Band 
Zweiter Band. I - Z.
Seite
593
JPEG-Download
 

Pastor bonus.

593

pastor ovile bonus, qua vellere praevius alboVirginia agnus ovis, grexque omnis candidusintrat.

( Seclul . Paschal. 1. I. Invocat.)

Zeichen seiner Hirtengewalt ist der Stab(s. d. Art. Hirtenstab), Zeichen seiner mil-den Liebe die Hirtenflöte (s. d. Art. Sy-rinx) , weil er auch die irrenden Schafemehr durch seine Stimme zurückruft (Joli.10, 16), als durch Strenge zurücktreibt.[Ich sehe in den Hirtendarstellungen zu-nächst einen andern Gedanken durch-schlagen, auf welchen das von Bryenniosveröffentlichte Fragment des Clem. Rom.Ep. ad Cor. I 59 führt. Dort erscheintChristus wesentlich als Führer unsererSeelen und die Gläubigen im Anschlussan Ps. 78, 13; 91, 7; 99, 3 als irpoßaxaTVjl VO|«jC IJOO. K.]

2) Mit dem verlorenen Schafe auf sei-nen Schultern ist der gute Hirt besondersSymbol der Liebe des Erlösers zu denSündern, darum auch gegenüber der hä-retischen Strenge der Montanisten dog-matischer Ausdruck der kirchlichen Lehrevon der Möglichkeit der Bekehrung undder Pflicht der Zulassung aller reumüthi-gen Sünder zur Busse und zu den Gna-denmitteln der Kirche. Christus nimmtnicht nur den gefallenen Menschen durchdie Taufe in seine Herde auf (una estaqua in eeclesia sancta, quae oves facit,Cypr. Ep. 71), sondern, wie derselbe Kir-chenvater weiter bemerkt, quia ovis iamfuerat, haue ovem abalienatam et erra-bundam in ovile suum pastor recipit. AlsKatholik hatte Tertullian (De pat. c. 12)diese Parabel ebenso verstanden: erro-neam ovem patientia pastoris requirit etinvenit ... et humeris insuper adveliitbaiulus patiens peccatricem derelictam.Als Montanist tadelte er wegen der glei-chen Auffassung der Katholiken das Bilddes guten Hirten auf deren Kelchen undwirft dem Papst Callistus vor: bonus pa-stor et benedictus papa concionaris et inparabola ovis capras tuas quaeris, tuaovis ne rursus de grege exiliat (De pudic.c. 7. 10. 13). Diese montanistischen Irr-lehren werfen ein neues Licht auf dashäufige Vorkommen des guten Hirten inden zur Zeit Tertullians ausgeschmücktenTheilen von S. Callisto {de Rossi Bull.1866, 26—30), sowie auf die Bilder, inwelchen der gute Hirt statt des Schafeseinen Widder oder eine Ziege (hirci =reprobi, hoedus = peccatores, Melito Cla-vis in Spicil. Solesm. III 31. 34) auf denSchultern trägt.

3) In Verbindung mit den Aposteln istder gute Hirt ein Ausdruck der in denAposteln und in ihren Kachfolgern fort-lebenden Iicgiorungsgewalt Christi, welche

Eeal-Eucj-klopiuUo. Ji.

der göttliche Stifter der Kirche selbst un-ter dem Bilde eines Hirtenamtes (pasceoves meas, pasce agnos meos, Joh. 21,15. 17) dem hl. Petrus übertrug, und alsderen Charakter dieser ebenfalls in einemHirtenbild aufstellt: pascite, qui in vobisest gregem Dei, non . . . ut dominantes incleris, sed forma facta gregis (I Petr. 5,2. 3). In dieser Verbindung erscheint dergute Hirt auch als besonderes Vorbildaller kirchlichen Vorsteher ( Martigny Etüdearcheol. sur l’agneau et le bon pasteur),wie noch jetzt das Pallium (s. d. Art. II574) auch durch die Weise, in der es ge-tragen wird, an den guten Hirten erin-nern soll.

4) Auf den Grabsteinen tritt eine an-dere Idee in den Vordergrund: der guteJ Hirt trägt nicht nur den gefallenen Men-I sehen durch die hl. Taufe zu seiner Kircheund den Sünder zur Busse und zum An-j theil an den kirchlichen Gnadenmitteln,er führt auch die Glieder seiner irdischenj Herde zu seiner himmlischen hinüber.Diese Deutung wird durch die liturgischenGebete bekräftigt. In der Oratio postsepulturam des Sacram. Gelas. (MuratoriLiturg. rom. I 751) heisst es: Deum de-precemur, ut (defunetum) . . . boni pasto-ris humeris reportatum ... sanctorum con-sortio perfrui concedat. Aehnlich heisstes in dem griechischen Officium exequia-rum bei Goar Euchol. 425: Tci änoltolö;j -poßaxov rpu sipu, dvavuzXesov p.s, aiüxEp, xalaiöaov p.E. Wie in diesem Gebete, so findetsicli diese trostreiche Wahrheit, dass die| treue Zugehörigkeit zur Herde Christi hier: auf Erden Grund unserer Hoffnung auf| die Gemeinschaft mit ihm im Himmel ist,

■ auch in den altchristlichen Grabschriftenj ausgesprochen. So heisst es in der des| hl.^Abercius (Spicileg. Solesm. III 533):

I Toovop.’ ’Apspzioc slfxt, p.a&7]tfjj iroipivoc ap/oö,j oc ßox/.Et -upoßdrcuv d’/eXa? dpsutv zsoioic xe\ dcpflaXjxobc oj sysi p.s-|’dXou£, xaxd -avff opo-üWxaj (mit Kamen bin ich Aberkios, ein: Schüler des reinen Lammes, welches wei-det die Herden der Lämmer auf Bergenund Triften, und gross sind seine Augen,mit denen es Alles behütet). Zu dieser| Auffassung gehört es auch, wenn der guteHirt auf Grabsteinen neben einem Palm-I bäum, dem Symbol des himmlischen Pa-radieses, oder neben ihm der GladiatorI mit der Siegeskrone (s. d. Artt. Gladiatorund Kampf), oder eine Orans (s. <1. Art.)i steht. An die gleiche Beziehung ist auch1 wol gedacht, wo der gute Hirt in denKatakombengemälden zwischen den Bil-dern der Jahreszeiten (s. d. Art.), diesen5 Symbolen der Auferstehung und der ewi-gen Seligkeit, erscheint. Diese Deutungi scheint uns näher liegend als die von

38