Band 
Zweiter Band. I - Z.
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Verkündigung Marine.

Acten: erstens der Scene am Brunnen,wo Maria Wasser schöpft, und zweitensin ihrem Hause, wo sie mit Spinnen derPurpurwolle beschäftigt ist. Beide Scenenfinden wir nun seit dem 5. Jahrh. in derchristlichen Kunst dargestellt. Die Scenedes Wasserschöpfens begegnet uns

1) auf einem früher in S. Celso in Mai-land, jetzt in der Kathedrale daselbst be-wahrten Elfenbein-Buchdeckel, den zuerstBugati (Mem. di s. Celso, Mil. 1782, tav.II ®) und nach ihm Garrucci (tav. CCCCLIV)abgebildet haben (vgl. uns. Fig. 518 und

Fig. 518. Elfenbein der Kathedrale zu MailandiBugati Mem. di S. Celso tav. II).

oben I 406; Westwood n. 95.96; LabarteArts ind. 2 I, pl. V). Der geflügelte Engelsteht vor der auf den Knieen vor demQuell liegenden und mit einer IlydriaWasser schöpfenden Maria, welche sicherschrocken umwendet. Man setzt dasRelief ins 6. Jahrh., doch lässt das Fehlendos Kimbus bei beiden heiligen Gestaltenvielleicht noch aufs 5. schliessen.

2) Elfenbeintafel des South Ken-sington Museum n. 149 (Maskell Ca-tal. 67; Westiroocl n. 97—99). Westivooä(p. 42) setzt das Werk ins 6.—7. Jahrh.und bezeichnet es als ,italienisch“.

Die Scene des Wollspinnens war ent-schieden, als die zweite und entscheidende,populärer. Sie findet sich auf folgendenDenkmälern:

1) Auf dem Mosaik Sixtus’ III!in S. Maria Maggiore (Ciampini Vet.mon. I 207, tab. II; Garrucci tav. CCXIund CCXII; Lehner Tafel III; AgostinoValentini La patr. Basil Liberiana, Rom.1839, 63 f., tav. LXI; de Waal Organ f.christl. Kunst, 1872, 5 f.), welches vonHach (a. a. 0.) als die älteste Dar-'Stellung des Sujets betrachtet wird. |Der Engel erscheint hier zweimal, zuerst!in der Luft auf Maria zuschwebend, dannvor ihr stehend, beidemal geflügelt und Imit Kimbus, während Maria, ohne Kimbus, 1in Prachtgewand auf einem Sessel mit!Fussbank sitzt und die Purpurrolle auf!

einem neben ihr stehenden Korb überihren Schooss hinzieht. Hach (a. a. 0. 431)sieht, gewiss irrthümlich, nur die Spindel,nicht den Korb und den Wollfaden an-gegeben.

2) Auf einem Oelfläschchen vonMonza (Zeit Gregors d. Gr.) bei Garrucci(tav. CCCCXXXIII 8 ) steht der Engel ge-flügelt mit Kimbus, wie auf dem Mosaiknoch ohne Scepter, vor der Jungfrau,welche sich von ihrem Stuhl erhoben hatund anscheinend die Wolle aus einemKorbe zieht. Ueber der Scene K£P£ (yatps).

3) Auf dem Elfenbein der Samm-lung Trivulzi in Mailand ( Garrucci tav.CCCCLIII*). Der Engel, geflügelt undmit Scepter, steht vor der ebenfalls auf-gerichteten Jungfrau am Eingang einesGebäudes mit reichem Fronton. Mariahat zu ihren Füssen einen kleinen Korb,in welchem die Spindel u. s. f. sichtbarist. Wol auch 5.—6. Jahrh.

4) In der Evangelienhandschriftdes Rabulas (586; Garrucci tav. CXXX,unzuverlässige Abbild, bei Assemani Bibi,oriental. I, tab. V; d’ Agincourt, deutscheAusg., Malerei, Taf. XXVII 2 ; BiscioniCatal. bibl. Med.-Laur. 171). Der Engel,geflügelt, mit Kimbus und Scepter, steht,ebenso wie Maria, welche, gleichfalls mitKimbus, Tunica und Pallium, sich vorihrem Sessel und auf der diesen tragen-den Stufe, angesichts eines Gebäudes, auf-gerichtet hat und die Wolle aus einerArt Urne herauszieht.

5) Auf einem geschnittenen Steinedes Cabinet des medailles zu Paris(Garrucci tav. CCCCLXXVIII 29 ) stehensich beide Gestalten, beide mit Kimbus,gegenüber, der Engel geflügelt und mitdem Scepter, die Jungfrau hat wieder wieoben die Wolle aus dem Behältnisse ge-zogen.

6) Einen andern Cameo derselben Samm-lung mit ähnlicher Darstellung bietet Bo-haidt de Fleury (La ste. vierge I 78,pl. IX).

Auf allen diesen Darstellungen (1—6)sieht man, wie erwähnt, in gleicher Weisewie auf dem Ravennatischen Sarkophag-relief, den Korb oder die Urne, auswelcher die Jungfrau eben denWollfaden herauszieht. Verschie-den von diesen bieten eine Anzahl andererWerke nicht den Korb, sondern nur dieSpindel; es sind folgende:

7) Platte vom Elfenbeinstuhl deshl. Maximianus bei Olivieri in Pe-saro ( Garrucci tav. CCCCXV1T *), um 556entstanden. Maria sitzt unter einem Ge-bäude auf ihrer Kathedra, anscheinendeinem geflochtenen Korbstuhl, die Spindelin der Linken. Der Engel steht, geflügelt,