Band 
Zweiter Band. I - Z.
Seite
519
JPEG-Download
 

Octaven.

519

7) Auf einem Kölner Goldglase (Jahrb.des Ver. d. Alterthumsfr. im Rheinl. XLII,Taf. V) erblickt man vor einer Mauer, hin-ter 'welcher eine betende weibliche Figurzwischen Bäumen steht, einen liegendenOchsen oder Stier. Garrucei glaubt (Storiadell’ arte crist. bei der Beschreibung dieserGlaspatene) in demselben den verthiertenNabuchodonosor (Dan. 29) erkennen zumüssen; wenn das hier beschädigte Glasan der andern Seite als Gegenstück eingleiches Thier zeigte, so sind dieselbenwol eher auf die Ankläger der Susanna(tauri: pharisaei superbi; Melito v. Tau-rus, Spicil. Solesm. III 17) zu deuten,die auf einem Denkmal im Coemeteriums. Callisti ebenfalls in Thiergestalt, näm-lich als Wolf und Leopard, dargestelltwerden (s. d. Art. Susanna). Als Orante,also ähnlich wie auf diesem Kölner Glase,findet sich Susanna auch auf der Glas-patene von Podgoritza ( deRossi Bull. 1877,tav. Y) dargestellt.

8) Ein Stierkalb scheint auch unter denThieren der Arche auf dem Trierer Sar-kophag zu sein ( Braun Erkl. eines antikenSarkophags, Winckelmann-Progr. 1850;Garrucei tav. CCCYIII 1 ?).

9) Das goldene Stierkalb auf dem Altar,von den Juden umgeben (Exod. 32, 1),erblickt man in den Mosaiken, mit wel-chen Sixtus III (434) die Basilika S. Mariamaggiore schmückte ( Ciampini Yet. mon.I, tab. LVIII >).

Ueber den Ochsen als Symbol des Evan-gelisten Lucas s. d. Artt. Evangelisten I458 und Lucas II 344. Ueber anderesymbolische Deutungen des Ochsen undStieres bei den Vätern s. Melito 1. c. undHieron. Lauretus Sylva allegor., Colon.1681, unter den Worten Bos, Taurus,Vitulus. HEUSER.

OCTAVEN. Unter Octave verstand undversteht man den Zeitraum von acht Tagen,welche von einem Feste bis zu dem Tageverlaufen, der die Feierlichkeit beendigt.Solche Fest-O. waren schon im A. B. ein-gefiihrt, so für das Osterfest (Exod. 12,15 ff.; Levit. 23, 6; Num. 28, 17), für dasLaubhüttenfest (Levit. 23, 39), für das Festder Tempelweihe (1 Macc. 4, 56 ff.; II Macc.10, 6 ff.). Aber auch der Polytheismuskannte derartige Verlängerungen der Fest-zeiten, wie dies z. B. die Griechen bei denstädtischen Dionysien, die Römer bei demFestum Anciliorum, bei den Quinquatria,Cerealia etc. beobachteten. Es liegt ebenin der Natur des Menschen, gewisse Fest-zeiton aus Gründen der Reverenz undfreudiger Seelenstimmung auszudehnen.Wir dürfen uns daher nicht wundern,wenn die 0. schon frühe auch in den

christlichen Festcyclus aufgenommen wur-den, sicher nicht ohne Rücksicht auf dasalttestamentliche Beispiel. In den erstenJahrhunderten der Kirche gestatteten dieZeitumstände schwerlich eine längere Fort-setzung festlicher Feierlichkeiten, weshalbdie Ansicht von Gavanti Thesaur. sacr.rit., wonach die Apostel die O. im N. B.eingeführt, und die Apostelschüler die-selben in verschiedenen Abstufungen, jenach der Beschaffenheit der Feste, an-geordnet hätten, nicht haltbar ist. Auchbringt Gavanti keinen sichern historischenBeweis für seine Meinung bei. Als aberim 4. Jahrh. dem christlichen Cultus einefeste Einrichtung gegeben ward, erhieltenauch Yor Allem die zwei christlichen Haupt-feste, Ostern und Pfingsten, ihre O.; erstspäter (ca. 6. Jahrh.) nach der Organi-sation des Weihnachtscyclus wurde auchdem Weihnachtsfeste und, wenn nicht inder griechischen Kirche schon früher, demEpiphanienfeste eine Octave beigegeben.Die Tage innerhalb der 0. wurden zwarnicht so feierlich begangen, wie der voran-gehende Festtag selbst, aber immerhinblieben sie, besonders bezüglich des Oster-und Pflingstfestes, dies feriati ( Augustin.Serm. 19, ed. Sirmond.), welche durchBesuch des Gottesdienstes und Enthaltungvon knechtlichen Arbeiten heilig gehaltenwerden sollten ( Comt. apost. VIII33; Y 20;Conc. Matisc. II 2 und Trull. c. 66; Mar-terte De antiq. eccl. discipl. c. 25, n. 1).Die christlichen Kaiser zeichneten die 0.von Ostern und Pfingsten durch bürger-liche Privilegien, z. B. durch Verbot deröffentlichen Schauspiele, durch Unterlas-sung der actiones juridicae etc. aus ( Cod.Theodos. lib. XV, tit. 5 de spectac. leg. 5;lib. IX, tit. 35 de quaest. leg. 7). InDeutschland wurde nach einem Conc. Mo-gunt. (813) c. 36 noch im 9. Jahrh. dieganze Pfingstoctav auch im bürgerlichenLeben festtäglich begangen. Festlicherals die Tage während der 0. wurde derSchlusstag derselben, Dies octava oder kurzOctava, in alten kirchlichen Calendariensorgfältig vorgemerkt, begangen. Auf dieseOctava im eigentlichen engern Sinne sinddie in der Kirchensprache gebräuchlichenAusdrücke .throAusi; - und ,clausula festo-rum‘ ( Amalar. De eccl. offic. IV 32) zubeziehen. Die Octava oder die Dies octavagewann bei einzelnen Festen eine beson-dere Nebenbedeutung. Die Octava Paschaeder alten Kirchenkalender wurde zurDominica in albis s. post albas. VonGregor von Nazianz und Gregor I sindHomilien auf uns gekommen, welche aufdiesen Sonntag in seiner ursprünglichenEigenschaft als Octavsonntag von Osterngehalten worden waren. — Die Octava Pen-