Volumina — Vorhang.
961
Vergleichen so reiche Gregor d. Gr. Hom.29 in Evangelia von Christus mit Be-ziehung auf dessen Himmelfahrt schreibt:
einen im Käfig eingeschlossenen Vogel.Und so ist’s. Wir sehen V. in Käfigenauf Wandgemälden der Katakomben wie
Ml
Fig. 522. Fresco aus dem Coemeterium des Praetextat (Bull. 1863, 3).
,avis recte appellatus est Dominus, quiacorpus carnem ad aethera liberavit 1 , wer-den die Seelen der Heiligen undGerechten durch V. symbolisirt. NachAnalogie der geflügelten Engel dachte mansich auch die Seligen des Himmels alsgeflügelt, d. h. leiblos, schwebend und vondem Gesetze der Schwere frei. Und wennman schon ungeflügelte Geschöpfe, wiedrei von den Symbolen der Evangelisten,mit Flügeln begabt sich dachte, um da-durch das Freisein von irdischer Schwereund die Erhebung zum Himmel (Greg. M.In Job 24, 8) zu sinnbilden, so lag esnicht fern, die Seelen der in den Himmeleingegangenen Gerechten durch V. vor-stellig zu machen (vgl. Gregor. M. 1. c.35, 2). Und wenn das von den Seligenüberhaupt gilt, so gilt es noch mehr vonden Märtyrern, deren Tod man alseine Befreiung aus dem Käfig dieser lei-densvollen Zeitlichkeit und einen Auf-schwung zur himmlischen seligen Hei-mat betrachtete, gemäss den Worten desPsalmisten (123, 6): ,anima mea sicutpasser erepta est de laqueo venantium:laqueus contritus est et nos liberati su-mus.‘ Aehnlich spricht sich Tertullian,welcher inmitten der Verfolgungen lebte,aus: alia caro volucrum, id est marty-rum, qui ad superiora conantur (De re-surr. c. 52).
V. auf Grabsteinen sind alsoSinnbilder der Seelen der Ver-storbenen. Das beweist bis zur Evidenzein altchristlieher Grabstein (de Rosst In-script. I 937), auf welchem zwei V. ab-gebildet sind, über welch beiden die Na-men der Verstorbenen BENERA und SAB-BATIA stehen.
War der Vogel Sinnbild der von denBanden des Leibes befreiten Seele, somusste die noch die Fesseln des Leibestragende Seele symbolisirt werden durchlieal-Encyklopädie. XI.
Fig. 523. Von einemGlas (Boldetti 154,tav. VI).
auf dem Boden der Goldgläser. Die bei-stehende Abbildung (Fig. 523) eines sol-chen im Käfig eingeschlossenen Vogelsist nach einem Glase derCoemeterien (BoldettiOsserv. 154, tav. VI).
Der Gebrauch diesesSymbols erhielt siehlange und wurde auchauf die Menschwer-dung Christi ange-wendet. Auf einem mu-sivischen Bilde in derKirche S. Maria in Traste-vere sind die beiden Pro-pheten Isaias und Eze-chiel dargestellt, erste-rer mit dem Spruch-bande: ECCE VIRGO CONCIPIET ETPARIET FILIUM, letzterer mit der In-schrift: CHRISTVS DOMIN VS CAPTVSEST IN PECCATIS NOSTRIS. Nebenbeiden Propheten ist je ein Käfig miteinem eingeschlossenen Vogel. Durchdieses Symbol will gesagt werden, dassChristus sich neun Monate in den Schoossder allerseligsten Jungfrau bei seinerMenschwerdung einschliessen liess unddass er in der Zeit für die Sünder Leidenerduldet hat und gestorben ist (Rom. 5, 6).
Bis heute hat sich bei der Canonisationder Heiligen die Ceremonie erhalten, dassder Papst einige in Käfigen eingeschlos-sene V. frei lässt. Dadurch soll ange-deutet sein, dass, wie die freigelassenenV. sich himmelwärts schwingen, so dieSeelen der Canonisirten bereits in dieWohnungen des Friedens sind aufgenom-men worden. münz.
VOLUMINA, s. d. Art. Bücher I 177.
VORHALLE, s. d. Art. Basilika I 122.
VORHANG, s. Velum II 931.
61