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Zweiter Band. I - Z.
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Predigt.

predigten über den Text, der sich ihnendarbot (Aug. Hom. 27: aliquid de poeni-tentia dicere divinitus [gleichsam inspirirt]iubemur; Serm. 63: ab illo [Domino] ex-spectavit cor meum iussionem proferendisermonis). Doch hielt Chrysostomus, selbstein trefflicher Improvisator, diese Methodenicht für ungefährlich; dagegen verliesser selbst nicht selten das schon begonneneThema, wenn ein unvorhergesehenes Er-eigniss während der Rede ihn störte, undimprovisirte (Hom. 4 in Genes.). Auchvon Faustus, Bischof von Rhegium, be-richtet Sidonius Apollin.: praedicationessuas nunc repentinus (extemporirt), nunccum rutio poposcerit lucubratas habuit.Gregor d. Gr. bekennt dies von seinenHomilien zu Ezechiel (Hom. 19 in Ezech.:er thue dies aber nicht ,temeritate, sedhumilitate 1 ). Zahlreiche, durch den drän-genden Augenblick veranlasste Reden sindextemporirt, andere aber ebenso sorgfäl-tig ausgearbeitet und niedergeschrieben,zumal seit in der griechischen Kirche dieRedekunst auch der P. sich bemächtigteund der synthetische Vortrag sich zu ent-falten begann. Von Atticus, Bischof vonConstantinopel, erzählt Socrat. Hist. eccl.VII 2, wie fleissig er seine Reden aus-arbeitete, und das Gleiche gilt von an-dern Vätern ( Sozom. 1. c. VIII 26). VonAndern verfasste Predigten vorzutragen,kommt ebenfalls vor, und selbst Bischöfeliessen von begabten Presbytern sich Pre-digten fertigen und lasen sie vor. Gen-nadius De script. eccl. c. 67 erzählt, dassSalvian, Presbyter von Massilia, dazu ge-braucht wurde: homilias episcopis factasmultas scripsit. Aug. De doctr. Christ. IV 62hält dies für erlaubt, wenn dem Predigerdie Fähigkeit abgehe, selbst eine gediegeneP. abzufassen (vgl. Chrgsost. De sacerd.V 6 ). War der Bischof oder Ortsgoistlicheerkrankt und am Predigen verhindert, soliess er nicht selten Homilien, selbstge-fertigte oder fremde, vorlesen, und daszweite Concil von Vaison c. 2 befahl, dassim Erkrankungsfalle des Predigers ,sancto-rum patrum homiliae a diaconibus reci-tentur*. Gregor d. Gr. dictirte in solchenFällen Predigten und liess sie vorlesen(Hom. 40, serm. 21 : multis vobis lectio-nibus ... per dictatum loqui consuevi etc.).Augustin musste über Ps. 118, ehe er andessen Erklärung kam, einem Schreiberdictiren, weil die Leute ein Predigtbuchvon ihm verlangten. Bald ging man dannpo weit, einfach Homilien älterer Väterim Gottesdienste zu verlosen ( MarternAnecdot. V 93: omelias autem sanctorum,quae leguntur pro sola praedicatione, po-nuntur, ut quidquid propheta, apostolusvel evangelium mandavit, hoc doctor vel

pastor . . . populo praedicet; vgl. GerbertLiturg. Alem. I 315). In dem Angegebe-nen ist die Frage, ob die Alten ihre Pre-digten memorirten, theilweise schonbeantwortet; bestimmte Zeugnisse liegennur spärlich vor. Von Atticus erwähntes Socrates 1. c., dass er die Predigtenwörtlich auswendig gelernt habe. Im All-gemeinen sind die Vorträge wol seltenmemorirt worden, wie wir aus der gan-zen alten Predigtweise schliessen können.Eine viel geübte Sitte war es, dassSchnellschreiber (Tachygraphen, No-tarii, s. d. Art.) die Vorträge namentlichberühmter Prediger in der Kirche nach-schrieben (stenographirten), und so ist garmanches oratorische Erzeugniss uns aufdiese Weise erhalten worden. Selbstver-ständlich wird man erst in jener Zeit an-gefangen haben, die Predigten sich durchNiederschrift zu erhalten, als diese einegewisse Vollendung erlangt hatten. That-sächlich wird uns auch im Leben des Ori-genes zuerst berichtet, dass Zuhörer dieReden nachsehrieben. Manche Hörer habenwol erst zu Hause aus dem Gedächtnisseaufgeschrieben, was sie behalten hatten.Nach Euseb. II. e. VI 36 hat Origones an-fänglich das Nachschreiben nicht geduldet,zuletzt jedoch erlaubt. Von Chrysostomuserzählt Socrat. II. e. VI 4, er habe seinePredigten theils selbst herausgegeben, theilsseien sie von Schnellschreibern (dä-oypchpoi)niedergeschrieben worden, während mandie Reden des genannten Atticus des Nach-schreibens nicht werth erachtete (p-pts 7 p«-<p?)» diji'ouc vopf^Eaflcti, Soz. II. e. VIII 27).Die Homilien dos Chrysostomus zum He-bräerbrief tragen in einem Manuscript dieUeberschrift: ei; T/jv -pö; 'EJlpatoo; s~tato :Xr ( v £-/.TEf)eTcra dizh u r) p, s (<0 v (stenographi-schen Zeichen) u<zpd K cüvaravrivou r.pzrf.Nach Augustin (Expos, in Ps. 51: placuitfratribus non tantum aure et corde, sedet stylo excipienda quae dicimus, ut nonauditorcm tantum, sed et ledorem cogi-tare deboamus) wurde das Nachschrei-ben ganz geschäftsmässig betrieben, eineSitte, welcher der Redner Rechnung trug(vgl. sein Leben von Possidius c. 7: etquisquis ut voluit et potuit notarios ad-hibens . . . excepta descripsit; Gregor. M.Praef. in lob ad Leonard, et Praef. inEzech.). Dass bisweilen heimlich nach-geschrieben wurde, sieht man aus der Ab-schiedsrede des Gregor. Naz. in Constan-tinopel Orat. 32: lebet wohl, die ihr . • ■öffentlich und heimlich nachschriebet (7P a ‘(fibei cpavspal xat Xavlldvouuai; vgl- Or.19, 3). Solches geschah wol auch vonGegnern in feindlicher Absicht. Diesscheint Gaudentins von Brixcn Praef. adBenevol. zu meinen: de illis tractatibus,