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Reliquiarien — Reliquien.
RELIQUIARIEN, s. Enkolpien I 419.
RELIQUIEN. I. Das Wort Reliquiae,gleich dem griech. Xetyava schon im clas-sischen Zeitalter beider Sprachen auch zurBezeichnung der bei der Verbrennung derLeichname zurückbleibenden Ueberreste(Forcellini u. Suicer Tlies. i. v.) verwandt,hat, in den kirchlichen Sprachgebrauchübergegangen, seinen Begriff erweitert,indem es nicht bloss die Ueberreste derHeiligenleiber, sondern auch die ganzenKörper und alle Gegenstände, welche mitden Heiligen oder ihren Leibern in Be-rührung gekommen waren, bezeichnete.An synonymen Benennungen weisen dieQuellen für den Begriff im engern Sinnnoch die Worte auf: Cineres (Hieron. Ep.ad Ripar. c. 2; Prudent. Perist. III 194.IV 38. VI 134 u. ö.; Paulin. Nol. Natal.IX 404; Isidor. Peius. V, ep. 57), Favillasancta ( Hieron. Ep. 14 ad Mareell.; Pru-dent. Perist. VI 130) = xovic (Greg. Naz.Carm. camb. de virt. v. 745; Greg. Nyss.Orat. in laud. XL mart.), Exuviae (Pru-dent. Perist. XI 183; Ambros. Exh. virg.e. 1, § 7); für den Begriff im weiternSinn: Pignora sanctorum (Gregor. Türmt.Hist. Franc. IX 40 u. ö.), Benedictio (Gre-gor. M. 1. III, ep. 33; VII 26. VIII 35,ed. Maur.), Beneficia sanctorum (Greg. M.Ep. III 33. VI 50. XI 64, c. 9, ed. Maur.),besonders häufig aber Sanetuaria (z. B.Ep. Hormisd., Mansi VIII 485; Greg. M.Ep. I 54. II 5. 12. VI 22. 45. IX 15 u. ö.).Dass die alte Kirche, welche, von Juden-aposteln gegründet, zunächst aus Juden-christen bestand, sich von der R.-Vereh-rung wegen der gesetzlichen Unreinheitder Gräber und Leichen fernhielt und dasserst durch die heidenchristlichen Semi-convertiten des vierten und der folgendenJahrhunderte die heidnische Neigung fürVerehrung menschlicher R. und für denGlauben an ihre schützende Macht in dieKirche eingedrungen sei (vgl. Smith undCheetham Dict. II 1768 f,; Augusti Denkw.XII 264 f.), ist eine historisch unhaltbareAnsicht. Die Vorstellung, dass jede Be-rührung von Todten befleckend sei underst durch sorgfältige Reinigungen geho-ben werden müsse, ehe man irgend einenreligiösen Act verrichten dürfe, war beiden Römern und Griechen so herrschendwie bei den Juden (Döllinger Ileidenth. u.Judenth., Rogensburg 1857, 541); ebensohielten die Griechen die Berührung vonGräbern für befleckend (Theodoret. Graec.affect. cur. disput. VIII, Opp. ed. SchulzeIV 908). Somit hätte wol für die helle-nischen Heidenchristen in diesen national-religiösen Anschauungen kein geringeresHinderniss für die R.-Verehrung gelegen,
und tliatsächlich ist die heidnische Pole-mik gegen die R.-Verehrung von dem Vor-wurf der Unreinheit der R. ausgegangen(vgl. unten n. V). Aber trotz dieser An-schauung pflegten die Griechen an denGräbern ihrer Heroen, deren Gebeine siezu besitzen glaubten oder in Folge einesOrakelspruches ins Land gebracht hatten,Gebete zu verrichten und Opfer darzu-bringen (Döllinger 92); darum berufen sichdie christlichen Apologeten der R.-Ver-ehrung: Eusebius (Praepar. evang. XIII 1),Gregor. Naz. (Adv. Iulian. or. I, c. 69 sq.),Cyrill. Alex. (Contra Iul. 1. X), auf dengriechischen Heroen-Cultus als auf einAnalogon (nicht ein Vorbild und Muster,vgl. unten n. III), und der letzte der grie-chischen Apologeten sagt nicht mit Un-recht: ,wenn alle Völker wegen der (litur-gischen) Verunreinigung durch den Besuchder Gräber an unserer Verehrung derMartyrer-Ueberreste Anstoss nehmen, dieGriechen haben dazu kein Recht* (Theo-doret. 1. c. disp. VIII rcepi trjc tSv p.apru-pcov Tip]?, Opp. IV 908 sqq.). Judenchrist-licher Abneigung gegen die R.-Verehrungkonnten aber die Constit. apost. (VI 30)mit dem Hinweis auf alttestamentliche Ana-loga begegnen, darauf, dass Joseph dentodten Patriarchen Jakob umarmte, Mosesund Josua die Ueberreste Josephs nachdem gelobten Lande übertragen (Exod.13, 19; Jos. 24, 32) und die Gebeine desElisaeus dem Leichnam eines Mannes, dersie berührt hat, das Leben wiedergegebenhaben (IV Kön. 13, 21). Die allgemeinmenschliche und die spezifisch christlicheDenk- und Handlungsweise ist somit tref-fend in den Worten Gregors von Nyssa nie-dergelegt: ,sonst werden die Ueberresteverabscheut und Niemand geht gern aneinem Grabe vorbei, oder, wenn er un-verhofft auf ein offenes stösst und seinenBlick auf die Hässlichkeit seines Inhalteswirft, so eilt er mit lauter Ekel erfülltvorüber. Wenn er aber an einen solchenOrt kommt, wo sich das Andenken unddie hl. Ueberreste eines Heiligen befinden,so . . . wünscht er sofort auch dem R.-Schrein (0-Tqx.vj) nahe zu treten, indem erglaubt, dass die Berührung Heiligung undSegnung sei; und lässt man ihn Staubmitnehmen, wie er an der Einfassung sei-ner Ruhestätte sich gelagert hat, so wirdder Staub als Geschenk betrachtet unddie Erde wie ein Schatz aufbowahrt; dassaber die Berührung der Ueberreste selbst,wenn sie einmal durch irgend einen glück-lichen Zufall möglich wird, sehr erwünschtund die Befriedigung des höchsten Ver-langen ist, das wissen die, welche es er-fahren und diese Sehnsucht gestillt haben(Orat. de s. Tlieod. c. 1, Ruinart Acta