Band 
Zweiter Band. I - Z.
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Toleranzedicte.

Erzählung (ap. Cass. Dion. Hist. Rom. ed.L. Dindorf V 232); indess fehlt hier dieNotiz, der Kaiser hätte trotz der Ableh-nung des Senats die Ankläger der Chri-sten mit Todesstrafe bedroht (,6xi Tißepio?dv7)7Y£ XXev x4,v aupd^xov, Sore xöv Xpuxöv

xpurxaiSExaxov bsov elvar f) Se G'rf/.'hr^o c ouxd~EOE'a.xa, 5>gxe xat xiva daxsieudjxEvov6xi xpioxaiosxaxov ou oiyesüs, xat irpcöxocspy_sxai‘). Für unsern Zweck ist die Haupt-sache , dass schon Tertullian den KaiserTiberius zum Urheber eines Toleranz-edictes für die Christen macht (Caesarin sententia mansit, comminatus periculumaccusatoribus). Henr. Valesius (ed. Euseb.Opp., Annot. ad H. e. II 2, 24 sq.), Tille-mont (Mem. pour servir ä l’hist. eccl. II,P. II 4, Bruxelles 1695; t. II 73 [2 e ed.Paris 1701]: car Tibere, bien loin de les[les chretiens] persecuter, n’avait use deson autorite que pour les defendre, 168 f.),ja sogar heutzutage Le Blant (Note surles bases juridiques des poursuites etc. inComptes rendus de l’Acad. des Inscr.,nouv. ser. II 373, Paris 1866) halten dieseErzählung für eine historische Thatsache,ja der berühmte Epigraphiker schliesstsogar hieraus, das Christenthum sei schonunter Tiberius eine religio illicita ge-worden. Zu Gunsten dieser Annahmekönnte man geltend machen, dass, ent-sprechend dem angeblich von Tiberius be-liebten Modus, zur Erhebung eines ver-pönten Cultus zu einer religio licita etadscita wenigstens nach der Gesetzgebungder früheren römischen Kaiserzeit einZweifaches erforderlich war, nämlich einbetreffender Antrag des Kaisers und einSenatsbeschluss (vgl. den bezüglichen Aus-spruch des berühmten Rechtsgelehrten VI-pian bei Bigaltius zu Tertull. Opp., not. dad Apol. c. 5, p. 6). Gleichwol kann ichaber in der ganzen Erzählung mit Sam.Basnage (Ann. politico-eccl. I ad ann. Chr.33, 433 sq., n. 191—193 incl.), Keander(Allg. Gesch. der christl. Religion I, 1,Hamburg 1825, 134 f.), Th. Keim (Romund das Christenth., lirsg. von II. Ziegler,Berlin 1881, 167—171, wo ich übrigensdie Erwähnung der wichtigen Stelle beimAnonym, post Dionem vermisse; s. meineAnzeige des Kehn’ sehen Buches im Gött.philol. Anz. XII 1882, Nr. 6 [325—333],328 f.) und II. Hilgenfeld (,Verhältnis desrüm. Staates zum Christenth. in den bei-den ersten Jahrh.‘, in Zeitschr. für wiss.Theol. XXIV 1881, H. 3 [291—2311, 292)nur eine Fabel, eine pia fraus erblicken;hierzu zwingen mich folgende Erwägungen.Erstens widerspricht das angebliche Tole-ranzedict des Tiberius durchaus dem hi-storischen Zusammenhang: es involvirteinen Anachronismus der bedenklich-

sten Art. Im ersten christlichen Jahr-hundert galt das Christenthum bekannt-lich als jüdische Secte, und seine An-hänger genossen, abgesehen von den vor-übergehenden und localen Bedrückungenunter Nero und Domitian, gleich denJuden die Privilegien einer religio licita;wie aus Plin. Ep. X 97. 98 erhellt, wardas Christenthum erst seit Traian alsreligio illicita verpönt (vgl. meine bezüg-lichen Ausführungen in d. Art. Christen-verfolgungen, röm., I 215, Absclin. B, I).Zweitens, wenn man auch die Erzählun-gen des Tacitus und Suetonius über dievon Tiberius gegen Mitglieder der Aristo-kratie verübten Grausamkeiten für über-trieben ansehen mag, so viel dürftedoch feststehen, dass die Curie damals vielzu servil war, um in einer wichtigen Ange-legenheit, der ausdrücklichen Willensäusse-rung des Princeps entgegen, einen feier-lichen Beschluss zu fassen und aufrecht zuhalten. Drittens endlich erscheint der ge-schichtliche Tiberius als entschiedenerGegner der ausländischen Religionenund speciell der palästinensischen Sacraund des Judenthums; es kommen hierfolgende Quellenbelege in Betracht. BeiSueton. Tiber, c. 69 (ed. Bipont.) heisst esallerdings, der Imperator sei überhauptreligiös indifferent gewesen ( circadeos ac religiones negligentior, quippe ad-dictus mathematicae persuasionisque ple-nus, cuncta fato agi). Seine Abneigunggegen ausländische, jüdische und ägyp-tische, Culte ist aber nicht nur Sud. Tib.c. 36 (externas caerimonias, Aegyptios-Iudaicosque ritus compescuit; coactis, quisuperstitione ea tenebantur, religiosas ve-stes cum instrumento omni comburere.Iudaeorum iuventutem, per speciem sacra-menti, in provincias gravioris codi distri-buit; reliquos gentis eiusdem vel similiasedantes urbe submovit) , sondern auchTacit. Annal. II 85 bezeugt (actum et[nämlich in dem ganz vom Princeps ab-hängigen Senate] de sacris Aegyptiis lu-daicisque pellendis).

Bei Oros’us tritt das durchaus apo-kryphe Toleranzedict noch in viel ent-schiedenerer Form auf (Tiberius tarnenedicto accusatoribus Christianorum mor-tem comminatus est). Da findet sich dennauch die ungeheuerliche Angabe, Seia-n u s, der bekannte Günstling des Kaisers,,hätte zumeist dem Ansinnen desselbenwidersprochen. Dieser war aber schon imJ. 31, also vor dem Kreuzestode Christi,hingerichtet worden (vgl. Sueton. Tiber,c. 65). Endlich berichtet Orosiusj der Se-nat hätte damals die Ausweisung der römi-schen Christengemeinde beschlossen. Obaber von einer solchen kaum wenige Jahre