Band 
Zweiter Band. I - Z.
Seite
822
JPEG-Download
 

822

Taube, eucharistische.

über dem hl. Tisch aufgehängt 1 ( Boiland .Acta SS. Iun. II 943). Innocenz I (402)liess in die Kirche des hl. Gervasius undProtasius ,einen silbernen T h u r m mit Pa-tene und vergoldeter Taube, 30 Pfundwiegend 1 , anfertigen, und Hilarius (461)nach S. Giovanni in fonte zu Rom ,einensilbernen Thurm mit Delphinen (alsFüssen), 60 Pfund schwer, und eine gol-dene Taube, 2 Pfund wiegend 1 . Wie-derum ist ,ein Peristerium (Thurm?) undeine silberne T. zum Behältniss 1 erwähntin dem Testament des Bischofs Perpetuus(ca. 490) von Tours ( d’Acherii Spicil. ed.Paris. 1733, III 303), und in den Actendes Concils von Tyrus 518 ( Mansi VIII1037) liest man von goldenen und silber-nen Tauben über Altären und in Tauf-kapellen, welche Bischof Severus wider-rechtlich sich aneignete.

Der Stoff der eucharistischen T. istim Vorhergehenden mehrfach genannt.Wie haben wir uns aber T., Teller undThurm verbunden zu denken? Die ausdem MA. in Mailand, Göttweih, Salzburg,Sigmaringen, Amiens erhaltenen Gefässedieser Art zeigen, dass die Tauben mitVorliebe auf Teller gestellt und mittelstKettchen aufgehängt wurden. Fehlt dieseVorrichtung zum Hängen, wie z. B. beijenen Exemplaren in Sigmaringen undMailand, so wurde, wie das namentlichMabillon nachzuweisen suchte (Comm. inOrd. Rom., It. Ital. 186), die T. in einenThurm hineingestellt, ähnlich wie jetztdie Pyxis in den Tabernakel. Der breitenUnterstützungsfläche und der beträcht-lichen Grösse wegen, welche die stellbarenTauben haben, scheint uns diese Ansichtwahrscheinlicher, als die von Martigny an-geführte, nach welcher die Tauben aufdem Thurme standen. Auf den paar Bil-dern, welche letztere Anordnung zeigen,scheint die T. auf dem Kegel des Thur-mes nur Decorationszweck (Kreuz auf Ci-borium) zu haben. Nach unserer Ansichthing also die T. entweder frei auf einerPatene stehend über dem Altar unter demCiborium, oder wurde mit oder ohne Tel-ler in einen Thurm hineingeschoben undin besonderen Nischen (Pastophorien, Ar-marien, Secretarien) aufbewahrt.

Oefter werden auch Tauben in grösse-ren Taufkapellen erwähnt, z. B. vonAnastas. In vit. s. Ililar., in den Actendes Concils von Tyrus (518). Hier dien-ten sie zur Communion der Neugetauften(Hippol. can. 19, ed. Haneberg 1870). Wel-chen Zweck die nämlichen Gefässe überGräbern hatten (Gregor. Turon. Mirac.I 72) ist ungewiss. a. schmid.

II. Mit Recht macht Martigny 2 189 aufden Unterschied zwischen Taube und

Fig. 481. Emaillirte Peristera inS. Nazario in Mailand (Alle-g ran za Mon. sacri di Milanotav. I).

Peristerium (irEptaTsptov) aufmerksam.Letzteres ist der kleine Baldachin, welcherdie Peristera umschloss. Der hl. Perpetuusv. Tours schenktin seinem Testa-ment ,periste-

rium et colum-bam argenteamad repositorium 1 .

Ob die T. dannnoch eine kleinePyxis umschlos-senhabe, wi eDu-cange (i. v. Co-lumba) anzuneh-men scheint, istnicht mit Sicher-heit zu sagen.

Die Gestalt der T. veranschaulichtdie beigegebene Abbildung Fig. 481 nacheinem in S. Nazario in Mailand erhaltenenExemplar, welches Allegranza(Mon. sacri di Mil. tav. I) pu-blicirt hat. In einem Sarko-phagrelief ( Bottari tav. XIX)glaubt man in dem zu Füsseneiner betenden Frau abgebil-deten kleinen Gefäss mit derT. (s. unsere Abb. Fig. 482) diefrüheste Wiedergabe der eucha-ristischen Turris zu erblicken.

Ich bin von dieser Deutung, sowahrscheinlich sie sein mag,nicht ganz überzeugt. Die Tur- ,

ris eucharistica ohne T. sehen wir autdem von Paciaudi (De cultu s. Ioan. Bapt-389) herausgegebenen Elfenbein, wo der

Fig. 482.Pyxis mit d.Taube. "Ton

einemSark 0 '

phag ( B 0 4 't a r i tav.XIX).

Fig. 483. Hl. Stephanus mit Weihrauchfasseucharistica, Elfenbein (Paciaudi l>e cultu

Bapt. 389).

Diakon Stephanus in der ■^ cc 1 l l * :e Jri ur risWeihrauchfass, in der Linken dieträgt, auf deren Spitze ein Kreuz