Band 
Zweiter Band. I - Z.
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Velum.

geöffneter Thüre zum Schutze gegen Son-nenhitze, Staub und Regen dienten, wiees heute noch in den meisten römischenKirchen Gebrauch ist. Zeugniss giebt eindem Clemens Rom. unterschobener Brief,sowie Epiphanias, der in Anablatha ,einenVorhang an einer Thüre‘ hängen sah undihn zerriss, weil irgend ein hl. Bild an-gemalt war ( Epiphan. Ad Ioan. Hieron.).Der hl. Hieronymus (Epitaph. Nepotian.ep. 60 ad Ileliod. n. 12) lobt dagegen denPriester Nepotian, weil er immer dafürbesorgt war, ,dass Vorhänge an den Thü-ren hängen“, und Raulinus Eol. schreibtvon der Kirche des hl. Felix (Natal. III98): ,die goldenen Schwellen werden mitVorhängen so weiss wie der Schnee ge-schmückt“; ähnlich Natal. VI 31. Diejüngeren Kleriker sollten den älterenbeim Durchgänge diese Vorhänge auf dieSeite heben ( Conc. Narbon. 589, c. 13).Mosaikbilder aus dem 4. Jahrh. in derS. Georgskirche zu Thessalonich (TexierL’architecturo byzantine, Londres 1864,pl. XXX—XXXII) und in S. Apoliinarezu Ravenna aus dem 6. Jahrh. ( CiampiniVet. mon. 1747, II, tab. XXVI) veran-schaulichen diese Vorhänge an den Thü-ren ganz deutlich.

In dem Hirten des Ilermas (I 2), sowiein einem Briefe des hl. Augustinus (Ep. adMaximin.) werden auch Vorhänge an denLehrstühlen (cathedrae velatae) er-wähnt. Diese Verhüllung stammt aus denSynagogen, in welchen der Chakam hintereinem Vorhänge dem Methurgeman ein-flüsterte, und ist auf Marmor dargestelltin einem Coemeterium an der Via Labi-cana zu Rom (abgeb. bei Gueranger St. Ce-cile, Paris 1874, 277). Andere Vorhängehingen bei festlichen Gelegenheiten in denSäulenarkaden des Schiffes ( Änastas. Invit. Zachar. a. 742), sowie beim Eingängein den Chor zwischen Altar und Volk,und zwar nicht bloss vorübergehend, wiez. B. bei Gelegenheit einer Altarweihe(Ordo vom. in bibl. PP. Lugd. XIII 725),soindern nach Art des jüdischen Vorhangsdas ganze Jahr über. Von einem solchenVorhang, welcher entweder zwischen denvorderen zwei Ciboriumsäulen oder an demChorgitter (Bilderwand) ausgespannt war,redet der schon erwähnte Brief des ClemensRom. an Jacobus, der römische PresbyterHippolyt (can. 29. 36), Paulinus Eol. (Na-tal. Xi 673), Theodoret (Hist. eccl. IV 19).Bei gewissen Messtheilen wurde dieserVorhang vorgezogen, wie die in den orien-talischen Liturgieen sich findende Oratiovelaminis und der hl. Chrysostomus (Hom. 3in ep. ad Ephes.) in den Worten andeu-tet: ,sobald du rufen hörst: lasset unsgemeinschaftlich beten; sobald du siehst,

letzteres einen grünen Altar-Voi'-

dass die Vorhänge herabgelassen werden,stelle dir vor, als neige sich der Himmelherab und stiegen die Engel hernieder.“Wenn auch die heutigen Griechen dieseSitte nicht mehr beibohalten hätten, sowäre sie dennoch deutlich veranschaulichtdurch Mosaikbilder in S. Apoliinare zuRavenna ( Ciampini Vet. monum. II, tab.XXIV) und in der Georgskirche (4. Jahrh.)zu Thessalonich ( Teocier L’archit. byzant.pl. XXXIV); ersteres Bild zeigt einenChor-hang.

An einzelnen Orten wurde der Altar aufdrei oder vier Seiten durch Vorhänge (tetra-vela), welche zwischen den Säulen desCiboriums hingen, verhüllt. Für diesePraxis im Abendlando giebt AnastasiusZeugniss in dem Leben der Päpste Gre-gor III (731), Leo III (795), Hadrian II(867) und Stephan VI (885); für jene imMorgenlande bürgt Paulus Silent, in seinerBeschreibung der Sophienkirche ( Kreutzer1875, 24) durch die Worte: ,ihr, Priester,denen solches zu thun obliegt, entfaltetden Vorhang, gefärbt mit dem Blute dersidonischen Muschel, und verhüllet denAltar und zeiget an den vier Seiten dengerade herabhängenden Vorhang ausspan-nend dem unermesslichen Volke die Fülledes Goldes und die schönen Gebilde derKunst, die auf demselben angebracht sind.Eine Seite zeigt das ehrwürdige Bild Christi,welches darauf von künstlicher Hand, nichtmit dem Grabstichel, noch mit der Nadelgebildet ist, sondern mit dem die vielfachgefärbten Fäden durcheinander wirkendenWeberschiff“ . . .

Wozu diente diese Verhüllung des Al-tares? , Nicht Alle sehen die Tiefe derGeheimnisse, weil sie von den Levitenverhüllt werden, damit diejenigen nichtsehen, welche nicht sehen dürfen, unddiejenigen nicht nehmen, die nicht behal-ten dürfen“ ( Ambros. De offic. I 50). Eineähnliche Deutung giebt eine alte Erklärungder gallicanischen Liturgie (c. 6. Jahrh):,der Vorhang vor den Geheimnissen wirddeshalb so geschmückt, weil die Auferste-hung des Herrn oder das Himmelszelt,welches jetzt den Herrn unseren Augenvordeckt, allen Schmuck übersteigt“ (Mar-thie Anecd. V 95).

Die hier kurz geschilderte textile Deco-ration in den ersten Jahrhunderten bliebnicht ohne mächtigen Einfluss auf die spä-teren Kunstperioden. Zur Litteratur:Schmid Christi. Altar, 1871; Organ fürchristl. Kunst, 1873; A. Castel Les tapis-series, Paris 1876. a. scu.mid.

II. Dass neben dem Altar-V. auch an-dere Vela in der Kirche zur Verwen-dung kamen, ist bekannt. Die Sitte, die