem viereckigen N.ausgezeichnet. Dazu erfand das MA., zu-mal für die Personificationen der Tugen-den, einen polygonen IST. Der runde N.für lebende Personen kommt aber auchnoch in spätem Darstellungen vor, z. B.auf einer Miniatur eines Menologs, wo der