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Orphanotrophium — Orpheus.
ORPHAXOTROPHIUM, Waisenhaus, s.W ohlthätigkeitsanstalten.
ORPHEUS. Auf den ersten Blick hates etwas Befremdendes, die Figur desthracischen Sängers in den christlichenKatakomben wiederzufinden, und zwar nichtetwa als nebensächliche Decoration, son-dern als Centralbild eines Deckengemäldes,umgeben von Scenen der hl. Schrift, oderim Hintergründe eines Arcosoliums, miteiner der christlichen Kunst fremdartigenDetaillirung ausgemalt. So erscheint 0.also als vollberechtigt im christlichen Bil-derkreis, ebenbürtig neben der Gestalt desguten Hirten, des Moses, des Daniel u. A.Diese scheinbar auffallende Thatsache hatVeranlassung zu vielen gelehrten Dispu-tationen gegeben ( Raoul Rochette suchte ibekanntlich dadurch nicht wenig seine ITheorie von der gänzlichen Abhängigkeit |der christlichen Kunst von der Antike zu '
Fig. 348. Freseo aus S. Callisto (S. Domitilla). j
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stützen); heute, wo die Bedeutung und'Symbolik der 0.-Bilder klargestellt ist,'bildet der mythologische Sänger auf unsernGemälden und Sarkophagen einen der an-ziehendsten Beweise, wie tief und weit diefrommen alten Künstler die christlichenIdeen erfasst und wie sinnig sie denselbenAusdruck zu geben versucht haben.
Längst bekannt waren zwei Fresken imCoemeterium der hl. Domitilla, beide dem2. Jahrh. angehörend, mit dem Bilde des0. (Bottari tav. LXIII, p. 30 = Garrucci itav. XXV, unsere Fig. 348; Bottari tav. jLXXI = Garrucci tav. XXX); dazu ist Iin neuerer Zeit ein drittes aus S. Callisto igekommen (de Rossi R. S. II 246. 355, tav.X. XVIII 2 = Garrucci tav. IV '). Von .den Fresken in Domitilla ist eines einDeckengemälde. Das achteckige Mittelbildzeigt uns den Sänger in thracischer Klei-dung auf einem Felsen sitzend, die phry-gische Mütze auf dem Kopfe, die Tunica
doppelt, unter den Armen und um dieLenden gegürtet, darüber den Mantel oderdas Sagum; die Beinkleider sind mit einemPurpurstreifen nach Art des Clavus besetztund reichen bis auf die Füsse, Anaxyrishiessen sie bei den Orientalen. Die Leierruht auf dem linken Knie, während dasrechte den Takt zu schlagen scheint. ZweiBäume neigen sich über den Sänger; inihren Zweigen sitzen Vögel mancherleiArt, der Musik lauschend, während zahmeund wilde Thiere, Pferd, Lämmer, Schlange,Schildkröte u. a., ihn ringsum ruhig undaufmerksam umgeben. An das Mittelbildschliessen sich acht andere im Kreise an,abwechselnd Landschaften mit Lämmernund Rindern, die friedlich unter schattigenBäumen ruhen, und Scenen aus der hl.Schrift: Moses aus dem Felsen Wasserschlagend, Daniel in der Löwengrube, Da-vid mit der Schleuder und die Aufer-weckung des Lazarus, worin man unteri Bezugnahme auf die Stelle bei Clemens\ Alex, einen Hinweis auf die vier Elementej hat sehen wollen, während man die vier! Landschaften (wol also Kühe) als Bilderj der Jahreszeiten fassen wollte. — Daszweite Freseo, ebenfalls in den Katakomben: der Domitilla, stellt uns im Hintergründe' eines Arcosoliums, halb zerstört, den 0.
| dar, wiederum zwischen zwei Bäumen undI mit der phrvgischen Mütze bekleidet; die| Leier ruht in der Linken, während dieRechte zum Sprechen erhoben ist; Pfau,
' Kameel, Löwe und andere Thiere umgeben' ihn. Die Vorderwand des Arcosoliums istj mit dem Bilde der Anbetung des Christ-I kindleins bemalt, an welches sich der dasi Wasser aus dem Felsen schlagende Moses| und gegenüber eine die rechte Hand zumReden ausstreckende männliche Figur an-schliesst. — In S. Callisto endlich ist dasBild wiederum Centralbild eines Decken-gemäldes; sitzend spielt 0. die Leier, nebenihm steht rechts und links ein Lamm, denKopf zu ihm hingewendet; die übrigeFläche der Decke ist nicht mit Bildern,sondern nur decorativ bemalt. — Zu diesendrei Gemälden gesellen sich dann nocheinige Sarkophage, die zwar in den Kata-komben gefunden, aber wol nicht vonchristlichen Bildhauern gemeisselt wordensind, die jedoch von den Gläubigen mitRücksicht auf das Bild des O. gekauftwurden.
[Andere Darstellungen, die angeblich0. wiedergeben, werden schon von de RossiR. S. II 356 zurückgewiesen: so Boldettip. 27, wo der gute Hirt dargestellt ist;so Lampen, auf welche R. Rochette (Mem.p. 118) und Perret (IV, pl. XVII 1 ) sichberiefen; so die von Mamachi (III 81) ei-tirte Gemma. Von Sculpturen lässt de Rossi