Band 
Zweiter Band. I - Z.
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Vigilien.

Todes, während der Christ ein Lebenderund Erleuchteter ist, welcher in dieserWeltzeit nur insoweit dem Schlafe hul-digen darf, als physisch unbedingt nöthig.Jedenfalls soll er sich zur Nachtzeit er-heben , um Gott zu loben und möglichst,sine intermissione 1 (I Thessal. 5) Tag undNacht, wie die Engel, Gott loben (Clem. Al.Paedag. II 9). ,Wie unsere Yäter sagten, 1schreibt Orig. C. Cels. YI 41, ,bereitetsich um Mitternacht jede Creatur zumDienste der göttlichen Herrlichkeit undpreisen die Engel und die Seelen der Ge-rechten Gott, wie der Herr selbst (Matth.25, 6) andeutet. 1 Ohnehin, meint Origenes,sei die Nachtzeit geeignet zu Gebet undGeistessammlung (In Thren. 51), und das-selbe behauptet Chrysostomm Hom. 42 adpop. Antioch., während Cyprian. De orat.c. 35 u. 36 mit dem Gedanken, Christusist die wahre Sonne, in tiefsinniger Weisedie Pflicht des nächtlichen Wachens undBetens begründet (vgl. Ep. 34 u. 35 undE.-E. I 554 (Art. Gebet) und Tertull.Apol. c. 39.

Diesen Gedanken liebt nachmals Ama-larius (De ord. antiph. c. 2, Migne P. L.CV 1249) hervor: primitiva ecclesia surrexü(in officio matutinali dominicalium noctium)ad lucem verae fidei, quae est in NovoTestamento. Nicetius von Trier hat ineinem eigenen Werke (De vigiliis servorumDei) aus dem A. und N. Testament eineganze Eeilie von Gründen für die Feierder V. zusammengestellt (Migne P. L.LXVIII 365 ff.). Wir verkennen nun nicht,dass die meisten der mitgetheilten Stellennicht sowol die V., insofern sie Vorberei-tung eigener Feste sind, im Auge haben,als das Nachtofficium (s. unten); alleinsie sprechen zugleich für die nächtlicheVorfeier, um die es sich zunächst hierhandelt. Die Christen suchten sich in einergemeinsamen gottesdienstlichen Nachtfeierauf das Mysterium des Festes vorzu-bereiten.

2) Ausser dem Worte Yigilia, welchesin liturgischem Sinn erstmals bei Tertulliansich findet, begegnen uns noch die Aus-drücke Statio nocturna im Gegensatz zurStatio am Tage (s. d. Art. Statio II 782),Convocatio nocturna ( Tertull. Ad uxor.II 4); creme, für die Y. während derganzen Nacht Pernoctatio, Pervigilium,axaai; ■ädwjyoc, ravvoyii. In der jüngernGräcität T.ayj.g. 0 '^, sonst ebenfalls ein mi-litärischer Terminus; Lect. Maxim. Conf.§ 63: £v tt, -apap.ovjj riji uiJauasuK . . . xoü(jtaupoü. diav’jxTspiojii bei Euseb. II. e.YI 9: ev TYj Stav’jy.TEps'jisi 6püv dvoqtvaiaxovTsjtöv vöpov (vgl. Consl. apost. Y 19 und Evagr.H. e. VI 34). Besonders bedeutungsvollist auch die Bezeichnung dypo“v(a, üqpuuvEiv

(lystpuw otwoc), die sechsmal im N. Testa-mente in dem Sinne von Bereitsein stehtund in der patristischen Sprache bald dasProfestum, bald das Officium nocturnumanzeigt. Epiphan. Panar. III 1 und Haer.50, 10 u. 57: ev te raff vpioai; toö llci-ya.Öte Trap’ rjpdv yapisovi'ai, apisTai,, y.cr/.o~aikt7..zrfiofa'i’M , eöyal, ä-fpo-vt'ai te xai vrjaTSiai.Dorotheus Doctrin. c. 11: 6 i'/eipuw au“6vEtc tov xavova r?jc <Ü7pu7:vtac. Vgl. ebd- c. 9.

3) Alter. Chrysoslomns (Hom. 27 in Cor.)führt die Einrichtung der Y. auf die Apo-stel zurück und dagegen dürfte kaum einZweifel rege werden können. Die erstesichere Spur haben wir in den Act. s. Ignat.c. 6 ( RuinaH, ed. Eatisb. 69), wo die Ver-fasser der Acten nach dem Tode des Mär-tyrers die Nacht (vor der Deposition) mitGebet und Thränen zubringen (rotvvuytaav-xac). In den Acten Saturnins (decische Ver-folgung a. 250; Ruinartm ) lesen wir: (sic)illos dies, quibus in Dominici nominis con-fessione laetantes beatoque obitu regniscoelestibus renascentes (s. d. Art. NatalisII 483) . . . vigiliis, hymnis ac sacramentisetiam solemnibus honoramus. Währenddie V. jeweils der Deposition, bezw. demJahrestag der Märtyrer (Natalitien) vor-hergingen, ward Cyprian noch bei Leb-zeiten, nämlich in der Nacht vor seinemMartyrium, mit einer Art Vigil geehrt:concessit ei tune divina bonitas . . . ut Deipopulus etiam in sacerdods passione vigi-laret, schreibt Pontius Vita c. 15; vgl.Act. Cypr. c. 15 ( Ruinart 289). In tech-nisch-liturgischem Sinne steht das Wort V.erstmals Tertull. De orat. c. 29, wo erdie Stationstage von den V. scheidet: diestationis, nocte vigiliae meminerimus;voraus geht: itaque nunquam inermes(= ohne Gebetswaffe) incedamus. Der-selbe Schriftsteller meldet uns weiter dieEinrichtung der Ostervigil (Ad uxor. II4);dasselbe tliun für den Orient die Const.apost. V 19. Uebrigens zeugen für diefrühe Feier der V. auch die Häretiker,so die Basilidianer, welche nach Clem.Alex. (Strom. I 21) die ganze Nacht vorChristi Taufe (Epiphanie) mit Lesungenzubrachten und von den glänzenden V.der Arianer berichten Socr. II. e. VI 8;Sozom. II. e. VIII 8. Die Nachricht beiPaulin. (Vita Ambros, c. 4, § 13) willkeineswegs besagen, Ambrosius habe inden Verfolgungen (durch Iustina) die V.erst in Mailand eingeführt, die sicherlichdort schon bestanden, sondern nur, dassder Heilige die gesanglichen Theile neuorganisirte. In den alten Kalendarienfinden wir aus naheliegenden Gründen dieV. selten vermerkt.

4) Dauer und Zeit der Abhal-tung. Grosse, feierliche V. dauerten die