Band 
Zweiter Band. I - Z.
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Spieltische und Würfel.

wie an Aberglauben oder Götzendienst er-innerte und mit der Heiligkeit und Wahr-heit des Evangeliums und mit den heili-gen Gebräuchen der römischen Kirche imWiderspruch war. Es lässt sich daherkeine Vergleichung anstellen zwischen denGegenständen, womit die griechischen undetruskischen Gräber gleichsam als Wohn-stätten der Verstorbenen ausgestattet wa-ren, und denjenigen, welche in den christ-lichen Coemeterien gefunden wurden. Denndie Art und Weise, in der sie in diesenund bei jenen sich uns darstellen, istgänzlich verschieden. In den heidnischenGrabstätten wurden diese Gegenstände indas Grab selbst, rings um den Leichnamherum gelegt; dagegen befinden sie sichin den Katakomben stets ausserhalb desLoculus und wurden augenscheinlich inganz anderer Absicht im Kalkbewurf oderTuf befestigt. Während nämlich die heid-nischen Gräber mit den Gegenständen destäglichen Lebens, des Schmuckes oderblossen Vergnügens ausgestattet wurden,welche dem Verstorbenen besonders liebgewesen, fehlen dieselben gänzlich in denchristlichen Gräbern, welche nichts An-deres als den Leichnam enthalten. EineAusnahme machen nur jene wenigen Arm-bänder und Ringe, welche in ganz selte-nen Fällen noch am Arme oder Fingersieh befanden und aus Ehrfurcht gegenden Verstorbenen ihm nicht abgenommenwurden, wenn er damit angethan ausdem Leben schied. Zudem wurden diegenannten Gegenstände ganz und in grosserAnzahl in den heidnischen Gräbern nie-dergelegt und sind nicht selten von hohemWerth. Von jenen dagegen, welche sichneben den Gräbern der Katakomben be-finden, ist regelmässig nur je einer vor-handen und dieser ist entweder nur einFragment und daher unbrauchbar, odervon so roher und ungestalter Ausführung,dass es bei Annahme jenes abergläubischenBrauches unbegreiflich erscheint, wie manglauben konnte, damit dem Verstorbeneneine Freude zu machen.

Alle diese Gegenstände in ihrer unbe-grenzten Mannigfaltigkeit waren, wie deRossi nachweist, nichts Anderes als Er-innerungs- und Erkennungszeichen, durchwelche es den Verwandten und Freundenermöglicht wurde, die Grabstätte ihrerVerstorbenen wieder zu finden. Sie ver-sahen somit die Stelle der Grabnummernin den heutigen Begräbnissplätzen. Zudiesem Zwecke war, wie die Thatsachebeweist und schon vor de Rossi Buonar-ruoti bemerkte, jeder Gegenstand genü-gend, der ihnen unter die Hände fiel.Schon daraus ergiebt sich daher die Un-wahrscheinlichkeit jener Meinung, wonach

die S. in abergläubischer Absicht ange-wandt wurden, und noch deutlicher be-weist dies der Umstand, dass kein einzigerdieser S. innerhalb eines Steinsarges oderGrabes gefunden wurde, sondern dasssämmtliehe in unverkennbarer Weise stetszu dem einzigen Zwecke gebraucht wur-den, um als Deckplatten der Gräber ander Wand oder auf dem Boden zu dienen.Weil sie sich somit nach der verschiede-nen Grösse des Grabes richten mussten,wurden sie in den meisten Fällen inStücke gebrochen, und das beweist wie-der, wie unrichtig die Ansicht sei, alshabe man dem Verstorbenen durch solcheBruchstücke ein gewisses Gefühl vonFreudebereiten wollen durch die Erinnerung andas beim Spiel genossene Vergnügen.

Das Studium der Katakomben hat unsjetzt klar gezeigt, dass die Fossores, wennsie den Leichnam in dem Loculus bei-gesetzt hatten, sich zum Verschlüsse desersten besten Steines — Ziegel oder Mar-,mor — bedienten, der ihnen unter dieHände kam. Wenn aber derselbe heid-nische Zeichen oder Inschriften trug,pflegten sie aus religiöser Rücksicht diedamit versehene Seite nach der innernSeite des Grabes zu kehren und so denAugen der Gläubigen zu entziehen. Dar-aus erklärt sich das Vorkommen vielerMarmorplatten mit doppelter Inschrift, sog.Opistographa, welche auf der innern Seiteeine heidnische Inschrift haben und aufder äussern den Kamen eines Christen inden Stein eingehauen oder eingeritzt (Graf-fito) tragen. Nicht die gleiche Rücksichtbeobachteten sie, wenn sie die Loculi mitSpieltafeln oder Fragmenten derselben ver-schlossen; denn da sich dieselben nichtauf heidnischen Cultus bezogen, hattensie daraus auch nichts für die Reinheitdes christlichen Glaubens und der kirch-lichen Gebräuche zu befürchten. Zuweilensehen wir daher sogar die den Namen desVerstorbenen bezeichnende Inschrift mit-ten zwischen den Linien und Spielzeichender genannten Tafeln. Da die Fossoressie nach der verschiedenen Grösse derLoculi in Stücke brechen mussten, sindviele derselben unvollständig und wegendes unbedeutenden Umfangs der Frag-mente schwer zu ergänzen. Raoul Rochette,welcher diese Umstände nicht erwog oderrichtiger gesagt nicht kannte und einervorgefassten Idee folgte, wollte das Vor-kommen dieser Tafeln in den christlichenCoemeterien nach heidnischer Auffassungerklären, was jedoch der Reinheit undHeiligkeit der christlichen Lehre undDisciplin unwürdig und den obigen Aus-einandersetzungen zufolge unrichtig undfalsch ist.